Sonntag, 20. Januar 2019
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Couplet-AG begeistert bei ihrem Auftritt in Riedenburg ihr Publikum

Beste Unterhaltung mit Tiefsinn und Blödsinn

Riedenburg
erstellt am 13.01.2019 um 15:32 Uhr
aktualisiert am 17.01.2019 um 03:33 Uhr | x gelesen
Von Regine Adam Riedenburg (DK) Es "menschelt" von der ersten Minute an, wenn die Couplet-AG - die Couplet-Arterhaltungs-Gesellschaft - auf der Bühne steht. So wie im Fuchsstadl am Freitagabend, als Jürgen Kirner, Bianca Bachmann, Bernhard Gruber und Berni Filser mit ihren Gstanzln und Couplets über menschliche Schwächen und zwischenmenschliche Tiefgründe allerbestens unterhielten.
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Die Couplet-AG hat am Wochenende ihr Publikum in Riedenburg begeistert.
Die Couplet-AG hat am Wochenende ihr Publikum in Riedenburg begeistert.
Adam
Riedenburg
25 Jahre steht die Couplet-AG mittlerweile auf der Bühne und klar, der erste Witz dazu musste sofort fallen: "So lange halten ja die meisten Ehen nicht." Warum es schief gehen kann mit einer Ehe und wie es doch klappen könnte, dazwischen deftige Breitseiten gegen Politiker und andere Verantwortliche, immer mit einer gehörigen Portion Spitzzüngigkeit und einem unschuldigen Augenaufschlag - damit fesselten die vier Musiker, Kabarettisten und bayerischen Gstanzlsinger ihr Publikum bestens, hier in Riedenburg, "am Rande der Zivilisation". Jürgen Kirner, der gebürtige Hemauer, durfte sich dieses Witzchen trauen, war der Abend doch fast ein Heimspiel für ihn. Und er wusste ja schließlich: "Ihr habt hier so viele Touristen, da müsst ihr weltgewandt sein." Weshalb auch das "chinesische" Zungenbrecher-Lied von Bianca Bachmann schnell erlernt war und begeistert fehlerfrei mitgesungen wurde.

Die Chemie stimmte von Beginn an zwischen dem Publikum, das bei manchen Stücken mehr oder weniger freiwillig selbst mit einbezogen wurde, und den Künstlern. Brillant in ihren Rollen vor allem Bianca Bachmann, die mühelos von der Rolle der männerverschlingenden Olga von der Wolga wechselte zur Ärztin, die "spontane ambulante Operationen im Wohnzimmer daheim" anbot, denn "es gibt keine Gesunden, es gibt nur unzureichend Untersuchte", die dringend, allein schon um die Kliniken zu finanzieren, operiert werden müssten. Findet man nicht gleich etwas - weiter suchen. Denn "in jedem gesunden Menschen, steckt was Krankes drin".

Bissig die Breitseiten aller gegen "Latte-Macciatto-Mütter", für die dringend ein Elternführerschein eingeführt werden sollte, köstlich das Lied über den Bofrostmann, der "irgendwie" für unzählige, sich sehr ähnelnde Verwandte in seinem Bezirk sorgt, und brillant auch in Mimik und Schauspielkunst wieder Bachmann in ihrem Lied über ihre erotischen Vorlieben: den "Bierbauch-Mann". Dass sie dabei hemmungslos von der Bühne ins Publikum hüpfte und direkt auf den Schoss eines Objektes ihrer Begierde - dem tobenden Publikum gefiel es.

Ironisch nahm die Couplet-AG den Zuckerkonsum auf die Schippe mit dem Lied "Zuckerjoint" und dem Rat: "Auf Krankenschein sollte es ein Glas Nutella geben - für kollektives Glücklichsein", Beamtenpatenschaften fanden sie eine sinnvolle Investition, und dann verzichteten sie gemeinsam auf Riesterrente - denn "wir wollen keine Riesterrente, wir wollen Riesters Rente haben", damit jeder wenigstens "am Ende den Grabstein zahlen kann". Dr. Kudernack, alias Jürgen Kirner, kreischte sich mit Klassikern einfach köstlich über die Bühne und die Zuschauer wurden abwechselnd mit spitzzüngigen Nachdenkliedern, Spott und Herzhaft-Mitlach-Texten bombardiert. Männer mit "etwas weniger Haaren am Schädel" waren besonders gefragt beim Lied über bestimmte Körpersäfte, denn mit ihrem Teeglas in der Hand mischte sich Bachmann unters Volk und unterzog die Häupter einer "Eigenurinbehandlung".

Kleine Kostbarkeiten waren die Stücke, neu vertont und getextet, von Karl Valentin, die beim Publikum ebenso gut ankamen wie die Klassiker "Tröpferlbad" oder der musikalische Rat "Nehmen's einen Alten". Zur Eherettung gab es dann auch noch Tipps: Mit Peitsche und Rat-Schlägen, einem unterwürfigen Jürgen Kirner und einer dominanten Bianca Bachmann.

Am Ende gab es nach so viel Tiefsinn und Blödsinn, Spaß und Nachdenkstoff natürlich tosenden Applaus und erst nach mehreren Zugaben durften die Künstler sich verabschieden, bis zu einem baldigen Wiedersehen hoffentlich.
 
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