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Riedenburger Kinderchor und Krippenspiel: Roswitha Mößl ist für den DK-Ehrenamtspreis nominiert

"Alle Aufgaben sind schön"

Riedenburg
erstellt am 13.09.2018 um 17:50 Uhr
aktualisiert am 17.09.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Riedenburg (DK) Sie singt mit den Pfarrspatzen, werkelt mit den Ministranten und gestaltet Gottesdienste mit anderen Musikerinnen: Wenngleich Roswitha Mößl lieber im Hintergrund agiert, ist sie aus dem kirchlichen Leben der Pfarrgemeinde Riedenburg nicht wegzudenken. Daher ist sie nun für den DK-Ehrenamtspreis nominiert.
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An ihrer Wirkungsstätte: Im Christkönigshaus (links) singt Roswitha Mößl mit den Pfarrspatzen und kümmert sich um die Ministranten, in der Klosterkirche St. Anna (rechts) versieht sie den Meßnerdienst. Für ihr vielfältiges Engagement ist die 54-Jährige nun für den DK-Ehrenamtspreis nominiert.
An ihrer Wirkungsstätte: Im Christkönigshaus (links) singt Roswitha Mößl mit den Pfarrspatzen und kümmert sich um die Ministranten, in der Klosterkirche St. Anna (rechts) versieht sie den Meßnerdienst. Für ihr vielfältiges Engagement ist die 54-Jährige nun für den DK-Ehrenamtspreis nominiert.
Schmied
Riedenburg
"Der liebe Gott macht nichts als fügen." Das hat der Theologe Ehrenfried Schulz einmal gesagt, weiß Roswitha Mößl. Der Satz gefällt ihr. Und wenn sie so zurückblickt auf die Wendungen, die ihr Leben bis jetzt genommen hat, dann steckt viel Wahrheit darin. Immer wieder kreuzte sich ihr Weg mit dem Glauben. Sei es, als sie mit 16 Jahren das erste Mal zu Fuß mit nach Altötting gegangen ist, einfach weil sie "etwas Neues ausprobieren" wollte. Oder als sie 2008 den Meßnerdienst in der Riedenburger Klosterkirche St. Anna übernommen hat. "Da war ich schon sehr stolz, als ich gefragt wurde", verrät die 54-Jährige mit einem Lächeln. Irgendwie wurde ihr das Meßnern sogar in die Wiege gelegt. "Mein Vater kommt aus Eutenhofen. Die Meßnerei liegt schon seit Generationen auf dem Haus. Jetzt macht das mein Cousin", erzählt sie. Und obwohl der Meßnerdienst kein Ehrenamt ist, macht man das nicht des Geldes wegen, ist sich Mößl sicher. "Da ist schon auch Idealismus dabei. Mir macht es Freude. Und wenn ich Zeit habe, sind alle Aufgaben dabei schön, ich kann gar nicht sagen, was mir am meisten Spaß macht."

Roswitha Mößl wurde am 9. August 1964 in Dietfurt geboren. Als sie drei Jahre alt war, zog die Familie nach Haidhof. Der Vater nahm eine Stelle im damaligen Riedenburger Kreisbauhof an. Sie besuchte nach der Grund- und einem Jahr Mittelschule die Mädchenrealschule St. Anna. Die siebte Klasse hat sie dabei noch einmal wiederholt. "Was aber nicht schlimm war, weil ich Krankenschwester werden wollte. Und die Ausbildung durfte man erst mit 18 Jahren anfangen." Die Goldberg-Klinik habe damals noch eine eigene Krankenpflegeschule gehabt. 25 Jahre hat Mößl in ihrem Beruf gearbeitet, erst in Regensburg, dann 16 Jahre in Kipfenberg und zum Schluss drei Jahre in der Caritas-Sozialstation in Kelheim. Und dann? "Bin ich Pfarrhausfrau bei Horst Mally geworden." Der Weg führte beide - über eine dreijährige Station in Affecking - zurück nach Riedenburg.

