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25 Prozent des Forstgebiets Kelheim fallen unter die FFH-Flächen – Jens Ossig neuer Gebietsbetreuer

Ritterschlag für vorbildlich bewirtschaftete Wälder

Einthal
erstellt am 15.07.2014 um 19:39 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 23:41 Uhr | x gelesen
Einthal (er) Für einen Waldbesitzer kommt es einem fachlichen Ritterschlag gleich, wenn sein Forstareal in das europäische Schutzgebiet-Netzwerk Natura 2000 aufgenommen worden ist. Denn damit ist auf Europa-Ebene amtlich dokumentiert, dass sein Wald vorbildlich bewirtschaftet wird.
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Einthal: Ritterschlag für vorbildlich bewirtschaftete Wälder
Die Fachleute für den Wald haben sich in Einthal getroffen. Jens Ossig (von links), Franz Paulus, Revierleiter Toni Pesl, Hans Jürgen Hirschfelder und Nikolaus Ritzinger - Foto: Erl
Einthal

Als neuer Leiter des Forstbetriebs Kelheim weiß Franz Paulus zu schätzen, dass knapp 4000 Hektar Staatswald und damit fast ein Viertel seiner Gesamtfläche diesen Status nach den Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien (kurz FFH-Richtlinien) erhalten haben. „Das ist ein Wertsiegel für optimale Waldbewirtschaftung, die bei uns auf großer Fläche erfolgt“, betont er bei einem Treffen mit dem neuen FFH-Gebietsbetreuer Jens Ossig am Fuße des Naturschutzgebiets Klamm bei Einthal. Ein Großteil der FFH-Gebiete liegt ohnehin im Staatswald. „Wir gehen in dem Naturschutzkonzept unseres Forstbetriebs noch wesentlich weiter, als es die Richtlinien vorgeben“, unterstreicht Paulus. Ossig hat als Förster des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Abensberg nicht nur die Nachfolge von Peter Faltermeier in der Privatwaldbetreuung um Kelheim, Bad Abbach und Teugn übernommen, sondern ist seit Kurzem in einer Zusatzaufgabe auch Natura-2000-Gebietsbetreuer für die Waldflächen im gesamten Landkreis. Sein Vorgänger in dieser Funktion, Franz Krinner, ist vor wenigen Monaten in Pension gegangen.

Ossig ist Ansprechpartner für Behörden, Verbände, Waldbesitzer und Bevölkerung in allen Fragen des Natura-2000-Bereiches. Er ist unter Telefon (0 94 41) 68 57 98 zu erreichen. Die Ausweisung der FFH-Flächen ist in den Jahren 2000 und 2004 erfolgt, an eine weitere Ausdehnung ist in absehbarer Zeit nicht gedacht. „Meine Aufgabe ist es, Waldbesitzer bei der Bewirtschaftung dieser Flächen zu beraten, damit die biologische Vielfalt bewahrt werden kann“, definiert Ossig. Die Grundlagendaten für diese Beratung kommen von Hans-Jürgen Hirschfelder. Der Forstmann aus Kelheim gehört zum AELF Landau und ist als Leiter des Regionalen Kartierteams Natura 2000 dafür zuständig, den Wald in allen niederbayerischen Natura-Gebieten zu kartieren, zu bewerten und periodisch zu überprüfen.

Er und sein Team stellten auch in den Wäldern um Riedenburg fest, in welchen Baumhöhlen sich beispielsweise die Bechsteinfledermaus versteckt, wo sie nachts auf Insektenjagd geht und in welchen Felsklüften sie den Winter übersteht. Aus den Erkenntnissen über die Fledermäuse und viele andere gefährdete Tierarten erstellt Hirschfelder die Karten und entwickelt wünschenswerte Maßnahmen zu ihrer Erhaltung. Aus seinen Erfahrungen heraus plädiert er dafür, abgestorbene Bäume – sogenanntes Totholz – öfters mal stehen zu lassen und Bäume mit Spechthöhlen zu schonen. „Das hat eine enorme Bedeutung für sehr viele Organismen, die man meistens gar nicht sieht. Und Spechte hacken ihre Höhlen ohnehin nur in Bäume, die schon krank sind“, weiß der Fachmann. Auch Ritzinger weiß, dass sehr viel Totholz angesichts der aktuellen Energiepreise als Hackschnitzel verwertet wird und dadurch dem Habitat verloren geht. Er plädiert ebenfalls für die Belassung abgestorbener Bäume und Restholz im Wald. „Unsere Aufgabe ist es, Biodiversität zu erhalten. Je vielfältiger ein Wald ist, desto gesünder ist er“, betont der Bereichsleiter Forsten. Dass dazu kein großer Aufwand notwendig ist, weiß Hirschfelder: „Es reicht für den Naturschutz, wenn jeder Waldbesitzer einzelne Bäume stehen lässt. Das Artensterben greift nach wie vor um sich. Hier kann man gegensteuern, ohne viel Geld in die Hand nehmen zu müssen.“

Von Lorenz Erl
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