Freitag, 19. Oktober 2018
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Bewegte Welt rund um einen Bergkristall

Riedenburg
erstellt am 10.08.2018 um 18:52 Uhr
aktualisiert am 15.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Riedenburg (DK) Sieben Videos für Kinder, 17 für Erwachsene: Im Riedenburger Kristallmuseum können sich Besucher jeder Altersklasse ab sofort nicht nur die Exponate anschauen, sondern in kleinen Filmen noch mehr darüber erfahren. Abrufbar sind sie über QR-Codes.
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Das Tüfteln hat sich gelohnt: Da sind sich Karl-Heinz Veits (von links), Frank Baumer und Sabine Scholz-Veits einig.
Das Tüfteln hat sich gelohnt: Da sind sich Karl-Heinz Veits (von links), Frank Baumer und Sabine Scholz-Veits einig.
Fotos: Schmied
Riedenburg
Woher kommt eigentlich der Begriff Karat? Was bedeutet er? Und: Hat er etwas mit Karate zu tun? Letzteres wohl eher nicht. Da ist sich der Igel mit den spitzen Kristallstacheln absolut sicher, der in dem kurzen, animierten Videoclip über die Herkunft des Wortes aufklärt. Es entstammt dem Altgriechischen, bedeutet Hörnchen und meint die Frucht des Johannisbrotbaumes, die - man kann es sich bereits denken - hörnchenförmig ist. "Jedes Samenkorn der Frucht wiegt exakt 0,2 Gramm", erklärt der Kristalligel. Darum verwendete man sie früher zur Bestimmung des Gewichts von Edelsteinen. Lagen zwei Hörnchen in der gegenüberliegenden Waagschale, hatte der Stein folglich zwei Karat und wog 0,4 Gramm. Dies habe aber wiederum nichts mit dem Karat zur Messung des Feingehalts von Gold zu tun, erfährt man dann am Ende noch.

Über einen QR-Code am Exponat gelangen die Besucher des Riedenburger Kristallmuseums ab sofort zu Videos, die Wissenswertes rund um Edelsteine vermitteln. Ein Film behandelt die Geschichte des Museums, die mit der Reise der acht Tonnen schweren Bergkristallgruppe von Arkansas nach Riedenburg begann.
Über einen QR-Code am Exponat gelangen die Besucher des Riedenburger Kristallmuseums ab sofort zu Videos, die Wissenswertes rund um Edelsteine vermitteln. Ein Film behandelt die Geschichte des Museums, die mit der Reise der acht Tonnen schweren Bergkristallgruppe von Arkansas nach Riedenburg begann.
Fotos: Schmied
Riedenburg


"Dieses Special für die Kinder gefällt mir am allerbesten", sagt Sabine Scholz-Veits, während ihr Blick noch am Bildschirm des Tablets hängt. Insgesamt sieben Videos in diesem Stil gibt es nun - zugeschnitten auf die jungen Besucher des Riedenburger Kristallmuseums, das Scholz-Veits und ihr Mann Karl-Heinz Veits betreiben. Die bewegten Bilder sind eine absolute Neuheit in den Räumen nahe des Main-Donau-Kanals und sollen die Ausstellung bereichern. Gerade für Kinder könne Wissenwertes "einfach und süß" erklärt werden, ist sich Sabine Scholz-Veits sicher. Doch auch die Erwachsenen kommen auf ihre Kosten. In 17 Filmen mit einer Dauer zwischen 60 Sekunden und viereinhalb Minuten werden viele Informationen rund um die Exponate oder auch über die Entstehung eines Edelsteins vermittelt.