Wieder eine Fügung. Roswitha Mößl war zwölf Jahre alt, als Horst Mally als Stadtpfarrer nach Riedenburg kam. Er hatte in einer Wohnung im Christkönigshaus gewohnt, bevor er den Pfarrhof errichten ließ und dort einzog. Familie Mößl zog ins Christkönigshaus. "Mein Vater übernahm dort den Hausmeisterdienst", erzählt die 54-Jährige. Der Kontakt zu Mally sei auch später nie abgerissen. Und als dessen damalige Haushälterin altersbedingt aufhören musste, übernahm sie den Posten. Als es vor zehn Jahren zurück in die Dreiburgenstadt ging, warteten einige ehrenamtliche Tätigkeiten auf Roswitha Mößl, die sie mit Herzblut anging und angeht. "Ich mache das einfach. Ich überlege nicht, welche Verdienste mir das einbringt", sagt sie bescheiden.

Von Angela Pfaller übernahm sie den Kinderchor. Den Namen Pfarrspatzen gibt es erst, seit Roswitha Mößl mit ihnen singt und musiziert. "Die Kinder haben ihn sich selbst überlegt", erinnert sie sich. Wie kamen sie darauf? "Vielleicht als Analogie zu den Domspatzen? Ich weiß es nicht mehr", sagt Mößl und lacht. Mittlerweile sei der Name etabliert, auch wenn aus den Kindern, mit denen sie damals begonnen hat, mittlerweile Leute geworden sind. Graziella Maucieri sei da schon dabei gewesen. Ihr habe sie das Gitarre spielen beigebracht. "Ich habe gesagt, dass ich ihr alles zeige, was ich kann. Mittlerweile kann sie viel mehr als ich - aber das macht mir nichts aus." Roswitha Mößl lacht.

Auch anderen Kindern bringt sie Gitarre bei. "Ich verlange dafür nichts. Die Kinder müssen sich nur zeitlich nach mir richten." Aktuell lernen zwei Mädchen und zwei Buben bei ihr das Spielen. Da seien immer Kinder dabei, die vielleicht sogar schon selber weitermachen könnten. "Wer wirklich will, der macht auch ohne mich weiter", ist sie sich sicher.

Dienstags gibt es in der Klosterkirche einen rhythmisch gestalteten Gottesdienst mit neuem geistlichen Liedgut. Bei Familiengottesdiensten übernimmt Roswitha Mößl gemeinsam mit Graziella Maucieri und Elke Erdl den musikalischen Part. "Beide unterstützen uns auch bei den Pfarrspatzen." Erdls Kinder hätten, als sie noch kleiner waren, beim Kinderchor mitgemacht, Erdl selbst ist hängen geblieben. "Ich bin heilfroh darüber, sie ist immer da, wenn man Hilfe braucht."

Zum Beispiel im Vorjahr bei der Organisation des Krippenspiels. Auch das studieren Roswitha Mößl und Ruhestandspfarrer Horst Mally mit den Kindern ein. "In der Pfarrei arbeite ich in erster Linie mit den Kindern", sagt Mößl. Das bereite ihr besonders viel Freude. "Jugendliche sind noch einmal ein anderes Thema." Das merke sie bei den Ministranten, wenn diese 15 oder 16 werden und mit dem Gedanken spielen, mit dem Dienst am Altar aufzuhören. Das sei generell ein Problem in den Pfarreien: "Ministrieren ist irgendwann nicht mehr cool." Was macht sie in so einem Fall? "Ich verlange von den Jugendlichen, zumindest zu überlegen, warum sie ministrieren." Zwingen könne man niemanden, es müsse aus Überzeugung geschehen. Für Roswitha Mößl selbst ist ihr Glaube das, was sie trägt, wenn es einmal hart kommt, wie sie erklärt.

Aktuell gestaltet sie mit den Mädchen und Buben das Minis-trantenzimmer im Christkönigshaus um. "Das war nicht mehr schön. Wir haben es ausgeräumt, geweißelt und bauen gerade Sitzbänke." Die bestehen aus alten Paletten. Sie wurden abgeschliffen, neu gestrichen und bekommen bald noch ein Polster für die Sitzfläche, vielleicht aus Kindermatratzen. Josef Petz und Fritz Koch hätten beim Werkeln ebenfalls tatkräftig geholfen, sagt Mößl. Der Raum für die Ministranten befindet sich übrigens dort, wo früher das Wohnzimmer ihrer Familie war, verrät die 54-Jährige. Und da passe wieder der Spruch von Ehrenfried Schulz, meint sie. "Der liebe Gott macht nichts als fügen."
 
Kathrin Schmied
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