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Neuer Träger: Leader-Projekt um Nibelungenschauspiel auf Burg Prunn wird modifiziert

"Eine komplizierte Geschichte"

Prunn
erstellt am 08.11.2018 um 18:49 Uhr
aktualisiert am 12.11.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Prunn (DK) Um eine Leader-Förderung für "Die Nibelungen - ein Schauspiel auf Burg Prunn" wird sich nun nicht die Stadt Riedenburg als Projektträgerin bewerben, sondern eine Privatperson. Die Förderquote sinkt damit von 50 auf 30 Prozent, wie Klaus Amann, Leader-Manager im Kreis Kelheim, gegenüber unserer Zeitung mitteilt.
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Bildgewaltig soll sie werden, die Neuinszenierung des Nibelungenschauspiels auf Burg Prunn. Geplant sind Soundcollagen und Videosequenzen, die quasi das Bühnenbild ersetzen. Am bewährten Grundkonzept ? eine Schauspielerin, die mehrere Rollen verkörpert ? soll sich indes nichts ändern.
Bildgewaltig soll sie werden, die Neuinszenierung des Nibelungenschauspiels auf Burg Prunn. Geplant sind Soundcollagen und Videosequenzen, die quasi das Bühnenbild ersetzen. Am bewährten Grundkonzept - eine Schauspielerin, die mehrere Rollen verkörpert - soll sich indes nichts ändern.
Erl (Archiv)
Prunn
Das Nibelungenspiel soll auf Burg Prunn zurückkehren. Am Willen, das Projekt umzusetzen, fehlt es nicht: Von der kommunalen bis zur Regierungsebene ziehen alle Instanzen einem Strang, wie Klaus Amann erklärt. Der Leader-Manager im Landkreis Kelheim betont, man sei sich einig: "Alle Beteiligten sagen, dass wir das durchziehen." Bis die Geschichte um Kriemhild und Siegfried und den Schatz der Nibelungen in dem Gemäuer tatsächlich wieder zum Leben erweckt werden kann, gibt es aktuell noch einiges zu tun. Die jüngsten Änderungen an dem Leader-Projekt stellte Amann gestern Abend bei der Mitgliederversammlung der Lokalen Aktionsgruppe im Kreis (LAG) vor. So fungiert nun nicht mehr die Stadt Riedenburg als Projektträgerin, sondern eine Privatperson.

Dass es sich bei "Die Nibelungen - ein Schauspiel auf Burg Prunn" um ein "schönes, aber sehr schwieriges Projekt" handelt, hatte Amann bereits in der LAG-Sitzung im August erklärt. Knackpunkt ist dabei das Antragsverfahren. "Vergaberechtlich ist das Projekt eine komplizierte Geschichte", sagt Amann nun im Gespräch mit unserer Zeitung und benennt damit den Grund für die Änderung der Projektträgerschaft. Rechtliche Zwänge hätten dazu geführt, denn vieles müsse berücksichtigt werden, etwa urheberrechtliche Belange. Auch ein Vertrag zwischen der Stadt Riedenburg und dem Generaldienstleister, der ab der Premiere die Bewirtschaftung des Nibelungenschauspiel auf Burg Prunn übernehmen hätte sollen, war im Gespräch. Dieser hätte als Absicherung für die Stadt dienen sollen, falls der Generaldienstleister vor Ablauf der fünfjährigen Zweckbindungsfrist das Handtuch geworfen hätte. "Das Risiko für die Stadt war vielleicht zu hoch. Wenn es im Verfahren ungewollt zu einem Fehler gekommen wäre, hätte es sein können, das die Kommune Fördermittel zurückzahlen muss", erklärt der Leader-Manager. Sterben lassen wollte man das Projekt nicht, viele Gespräche habe man geführt mit dem Ergebnis, dass nun der künftige Veranstalter in die Bresche springt.
Vor über 500 Jahren wurde in Burg Prunn eine vollständige Abschrift des Nibelungenlieds gefunden ? bekannt als der Prunner Codex. Das Gemäuer ist damit ein prädestinierter Platz für das Schauspiel um Siegfried, Kriemhild und Hagen von Tronje.
Vor über 500 Jahren wurde in Burg Prunn eine vollständige Abschrift des Nibelungenlieds gefunden - bekannt als der Prunner Codex. Das Gemäuer ist damit ein prädestinierter Platz für das Schauspiel um Siegfried, Kriemhild und Hagen von Tronje.
Schmied (Archiv)
Prunn