 
Fotos: Schmied
Riedenburg


Dafür wurden allerdings keine Bildschirme im Kristallmuseum aufgehängt. Vielmehr tragen die Besucher das Abspielgerät in der Hosentasche: ihr Smartphone. An jedem Exponat, zu dem es ein Video gibt, befindet sich nun ein QR-Code, den man abscannt und so zum entsprechenden Film weitergeleitet wird. Die Idee dazu hatte Frank Baumer. "Eigentlich hatten wir im vorletzten Jahr überlegt, ob wir Audioguides für das Museum machen, aber das hat sich angesichts der Kosten-Nutzen-Rechnung zerschlagen", erklärt der Riedenburger Medienunternehmer. Gar nichts machen wollte man aber auch nicht. Und so sei man auf die QR-Codes gekommen. "Wir gehen mit der Zeit", begründet Sabine Scholz-Veits. Dem Besucher werden über die Videos anschaulich Informationen vermittelt. Nach dem Scannen des QR-Codes kann er sie sich gleich - W-Lan ist vorhanden - oder auch erst daheim holen. Kopfhörer seien in diesem Zusammenhang zwar keine Pflicht, aber eine Empfehlung, sagt Scholz-Veits. Für einen Euro gibt es sie an der Kasse, falls man gerade keine dabei hat.

Für Videos und Codes war Baumer verantwortlich, Scholz-Veits für die Geschichten. Auf dem Boden der dazugehörigen Gaststätte habe sie alte Fotos ausgebreitet, erzählt sie. "Da war alles voll", verrät sie mit einem breiten Lächeln. Es war eine Reise in die Vergangenheit, zu den Anfängen der mittlerweile ziemlich großen Ausstellung. Das Video zur Geschichte des Museums gefällt Sabine Scholz-Veits darum besonders gut. "Alles begann mit einer Zeitungsnotiz", ist darin zu erfahren. Im Herbst 1982 erscheint ein Artikel über den Fund einer Bergkristallgruppe in Arkansas, USA. Erich Scholz, der Vater von Sabine Scholz-Veits, war fasziniert von dem Exemplar, ging auf Recherche, knüpfte Kontakte und nutzte sie, um den acht Tonnen schweren Koloss nach Riedenburg zu holen. "Das Museum haben wir dann quasi drum herum gebaut", meint Sabine Scholz-Veits. Man wollte "ein echtes Naturwunder vielen Menschen zugänglich machen", heißt es in dem Clip. Eine Familienvision. Und die größte Bergkristallgruppe der Welt sei ein Thema gewesen, das damals ein ums andere Mal am Esstisch diskutiert worden sei, erinnert sich die nunmehrige Museumschefin. Davon zeugen auch die Tagebucheinträge ihrer Mutter Ursula, datiert auf den 17. und 22. Oktober 1982. Auch sie sind in den Film integriert.

Etwa seit März habe man an der Umsetzung gearbeitet, erklärt Frank Baumer, der zum Anschauen der Filme ein Tablet empfiehlt. Es galt nicht nur, die unzähligen Fotos und Schriftstücke herauszusuchen, sondern auch, eine passende Sprecherin zu finden. "Und auch technisch haben wir viel rumprobiert", erklärt er. So ist mit Hilfe eines Stativs auch ein Bild der Bergkristallgruppe von oben entstanden. "Diesen Blick hat man normalerweise nicht", schwärmt Sabine Scholz-Veits. "Außer ich, wenn ich den Bergkristall sauber mache", meint sie lachend. Sie freut sich darüber, dass die Besucher nun noch mehr in die Welt der Edelsteine eintauchen können. Das Ziel, mit dem Beginn der Sommerferien starten zu können, habe man eingehalten. Die 24 QR-Code-Video-Kombis sollen dabei erst der Anfang sein. "Das ist jederzeit erweiterbar, auch unsere Sonderausstellungen wollen wir mit aufnehmen", sagt Sabine Scholz-Veits - so geschehen bei der diesjährigen Schau "Kostbarer Faust".

 

Sonderausstellung

Die aktuelle Sonderausstellung mit dem Titel "Kostbarer Faust" im Riedenburger Kristallmuseum, bei der insgesamt 14 Großkameen aus der Werkstatt von Hans Dieter und Andreas Roth präsentiert werden, ist noch bis Ende des Jahres zu sehen.

"Es kommen viele Interessierte vorbei", erklärt Museumschefin Sabine Scholz-Veits. Auch im kommenden Jahr wird es eine Sonderausstellung geben. Das Thema steht bereits fest: Es wird kunterbunt. "Wir widmen uns den Farben, die man aus Edelsteinen herstellen kann", verrät Scholz-Veits vorab.
Kathrin Schmied
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