Mittwoch, 21. November 2018
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Pondorfer Wassergruppe: Bei Informationsabend wird erste Musterrechnung präsentiert

Der Bürger zahlt für die Sanierung

Pondorf
erstellt am 13.07.2018 um 18:20 Uhr
aktualisiert am 16.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pondorf (rat) Die Sanierung der Wasserversorgung wird für die Kunden der ehemaligen Pondorfer Gruppe teuer. Pro Quadratmeter Geschossfläche müssen elf Euro bezahlt werden. Dazu kommen die Zahlungen für die Grundstücksfläche, die 2,50 Euro pro Quadratmeter betragen. Diese Zahlen wurden am Donnerstagabend bei einer Informationsveranstaltung in Pondorf bekannt.
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Mit schweren Maschinen werden die Kunststoffwasserleitungen in der Gemeinde Altmannstein unter die Erde gebracht. Die Bauarbeiten gehen dem Ende entgegen.Meyer
Meyer
Pondorf
Bürgermeister Norbert Hummel (CSU) teilte den knapp 100 Anwesenden außerdem mit, dass sämtliche Grundstücks- und Geschossflächen neu aufgenommen werden. Das sei zuletzt im Zuge des Kanalbaus im Jahr 1982 erfolgt. Trotzdem habe das Eichstätter Landratsamt die Kommune aufgefordert, die Erhebung wegen der seitdem erfolgten vielen Änderungen komplett neu zu machen. Beauftragt damit wurde die Firma Bitterwolf aus Greding.

Die Gemeinde werde bei der Flächenerfassung konsequent handeln, kündigte Hummel an. Denn es seien gewiss Widersprüche von Bürgern zu erwarten. "Dann ist das Verwaltungsgericht nicht weit", befürchtete der Bürgermeister. Aber am Ende müsse die Satzung für die Berechnung der Wasserkosten eben wasserdicht sein. "Wir müssen handeln, wie es uns die Juristen vorgeben", betonte Hummel. Angesichts der auf die Bürger zukommenden finanziellen Belastungen machte der Bürgermeister erneut deutlich, dass die kommunale Wasserversorgung eine "kostenrechnende Einrichtung" sein müsse. Das sei gesetzlich vorgegeben.

Die Ausgaben, die auf die Kommune für die Sanierung der ehemaligen Pondorfer Gruppe zukommen, sind beträchtlich. Hummel nannte den Betrag von 3,6 Millionen Euro und bezeichnete diese Summe als eine "verlässliche Zahl".

Der Bürgermeister bedauerte, dass die Kosten für die Wasserleitung und die Sanierung des Wasserturms in Winden nun so hoch sind. Allerdings habe die ehemalige Pondorfer Gruppe angesichts eines geringen jährlichen Wasserverkaufs von nur 50000 bis 55000 Kubikmetern keine Rücklagen bilden können. Zum Vergleich: Der Zweckverband Altmannsteiner Gruppe verkauft jährlich rund 600000 Kubikmeter Wasser. Hummel wies außerdem darauf hin, dass die Kunden der ehemaligen Pondorfer Gruppe 20 Jahre lang einen deutlich niedrigeren Preis für ihr Wasser bezahlt hätten als die Abnehmer der benachbarten Wassergruppe Altmannstein.

Anhand einer Musterrechnung zeigte Kämmerer Gerald Schlagbauer auf, was auf den Eigentümer eines durchschnittlichen Einfamilienhauses zukommt: Bei einer angenommenen Grundstücksfläche von 1000 Quadratmetern ergeben sich 2500 Euro. Allerdings werde bei sehr großen Grundstücken eine Höchstflächenbegrenzung greifen. Die angenommene Geschossfläche von 300 Quadratmetern müsse mit elf Euro pro Quadratmeter multipliziert werden, was 3300 Euro ergebe. Dazu kämen sieben Prozent Umsatzsteuer, also ein Betrag von 406 Euro. In der Summe würde das für den Eigentümer des fiktiven durchschnittlichen Einfamilienhauses eine einmalige Zahlung von 6206 Euro bedeuten.

Schlagbauer wies darauf hin, dass auch Nebengebäude, wie zum Beispiel Garagen oder leere Stallungen, angerechnet würden, falls dort ein Wasseranschluss vorhanden sei. Wer der Beitragspflicht entgehen wolle, müsse den Wasseranschluss zwingend nachhaltig stilllegen. Hierzu sei eine technische Unterbrechung notwendig, zum Beispiel der Ausbau der Leitung beziehungsweise deren Verplombung durch den Wasserzweckverband Altmannstein. Es reiche nicht, den Wasserhahn wegzuschrauben und einen Stopfen darauf zu setzen.

