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"Der Bauer nach der alten Art, trägt seinen Pelz bis Himmelfahrt"

erstellt am 28.05.2003 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 11:32 Uhr | x gelesen
(kh) Angesichts des frischen Mailüfterls, das in den vergangenen Tagen wie ein verspäteter Atem der Eisheiligen über uns kam, lagen unsere Vorfahren gar nicht so verkehrt, wenn sie etwa Bauernregeln wie diese formulierten: Es wird kein gut Wetter, bevor der Herrgott die Beine nicht von der Erde hat. Oder: Der Bauer nach der alten Art, trägt seinen Pelz bis Himmelfahrt. Tut ihm auch dann der Bauch noch weh, so trägt er ihn bis Bartholmä (24. August).
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40 Tage nach dem Osterfest erinnert ein eigenes Fest an die Himmelfahrt Jesu, von der Evangelist Lukas berichtet: "Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie. Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben; sie aber fielen vor ihm nieder..." Ursprünglich waren Himmelfahrt und Pfingsten ein gemeinsamer Festtag. Erst im vierten Jahrhundert begann man in manchen Regionen damit, den 40. Tag nach Ostern gemäß der Chronologie des Lukas als Tag der Himmelfahrt Christi zu begehen. Im fünften Jahrhundert setzte sich dann dieses Fest in der gesamten christlichen Kirche durch.

Vom Spätmittelalter an wurde in den Kirchen die Himmelfahrt Jesu auch dramatisch oder zumindest symbolisch dargestellt, indem man etwa die Osterkerze nach dem Verlesen des Evangeliums auslöschte oder indem man ein Christusbild zur Kirchendecke emporzog. Wenn das Bild auf dem Dachboden der Kirche verschwunden war, regnete es aus dem "Heilig-Geist-Loch" des Kirchengewölbes Oblaten, Äpfel, Heiligenbildchen oder Blumen herab.

Auch heute noch gehen dem Himmelfahrtstag die drei Bitttage voraus, ein Brauch, der seit dem fünften Jahrhundert gepflegt wird und früher hauptsächlich Gottes Segen für ein gutes Gedeihen der Ernte erflehen sollte und neuerdings in die Fürbitten alle gegenwärtigen Nöte und Gefährdungen einbezieht.

Ein bisschen Aberglaube mischte sich auch in das volksfromme Brauchtum hinein. So glaubte man, dass aus der Richtung, in die die Christusfigur beim Emporziehen blickte, die Gewitter des nächsten Jahres herkämen. Verbreitet war auch die Ansicht, dass am Himmelfahrtstag, der ja immer ein Donnerstag ist, häufig Gewitter und Regengüsse kämen, da sich der Himmel öffnete, um Jesus aufzunehmen. Dies deutete man mancherorts auch dadurch an, dass nach dem Emporziehen der Christusfigur brennendes Werg und Wasser auf die Gläubigen herabkamen, was schließlich zum Verbot dieses Brauches führte.

Konrad Held
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