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In den Bann ziehende Selbstportraits aus mehreren Jahrzehnten, impressionistische Landschaftsmalerei und expressionistische Frauenakte: Im Abensberger Stadtmuseum wird eine Schau mit 52 großflächigen Werken des Ihrlersteiner Künstlers Gerhard Huber gezeigt. Von Harald Rast

Das scheue Genie

erstellt am 14.09.2018 um 18:33 Uhr
aktualisiert am 19.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
In den Bann ziehende Selbstportraits aus mehreren Jahrzehnten, impressionistische Landschaftsmalerei und expressionistische Frauenakte: Im Abensberger Stadtmuseum wird eine Schau mit 52 großflächigen Werken des Ihrlersteiner Künstlers Gerhard Huber gezeigt.
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?Judith im Wald? hat der Maler Gerhard Huber diesen im Jahr 1976 entstandenen Akt genannt. Die folgenden Bilder heißen (v.l.) ?Judith mit dem Haupt des Holofernes?, ?Zwei Badende? und ?Stehender Halbakt?. Fasziniert waren die vielen Besucher der Vernissage am Donnerstagabend zudem von den zahlreichen Selbstportraits, die Huber in seinem sieben Jahrzehnte währenden Künstlerleben geschaffen hat.
"Judith im Wald" hat der Maler Gerhard Huber diesen im Jahr 1976 entstandenen Akt genannt. Die folgenden Bilder heißen (v.l.) "Judith mit dem Haupt des Holofernes", "Zwei Badende" und "Stehender Halbakt". Fasziniert waren die vielen Besucher der Vernissage am Donnerstagabend zudem von den zahlreichen Selbstportraits, die Huber in seinem sieben Jahrzehnte währenden Künstlerleben geschaffen hat.
Fotos: Rast
Abensberg (DK) Gerhard Huber hat in seinem Leben kaum Bilder verkauft. Er ist ein stiller, ja scheuer Mensch. Von den Aufgeregtheiten des Kunstbetriebs hielt er sich fern. Experten ist er kein Begriff. 24 Jahre war er Kunsterzieher am Kelheimer Donau-Gymnasium. Schüler und Lehrer-Kollegen behielten den ruhigen kleinen Mann in angenehmer Erinnerung. Dass sich hinter der unauffälligen Erscheinung ein künstlerisches Genie mit einem unbändigen Schaffensdrang verbarg, realisierten die Wenigsten. In seinem Haus in Ihrlerstein lagern geschätzt 5000 bis 6000 Gemälde. Der 80-Jährige selbst taxiert sein künstlerisches Gesamtwerk samt Zeichnungen und Skizzen auf rund 65000 Exemplare.
 
Fotos: Rast



Der Kelheimer Musikwissenschaftler Christoph Lickleder rückte Gerhard Huber nun ins Licht der Öffentlichkeit. Der frühere Musiklehrer am Donau-Gymnasium hatte die Idee, seinen einstigen Kollegen mit einer Retrospektive zu ehren. Dafür war es höchste Zeit. Huber leidet an den Folgen eines Schlaganfalls, vor zwei Jahren zog er in ein Pflegeheim. "Malen kann ich seitdem nicht mehr", sagt er im Gespräch mit dem DONAUKURIER. Doch er beklagt sich nicht, denn "es ist ja schon alles da". Er habe keine Motive mehr - und auch keinen Antrieb.
 
Fotos: Rast



Umso überraschter war er über den Zuspruch und Beifall, den er am Donnerstagabend bei der Vernissage in Abensberg erhielt. Das Foyer des Stadtmuseums im Herzogskasten war überfüllt. Der Titel der Ausstellung, die noch bis zum 11. November bestaunt werden kann, lautet "Fenster zur Seele". Das sei klug gewählt, meinte Abensbergs Bürgermeister Uwe Brandl (CSU). Er selbst sei als Schüler am Donau-Gymnasium von Huber unterrichtet worden. Dabei habe er oft den Eindruck gewonnen, dass der Kunstlehrer "die Gabe hatte, in die Seelen seiner Schüler zu blicken". Huber sei nicht nur Pädagoge, sondern bisweilen "Seelenklempner" gewesen, meinte Brandl.
Ohne sie würde es die Ausstellung in Abensberg nicht geben:  Initiator Christoph Lickleder (v.l.), Künstler Gerhard Huber, Raimund Fries vom Kulturförderverein und Tobias Hammerl, der Leiter des Stadtmuseums Abensberg. Eine Wand (unten,rechts) wurde für Bilder von Otto Huber, den im Zweiten Weltkrieg gestorbenen Vater von Gerhard Huber, reserviert.
Ohne sie würde es die Ausstellung in Abensberg nicht geben: Initiator Christoph Lickleder (v.l.), Künstler Gerhard Huber, Raimund Fries vom Kulturförderverein und Tobias Hammerl, der Leiter des Stadtmuseums Abensberg. Eine Wand (unten,rechts) wurde für Bilder von Otto Huber, den im Zweiten Weltkrieg gestorbenen Vater von Gerhard Huber, reserviert.
Fotos: Rast



"Er war ein liebenswerter Kollege", berichtete Raimund Fries, der Vorsitzende des Kulturfördervereins Kelheim und Umgebung und lange stellvertretender Schulleiter am Donau-Gymnasium. Laute Töne habe man von Huber nur gehört, wenn er am Flügel saß oder Cello spielte. Denn die Musik sei neben der Malerei seine zweite Leidenschaft gewesen. Die Schau in Abensberg sei eine Hommage an Huber. Deshalb habe der Kulturförderverein gerne die Herstellung des Ausstellungskatalogs mit 2500 Euro unterstützt.
 
Fotos: Rast



Museumsleiter Tobias Hammerl schilderte die Mühen, aus der "unglaublichen Masse an Malerei" die wichtigsten Werke zu destillieren. Die Selbstportraits, die Akte im Stile von Rubens würden die Schaulust befördern. Hammerl berichtete, dass Hubers Vater ein Abensberger gewesen sei. Otto Huber war ebenfalls ein hoch talentierter Maler. Er starb im Februar 1944 als Soldat an der Ostfront. Als die Todesnachricht kam, drückte die Mutter dem weinenden Fünfjährigen Papier und Bleistift in die Hand und sagte: "Da, zeichne." So freute sich Gerhard Huber sehr, dass an einer Wand der Ausstellung mehrere Gemälde seines Vaters zu sehen sind: "Ich wollte, dass er hier Erwähnung findet."
 
Fotos: Rast





 
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