Wie der Bürgermeister ergänzte, würden die Stallbesitzer Ende Juli von der Verwaltung angeschrieben. Wer seinen Stall weiterhin nutze, egal ob für Hühner, Schafe, Pferde oder Kühe, werde auf alle Fälle zur Kasse gebeten. Die Anwesenheit von Tieren löse grundsätzlich einen Bedarf an Wasser aus. Nur die Eigentümer von leeren Ställen mit entweder entfernten oder verplombten Wasseranschlüssen würden der Beitragspflicht entgehen.

Die Kontrolle beziehungsweise Vermessung sämtlicher Gebäude wird die Firma Bitterwolf noch in diesem Jahr vornehmen. Deren Chef Arno Bitterwolf wies darauf hin, dass die Hauseigentümer seinen Mitarbeitern durchaus den Zutritt zu den Gebäuden verweigern könnten. "Wenn jemand Nein sagt, dann gehen wir." Die Beurteilung erfolge dann vom Gehsteig aus. "Wir setzen die Flächen in diesem Fall aber bei unserer Schätzung großzügig an", warnte Bitterwolf. Seine Firma habe 40 Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet. "Außerdem agieren wir vollkommen unabhängig." Die Fläche der Gebäude könne mithilfe von GPS genau festgestellt werden. Die Begehung der Häuser sei lediglich für die Feststellung der Geschossflächen erforderlich. Keller, Erdgeschoss, Obergeschoss und das Dachgeschoss, sobald es ausgebaut ist, würden in die Berechnung einfließen. Bitterwolf ergänzte, dass auch unbewohnte Hauptgebäude beitragspflichtig seien. Eine Ausnahme gelte nur für teilweise eingefallene Gebäude, also Ruinen. Neubauten seien ab dem Tag des Bezuges mit der vollen Geschossfläche beitragspflichtig.

Der Bürgermeister und der Kämmerer wiesen abschließend darauf hin, dass eine endgültige Berechnung erst möglich sei, wenn alle Flächen aufgenommen sind, die Baukosten definitiv feststehen und die staatliche Förderung in der Kasse der Verwaltung eingegangen ist. Bis dahin basierten alle genannten Zahlen auf Kalkulationen. Rechnungen würden frühestens im zweiten Halbjahr 2019 zugestellt, eine Ratenzahlung sei nicht ausgeschlossen.
 

Leitungen halten 50 Jahre

 
Etwa 17 Kilometer Wasserleitungen wurden neu verlegt. Der Wasserturm in Winden wurde komplett saniert. Die Maschinentechnik wurde erneuert. Inzwischen seien die Sanierungsarbeiten an der ehemaligen Pondorfer Gruppe fast vollendet, berichtete der Diplomingenieur Johann Gleixner am Donnerstag in Pondorf.
Die Bautrupps arbeiten schnell.
Meyer
Pondorf
Die höher gelegenen Ortsteile würden in Zukunft von 1,5 bis zwei Bar mehr Wasserdruck profitieren. Damit sei der Brandschutz überall zu bewerkstelligen. Das gelte auch im Falle eines Stromausfalls. Die Baufirmen seien dank des guten Wetters schnell vorangekommen. "Wir liegen hervorragend im Zeitplan", sagte Gleixner.

Alle Kunden würden ihr Wasser in Zukunft vom Wasserturm in Winden bekommen. Sollte dieser außer Betrieb sein, was jedes Jahr für ein bis drei Tage allein wegen der Reinigung erforderlich ist, dann wäre das kein Problem. Das Pumpwerk in Thannhausen würde dann einspringen. Die verlegten Wasserleitungen würden während der kommenden 50 Jahre ihren Dienst tun. Der Hersteller spreche sogar von einer Haltbarkeit von bis zu 100 Jahren. "Wenn die Leitungen keinen Grabungstätigkeiten ausgesetzt sind und auf der freien Prärie verlaufen, dann halten sie sehr lange", erklärte Gleixner. Der nun verlegte Querschnitt sei für die Versorgung völlig ausreichend. Wegen des Brandschutzes habe man sogar mit einem größeren Leitungsdurchmesser arbeiten müssen, als für die Belieferung der Kunden nötig gewesen wäre. "Die Baustelle wird sicher in diesem Jahr abgeschlossen und die Wasserleitung geht noch heuer in Betrieb", versprach Gleixner.
 
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