Dieser ist kein Unbekannter und hat bereits den Drachenstich in Furth im Wald zur Blüte geführt, ist in anderen Regionen ebenfalls erfolgreich. "Der Bezirk kennt den Veranstalter und findet, die Nibelungen sind ein gutes Thema", zählt Amann zusammen. Durch die Verschiebung der Projektträgerschaft verringert sich nun aber die Höhe des Leader-Fördersatzes. Bislang ging man mit der Stadt Riedenburg als Projektträgerin von einer Förderung von 50 Prozent der Nettokosten aus Leadermitteln aus, nun rechnet man mit 30 Prozent. Dies sei beihilferechtlich bedingt, sagt Amann, denn eine Privatperson wolle mit ihrer Investition auch Gewinn machen. "Eine wirtschaftliche Förderung aus Leadermitteln gibt es nur dann, wenn das Projekt rentabel ist", erklärt Amann. Darum werden nun eine Wirtschaftlichkeitsberechnung und -prüfung vorgenommen. Dies bedeute natürlich auch Aufwand für den Projektträger.

Insgesamt sei die Finanzierung eine schwierige Sache. Mit im Boot sitzen die Stadt Riedenburg, der Kreis Kelheim, der Bezirk, die Regierung von Niederbayern, der Naturpark Altmühltal, der Tourismusverband und die Schlösser- und Seenverwaltung als Hausherrin von Burg Prunn. Um eine Förderung aus dem bayerischen Kulturfonds zu bekommen, ist diese durchgängige Beteiligung von Kommune bis Regierung nötig. Einen Förderantrag gibt es bereits. "Wir müssen drei bis vier Förderprogramme unter einen Hut bekommen, ohne dass diese sich gegenseitig schaden", beschreibt Amann den derzeitigen Balanceakt. "Wir sind auf einem einigermaßen guten Weg", betont er. Die Seen- und Schlösserverwaltung könne das Nibelungenspiel zwar nicht direkt finanziell unterstützen, da sie lediglich Investitionen in bauliche Maßnahmen tätigt. "Jedoch unterstützt sie durch den Ticketverkauf an der Kasse und dadurch, dass sie die Räume unentgeltlich zur Verfügung stellt."

Der Raum, in dem eine Schauspielerin dem Nibelungenepos ein Gesicht gibt, soll die künftigen Zuschauer mit Hilfe von Soundcollagen, Video-Sequenzen und 3-D-Animationen ganz in die Geschichte eintauchen lassen. Um auch bei Tageslicht den richtigen Effekt zu erzielen, ist die Anschaffung eines hochwertigen Beamers geplant. Zudem sollen die Videosequenzen und Soundeinspielungen aufwendiger gestaltet werden, als zunächst angedacht. Dies führt laut Amann zu einer Kostensteigerung. Waren bis dato noch 90000 Euro veranschlagt, so sollen nun 127000 Euro in das Projekt fließen. Einige Videobeispiele habe er schon gesehen, verrät Amann. Er fühlte sich an bildgewaltige Produktionen wie "Game of Thrones" oder "Der Herr der Ringe" erinnert, sagt er. "Das darf auch in diese Richtung gehen. Schließlich wollen wir auch Schulklassen und Jugendliche für das Nibelungenlied begeistern", betont der Leader-Manager. Bislang habe man dieses Thema zu wenig bespielt, das Schauspiel sei eine gute Ergänzung zu der vor einigen Jahren neu konzipierten Ausstellung auf Burg Prunn. Segnet die LAG die Änderungen im Projektprofil ab, so soll als nächster Schritt der Förderantrag eingereicht werden. Im kommenden Jahr soll dann alles vorbereitet werden. "Als realistisch sehe ich einen Start des Schauspiels im Jahr 2020 an", sagt Amann.
Kathrin Schmied
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