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Das laute Ende eines Steinpilzes

erstellt am 17.07.2007 um 22:21 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 16:27 Uhr | x gelesen
Leistmühle (DK) Mit zehn Kilogramm Sprengstoff wurde gestern bei der Leistmühle in der Nähe von Hexenagger ein großer Felsbrocken gesprengt, der auf die Staatsstraße abzustürzen drohte. Mit einem Knall löste sich der rund 60 Tonnen schwere "Steinpilz" in Staub und Pulverdampf auf.
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Eine große Lücke klafft nach der Sprengung, wo kurz zuvor noch die markante Felsformation im Wald stand.

Sprengmeister Franz Noisternig hat ein Problem: Sein Feuerzeug funktioniert nicht mehr, und auch die Umstehenden können ihm nicht aushelfen. Die geplante Sprengung des großen Felsbrockens, der über der Staatsstraße zwischen der Hanfstinglmühle und der Leistmühle im Wald liegt, ist dadurch allerdings nicht gefährdet. Die Zeiten, in denen die Lunte an einer Dynamitstange mit einer offenen Flamme oder einer brennenden Zigarre angezündet wurden, sind längst vorbei. "So was gibt es nur noch in Wildwestfilmen", sagt Noisternig. Er hätte vor dem großen Knall allerdings gerne noch eine Zigarette geraucht.

Kurz nachdem der Kärntner sein defektes Feuerzeug in hohen Bogen ins Unterholz geworfen hat, treffen die Beamten der Beilngries ein und es kann los gehen. Die Staatsstraße zwischen Riedenburg und Altmannstein sowie die Straße nach Tettenagger werden für den Verkehr gesperrt. Noisternig, sein Kollege Markus Woltsche und Andreas Menzel machen sich auf den steilen Weg durch den Wald hinauf zum Sprengkasten, der bereits hoch über der Straße im Wald steht und von dem aus Noisternig die Sprengladung mit einem elektrischen Impuls zünden wird.

Von dem Kasten, der ein bisschen an eine Autobatterie erinnert, führen zwei Kabel den Abhang hinunter. Etwa 200 Meter entfernt steht mitten im Wald der große Steinpilz, wie ihn die Sprengleute scherzhaft nennen. Der markante Fels war einst ein Naturdenkmal, jetzt ist er eine Bedrohung. Die rund 60 Tonnen schwere Kappe, die auf einem schmalen Stiel ruht, droht in die Tiefe zu stürzen. Direkt unter dem Brocken verläuft die Staatsstraße.

"Man hätte den Felsen auch mit Spritzbeton sichern können", erklärt Projektleiter Holger Uslar vom Staatlichen Bauamt in Ingolstadt. Allerdings hätte er dadurch sein charakteristisches Aussehen verloren. Außerdem ist eine Sprengung billiger als eine aufwändige Felssicherung. Die kontrollierte Explosion kostet nach Angaben von Menzel rund 10 000 Euro.

Deckung hinter Bäumen

Am Sprengkasten angekommen, betätigt Woltsche eine Kurbel und erzeugt damit die Spannung, die gleich die Zündladung und damit die zehn Kilogramm Sprengstoff hochgehen lässt. Noisternig hat ein Horn dabei. Er bläst ein langes Signal. Im Umkreis von 300 Metern darf jetzt niemand mehr um den Felsen stehen. Dann gehen der Sprengmeister, Woltsche und Menzel hinter Bäumen in Deckung. Noisternig bläst zwei kurze Signale.

Mit einem ohrenbetäubenden Knall fliegt der Steinpilz auseinander, die Wipfel der umliegenden Bäume biegen sich, einer bricht ab und stürzt den Abhang hinunter, Steine prasseln auf den Waldboden, die Luft ist erfüllt von Staub und Dampf, wie ein Sturm fegt die Druckwelle durchs Gehölz. Dann ist alles wieder ruhig.

Noisternig und Woltsche springen aus der Deckung und eilen den Kabeln entlang den Abhang hinunter. Kurz darauf hallen drei kurze Hornsignale durch den Wald. Entwarnung.

Wo gerade noch der Steinpilz stand, klafft jetzt ein Lücke. Der Boden ist mit einer Staubschicht bedeckt, überall liegen Felstrümmer. Es riecht verbrannt und die Sonnenstrahlen zwischen den Bäumen malen leuchtende Streifen in den Pulverdampf, der in der Luft steht. Die Augen brennen.

Die Staatsstraße ist mit Brocken übersäht. Der abgerissene Baum liegt quer über der Fahrbahn. Ein Felsen so groß wie ein Auto ist den Abhang hinuntergestürzt, über die Straße gerollt und hat einen Holzzaun durchschlagen. Jetzt liegt er neben der Fahrbahn im Feld. "Ein Massaker", sagt Uslar.

Schnell muss die Straße jetzt von den schweren Brocken befreit werden. Auch lose Steine, die im Hang liegen geblieben sind, müssen entfernt oder gesichert werden.

Wenige Minuten später rollt der Verkehr wieder durchs das Schambachtal – etwas sicherer als vorher. Die Experten sind zufrieden. Die Sprengung ist gut verlaufen. Und Noisternig hat endliche jemanden gefunden, der ihm Feuer gibt.

 

 

Von Johannes Hauser
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