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Alle drei Jahre machen sich die Forstämter im Kreis ein Bild vom Zustand der Wälder

Inventur im Forst

Degerndorf
erstellt am 14.03.2018 um 17:59 Uhr
aktualisiert am 18.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Degerndorf (DK) "Es ist mehr zufällig, dass wir Degerndorf ausgewählt haben, und nicht, weil hier Staatssekretär Albert Füracker wohnt", hat Forstdirektor Harald Gebhardt beim Pressetermin mitten im Wald der Gemarkung Degerndorf gesagt. Der Politiker war auch weit und breit nicht zu sehen.
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Degerndorf: Inventur im Forst
Der Zustand der Waldverjüngung wurde in einem Waldstück bei Degerndorf erläutert. Mit dabei waren Försterin Christl Schnell (von links) und Forstdirektor Harald Gebhardt. - Foto: Meyer
Degerndorf

Schließlich war in München die letzte Kabinettsitzung unter Ministerpräsident Horst Seehofer. Nicht nur Betriebe machen alljährlich Inventur und ermitteln ihren Warenbestand, auch die bayerischen Forstämter schauen in den Wäldern nach. Sie machen derzeit Inventur zum Zustand der Waldverjüngung. "Diese gibt es schon seit über 30 Jahren, sie findet alle drei Jahre statt", erläuterte Gebhardt, der von der Parsberger Revierleiterin Christl Schnell, dem Parsberger Hegegemeinschaftsleiter Karl Fischer, dem Degerndorfer Revierpächter Johann Schön und dem Degerndorfer Jagdvorsteher Alexander Lippert begleitet wurde.

Revierleiterin Christl Schnell erklärte an einer Verjüngungsfläche ihre Vorgehensweise mit einem Outdoor-PC, auf dem eine Gitternetzfläche abgebildet ist. Alle zehn Meter postiert sie auf einer 50 Meter langen Gerade einen Stecken im Erdreich und begutachtet dort die Verbissschäden an den jungen Bäumchen, die erst wenige Zentimeter groß sind. "Rehe rupfen, Hasen und Mäuse zwicken mit ihren Zähnen die Ästchen ab", wusste Hegegemeinschaftsleiter Karl Fischer. Wildschweine machen im Untersuchungsfeld keine Probleme.

15 Bäumchen werden rund um jeden Stab untersucht und mit Wäscheklammern gekennzeichnet. Die Ergebnisse, nämlich welche Tiere das junge Grün fressen, trägt Revierleiterin Schnell auf ihrem Gitternetz ein und speichert sie. Die Auswertungen werden im Juli an alle Jagdvorsteher, Revierpächter und Eigenjagdbesitzer verschickt. Danach werden vom Jagdbeirat die Abschussplanungen für das Jahr 2019 festgelegt. Dies ist die Hauptabsicht bei der Waldinventur. 580 Inventurpunkte mit rund 36 000 Bäumchen werden im Landkreis unter die Lupe genommen. Pro 150 Hektar gibt es einen Inventurpunkt. "Unser Ziel sind gemischte, stabile, gesunde, leistungsfähige Wälder möglichst ohne Schutzmaßnahmen. Der natürlichen Verjüngung kommt dabei besondere Bedeutung zu", führte Forstdirektor Gebhardt aus. "Ich bin ein großer Freund von Schutzzäunen, weil dadurch die Kulturpflanzen geschont werden", sagte Karl Fischer, der die Waldeigentümer aufforderte, die Zäune wieder abzubauen, wenn die Bäume über 1,30 Meter hoch sind. Dann sind sie nämlich nicht mehr durch das Rehwild gefährdet.

Einig waren sich alle Beteiligten, dass ein Mischwald am sinnvollsten ist, weil er auch einen Beitrag zu einem guten Klima leistet. Revierpächter Johann Schön ist froh darüber, dass es im Degerndorfer Wald zahlreiche Baumarten gibt. "Zwischen Jägern und Grundeigentümern muss es ein Miteinander geben", betonte Gebhardt. "Es gilt nur die Devise 'Wald und Wild' und nicht 'Wald vor Wild'", forderte Fischer. Jagdvorsteher Alexander Lippert sagte, dass es zwischen Waldbesitzern und Freizeitsportlern unterschiedliche Interessen bei der Waldnutzung gebe. Extrempositionen sollten vermieden werden, damit es ein friedliches Auskommen gibt. "Gemeinsame Reviergänge sind ein gutes Mittel zum Austausch, am besten nicht nur alle drei Jahre bei der Erstellung des Gutachtens", merkte Gebhardt an.

Heuer sind 92 Interessenten im Kreis Neumarkt an der Inventur beteiligt. Die Aktion finanziert der Freistaat Bayern.

Von Franz Xaver Meyer
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