Dienstag, 18. Dezember 2018
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Marion Stadler thematisiert den bis heute ungeklärten Fall

Heimatkrimi über Essinger Babymord

Essing
erstellt am 23.08.2018 um 17:32 Uhr
aktualisiert am 27.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Es ist eine Geschichte, die Marion Stadler nie losgelassen hat. Darum hat die Essingerin ein Buch über den Babymord aus dem Jahr 2000 in ihrem Heimatort geschrieben. "Bayernhymne" heißt der Heimatkrimi, der den bis heute ungeklärten Fall Sabina thematisiert. Im Roman wird das Verbrechen aufgeklärt. "Ich wollte, dass dem Kind Gerechtigkeit widerfährt", sagt die Autorin.
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Die Blaubruck spielt im Roman von Marion Stadler eine wichtige Rolle. In ihrem Heimatkrimi verarbeitet die 41-Jährige den Fall Sabina. Am 24. August 2000 hatte ein Hobbyangler die Leiche eines Babys am Ufer des Main-Donau-Kanals bei Essing gefunden.
Die Blaubruck spielt im Roman von Marion Stadler eine wichtige Rolle. In ihrem Heimatkrimi verarbeitet die 41-Jährige den Fall Sabina. Am 24. August 2000 hatte ein Hobbyangler die Leiche eines Babys am Ufer des Main-Donau-Kanals bei Essing gefunden.
Schmied
Essing
Essing (DK) Wer hier daheim ist, der kennt sich aus. Der weiß, was es mit der Blaubruck auf sich hat, wo die Pschlacht liegt, wo der Friedhof. Und der weiß auch, wie das war, damals vor genau 18 Jahren, als ein Hobbyangler ein kleines Mädchen fand, eingehüllt in zwei Plastiktüten, abgelegt im Main-Donau-Kanal zwischen Altessing und Essing. Kaum zehn Tage alt war es geworden. Die Mutter? Nie gefunden. Der Fall? Bis heute nicht aufgeklärt. Das Motiv? Nicht greifbar. Marion Stadler reagiert noch immer mit Unverständnis, was den Babymord von Essing betrifft, der den bis dahin größten Massengentest an Frauen in Deutschland nach sich zog und bundesweit Schlagzeilen machte. Die heute 41-Jährige steckte damals frisch verheiratet mitten in der Familienplanung. "Unsere Hochzeit war im Juni und im August haben sie das tote Baby gefunden. Ich kann einfach nicht verstehen, wie man so etwas tun kann", sagt sie. Bis heute nicht. Darum hat sie ein Buch geschrieben. Und anders als in der Realität findet die Protagonistin, die einheimische Kommissarin Mary Spangler, am Ende den Täter. "Ich wollte, dass dem Kind Gerechtigkeit widerfährt", begründet die Autorin.

"Bayernhymne" heißt das Buch. "Ein Altmühl-Krimi mit Herz", so lautet der Untertitel. Es ist Marion Stadlers erstes Werk. Es gebunden in Händen zu halten, fühlt sich für sie immer noch aufregend an, versichert sie auf der heimischen Terrasse, einem kleinen Idyll mitten in Altessing. Dass mitten im Altmühltal, quasi direkt vor der Haustür, etwas so Schreckliches passieren kann, hätte in Essing bis dahin wohl niemand gedacht. Viele Gerüchte habe es damals gegeben, so Stadler. Unsicherheit. Auch im Buch macht sie sich zwischen den Dorfbewohnern breit. Wie in der Realität bekommt das kaum geborene Mädchen ein Grab auf dem Altessinger Friedhof. Und die Dorfpolizistin im Buch bekommt einen Hauptkommissar vor die Nase gesetzt, der sie bei der Aufklärung des Falles unterstützen soll. Oder besser: In ihrem Revier wildert. Da sind Konflikte vorprogrammiert. Aber auch der Humor kommt nicht zu kurz. Das war Marion Stadler nämlich besonders wichtig: "Allzu düstere Krimis mag ich selber nicht. Mir gefällt es besser, wenn die Personen urige Typen sind." Der Fall alleine sei traurig genug.

