Dienstag, 20. November 2018
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Der in Riedenburg geborene Multiunternehmer stirbt im Alter von 58 Jahren

Musik- und Medienunternehmer Helmut W. Brossmann gestorben

Riedenburg/Altmannstein
erstellt am 30.08.2018 um 14:38 Uhr
aktualisiert am 03.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Riedenburg/Etterzhausen (DK) Kaum ein Menschenleben hat wohl so viele unterschiedliche Facetten, wie es das eines Helmut W. Brossmann gehabt hat: erfolgreicher Musik- und Medienmanager, Hobby-Schauspieler, Schäfer, Papstfreund und noch so vieles mehr. Nun ist die Reise des gebürtigen Riedenburgers zu Ende: Am Dienstagmorgen ist er im Alter von 58 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Dies bestätigte seine Schwester Birgit Reindl-Elsner gegenüber unserer Zeitung.
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Die Schäferei hat Helmut W. Brossmann (rechts) 1975 und 1976 von der Pike auf gelernt ? es sollte nicht der einzige Beruf des gebürtigen Riedenburgers bleiben, der gern in seine Heimat zurückkehrte. Nun ist er im Alter von 58 Jahren gestorben.
Die Schäferei hat Helmut W. Brossmann (rechts) 1975 und 1976 von der Pike auf gelernt - es sollte nicht der einzige Beruf des gebürtigen Riedenburgers bleiben, der gern in seine Heimat zurückkehrte. Nun ist er im Alter von 58 Jahren gestorben.
Schmied (Archiv)
Riedenburg/Altmannstein
Rastlos ist vielleicht das falsche Wort. Neugierig trifft es besser. Zeit seines Lebens war Helmut W. Brossmann nie mit nur einer Sache, nur einer Tätigkeit zufrieden. So vieles gab es zu entdecken und zu erfahren, so vielfältig waren seine Interessen. "Ich möchte noch so viel machen. Das Schlimmste für mich ist, wenn nichts los ist", sagte er einmal im Gespräch mit unserer Zeitung. Das war vor knapp zwei Jahren, eine seiner drei Schafherden graste gerade auf einer Wiese bei Baiersdorf, für den damals 56-Jährigen war es eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Denn die Schäferei, sie hat er von der Pike auf gelernt - wenn es doch nicht der einzige Beruf bleiben sollte, den das in Riedenburg geborene und in Altmannstein aufgewachsene Multitalent voller Elan anging.

Geboren wurde Helmut W. Brossmann am 20. August 1960 als Sohn einer Flüchtlingsfrau aus dem Sudetenland. Der Vater starb 1973, keine leichte Zeit, doch schon die Mutter habe gesagt: "Du musst trocken Brot und Kaviar essen können." Diesem Grundsatz verschrieb er sich schon früh. Auf schwere Zeiten folgten leichtere, ein typischer Lebenslauf. Nur, dass sich Helmut W. Brossmann in ungeahnte Höhen aufschwingen sollte - und das sogar ganz wörtlich. Beim Bayerischen Roten Kreuz in München kümmerte er sich eine Zeit lang um die Koordination der Luftrettung, nannte später ein Hubschrauberunternehmen sein eigen.

Mit Papst Benedikt XVI. hat er sich mehrmals getroffen, dessen Bruder Georg Ratzinger ist sein Firmpate.
Mit Papst Benedikt XVI. hat er sich mehrmals getroffen, dessen Bruder Georg Ratzinger ist sein Firmpate.
privat
Riedenburg/Altmannstein


Helmut W. Brossmann besuchte die Johann-Simon-Mayr-Realschule in Riedenburg, lernte in den Jahren 1975 und 1976 den Beruf des Schäfers. Angesichts der wenig aussichtsreichen Zukunft in diesem Metier holte er sein Fachabitur nach und begann mit dem Studium der Betriebswirtschaft. Um es zu finanzieren, vermittelte er unbekannte Musikgruppen für kleinere Veranstaltungen. In dieser Zeit entstand die Freundschaft mit Slavko Avensik, dem Chef der Original Oberkrainer. Er wurde deren Manager. In der Folge machte er sich einen Namen als Musik- und Medienmanager, machte die Kastelruther Spatzen zur erfolgreichsten deutschsprachigen Gruppe der volkstümlichen Musik. Plattenverkäufe in Millionenhöhe gehen auf sein Konto.

Der umtriebige Geschäftsmann vermarktete mit seiner Firma dann auch die weltbekannten Regensburger Domspatzen, die berühmte Augsburger Puppenkiste und die BR-Vorabendserie "Dahoam is dahoam". Bei Letzterer ging es für Helmut W. Brossmann aus dem Hintergrund vor die Kamera: Als Bischof war er dort das erste Mal im Juli 2010 zu sehen. "Als ich von dem Produzenten der Serie angesprochen worden bin, ob ich Lust hätte, eine Rolle zu übernehmen, habe ich spontan zugesagt", erklärte er damals im Gespräch mit unserer Zeitung.
Im Jahr 2010 spielte Helmut W. Brossman als Geistlicher in der BR-Serie ?Dahoam is dahoam? mit.
Im Jahr 2010 spielte Helmut W. Brossman als Geistlicher in der BR-Serie "Dahoam is dahoam" mit.
BR
Riedenburg/Altmannstein


Dass er ausgerechnet einen Bischof spielte, darüber freute er sich ganz besonders. Denn auch Religiosität gehörte zu seinem Leben. Kein Geringerer als Prälat Georg Ratzinger aus Regensburg - Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI. - war Helmut W. Brossmanns Firmpate. Und so kam es auch, dass sich der gebürtige Riedenburger, der bis zuletzt in Etterzhausen bei Regensburg lebte, mehrmals mit dem Pontifex traf. Er schenkte ihm unter anderem einen "Dahoam is dahoam"-Teddy und widmete ihm gemeinsam mit den Kastelruther Spatzen das Lied "Jeder Weg führt irgendwann nach Hause". "Diese Begegnungen haben mein Leben verändert", sagte Brossmann einmal. Übrigens: Beim Internetauktionshaus Ebay versteigerte er Anfang 2016 ein - angeblich - von Papst Franziskus getragenes weißes Käppchen für 1565 Euro. Der Erlös war für den Einbau neuer Fenster im Klarissen-Kloster im schwäbischen Wallfahrtsort Maria Vesperbild gedacht.

Eine besondere Rolle in seinem Leben spielten auch Tiere. Nicht nur seine Schafherden, sondern auch seine Hunde lagen ihm am Herzen, vor allem "Kommissar Rex". Mit dessen Mutter und einigen Halbbrüdern des tierischen Fernsehstars baute er eine Zuchtstation auf, von der die Hunde überall dorthin verkauft wurden, wo die Serie zu sehen war - immerhin 68 Länder weltweit. In Herrnried errichtete er zudem den Spatzenpark, dort kamen die Hunde, seine Schafe, Kamele und Esel unter.

Am Ende seines Lebens wurde es ruhiger um Helmut W. Brossmann. Sein letztes großes Abenteuer war wohl seine Hochzeit in diesem Jahr mit seiner Martina. Die Beerdigung von Helmut W. Brossmann findet voraussichtlich am kommenden Donnerstag in Altmannstein statt. Er wird im Familiengrab beigesetzt.
Kathrin Schmied
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