Was sie dazu motiviert hat, einen Heimatkrimi zu schreiben? Marion Stadler ist erklärter Agatha-Christie-Fan, wie sie verrät. Auch die Eberhofer-Krimis von Rita Falk mag sie, und den Bullen von Tölz. Letztlich habe sie die Lust aufs Schreiben übermannt. "Dann habe ich mich einfach hingesetzt und angefangen. Nur für mich. Es war eigentlich nie zum Veröffentlichen gedacht", meint die 41-Jährige und lacht. Sechs oder sieben Jahre sei das nun her. Mal blieb das Manuskript einige Zeit liegen, mal hat sie es intensiv bearbeitet, umgeschmissen, gestrichen, neu formuliert. Es war ihr Ehemann, der ihr den entscheidenden Schubs gab. "Jetzt schreibst du schon so lange hin, schick den Entwurf doch einfach mal an einen Verlag", habe er gesagt. Das hat Marion Stadler getan, vier Verlage angeschrieben, drei Zusagen erhalten. Sie habe sich für den für sie richtigen entschieden, versichert die Autorin. "Die Zusammenarbeit mit meiner Lektorin war toll", schwärmt die Essingerin. Sie habe ihr gute Tipps gegeben. Eigentlich, so Stadler, sei im Manuskript noch viel mehr Dialekt enthalten gewesen. "Für den besseren Lesefluss habe ich das angepasst. Aber einige regionale Ausdrücke sind geblieben." Das Natzerl zum Beispiel.

Die Orte, an denen die Geschichte spielt, sind angelehnt an die realen Begebenheiten. Und die Personen? Nein, sagt die Autorin. "Ich habe versucht, neutral zu bleiben." Schließlich wollte sie niemandem auf den Schlips treten, wie Marion Stadler es formuliert. Natürlich hätten gerade die Leser, die in der Gegend daheim sind, Essing im Kopf. "Viele meiner Freunde und Arbeitskollegen sagen etwa, dass sie mich sehen, wenn sie sich die Kommissarin vorstellen." Das sei so nicht beabsichtigt gewesen, meint sie mit einem Lachen. Wobei sie schon zugeben müsse, dass es gewisse Ähnlichkeiten gebe. Die beiden Söhne zum Beispiel. Gerade was die Namen ihrer Personen angeht, habe sie aber darauf geachtet, das Wesen ihrer Figuren darin zu verpacken. Mary Spangler heißt die Dorfpolizistin. "Und sie ist wirklich a bissl gspreizt", meint Stadler und grinst. Hauptkommissar Toni Weidinger sieht gut aus und hat deshalb einen "geschmeidigen" Namen bekommen. Staatsanwalt Dr. Übelacker trägt seinen Charakter aber am offensichtlichsten im Namen.

Und warum heißt ihr Erstlingswerk "Bayernhymne"? "Das ist der Klingelton der Kommissarin", antwortet Marion Stadler. Er sei eine Art Erkennungsmelodie, die jeder sofort im Ohr habe. Ist das der einzige Grund? "Ich wollte etwas Patriotisches", erklärt die Autorin weiter. Ein Stück heile Welt inmitten von Terror, Krieg und Gewalt, das sei ihr wichtig gewesen. Eine Art aufgehoben und beheimatet sein selbst dann, wenn etwas Schreckliches passiert. Gewidmet ist das Buch ihrer Mutter, sagt Marion Stadler. "Das war mir wichtig. Sie hat die Veröffentlichung nicht mehr miterleben können."

Für die Essingerin ist mit dem Erscheinen von "Bayernhymne" ein Traum in Erfüllung gegangen. Eine Überwindung, die sich gelohnt habe. Und die nächste Herausforderung wartet schon. Aus dem Exemplar, das vor ihr auf dem Terrassentisch liegt, ragen viele gelbe Einmerkerl hervor. Was das ist? "Das sind die Stellen, die ich für Buchlesungen rausgesucht habe", verrät Marion Stadler. Auch das habe sie noch nie gemacht. "Ich bin voll aufgeregt und total nervös, dass ich mich vielleicht verlese. Ich hoffe, dass es Spaß macht." Jetzt ist erst einmal Urlaub angesagt, danach steht die Terminplanung an. In der Schublade würde es dann sogar noch Nachschub geben. Wie geht es weiter mit Mary Spangler und Toni Weidinger - und vor allem dem Opa, dem liebenswürdigen Quertreiber? "Ich würde mir schon einen Folgeroman wünschen", meint die Autorin. Was ihr Mann dazu sagt? Marion Stadler lacht erneut herzlich und verrät mit einem Augenzwinkern: "Er zeigt es vielleicht nicht so, aber er ist schon sehr stolz auf mich."

"Bayernhymne - Ein Altmühltal-Krimi mit Herz" von Marion Stadler, ISBN 978-3-95587-707-1, ist im SüdOst Verlag erschienen und für 16,90 Euro in allen Kelheimer Buchläden sowie online erhältlich.
Kathrin Schmied
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