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Derzeit leben noch 53 Flüchtlinge in Riedenburgs Unterkünften - Gespräch mit Maria Kaffl-Höng

Schwierige Suche nach einer Bleibe

Riedenburg
erstellt am 14.02.2018 um 18:08 Uhr
aktualisiert am 18.02.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Riedenburg (DK) Der große Ansturm ist vorüber, die Situation hat sich auch in Riedenburg wieder entspannt. Dennoch haben es die asylsuchenden Menschen, die es auf ihrer Flucht in die Dreiburgenstadt verschlagen hat, in manchen Dingen nicht einfach - bei der Wohnungssuche zum Beispiel.
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Wer in Riedenburg wohnen will, muss intensiv suchen. Oder lange warten. Denn gerade Mietwohnungen sind ein rares Gut - sowohl für Einheimische als auch für geflüchtete Menschen. "Die Suche gestaltet sich aufgrund der ohnehin angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt äußerst schwierig", erklärt Maria Kaffl-Höng vom Unterstützerkreis Asyl. Dazu kämen oftmals Vorbehalte gegenüber ausländischen Mietern und der enge finanzielle Rahmen. "Dabei ist das Jobcenter ein pünktlicher und normalerweise auch sehr zuverlässiger Zahler", sagt Kaffl-Höng. Denn diese Behörde übernimmt die Miete, sofern sie nicht selbst aufgebracht werden kann.

Einschränkungen bei der Wohnungssuche treten für anerkannte Asylbewerber auch bezüglich der Ortswahl zutage - vor allem wegen der oft fehlenden Mobilität, weil etwa kein Auto vorhanden oder die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr schlecht ist. Dennoch: Wohnraum wäre unter Umständen vorhanden, wie Kaffl-Höng betont. Allerdings sei die Bereitschaft, eine leer stehende Immobilie instand zu setzen und in einen vermietbaren Zustand zu bringen, oft nicht vorhanden oder aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich, wie die Integrationsbeauftragte des Riedenburger Stadtrats gegenüber unserer Zeitung erläutert. Der Umbau des Alten Landratsamts an der Hemauer Straße in Riedenburg könnte die Situation entlasten, so ihre Hoffnung.

"Das Nebeneinander - von kleineren Vorfällen abgesehen - funktioniert seit fünf Jahren relativ problemlos."

Maria Kaffl-Höng vom Unterstützerkreis Asyl

 

In der von der Regierung von Niederbayern betriebenen Gemeinschaftsunterkunft, die sich direkt neben dem Landratsamtsgebäude befindet, leben nach Auskunft der Landshuter Behörde derzeit 47 Personen. 28 davon befinden sich im laufenden Asylverfahren, bei vier Personen wurde der Antrag abgelehnt. 15 Personen sind nach Angaben der Regierung nicht mehr leistungsberechtigt und gelten als sogenannte Fehlbeleger, müssten sich also eigentlich eine Wohnung suchen. In der dezentralen Unterkunft in Riedenburg, für die das Kelheimer Landratsamt verantwortlich zeichnet, sind aktuell noch sechs Personen untergebracht. "Eine davon ist asylsuchend, vier sind geduldet und eine Person gilt als Fehlbeleger", teilt die Kreisbehörde auf Anfrage unserer Zeitung mit. Gerade für diese Fehlbeleger wäre es wichtig, eine Wohnung zu finden. Aktuell stehen sie in Konkurrenz mit Einheimischen, die ebenfalls auf der Suche sind.

Weil die Appartements, die im Alten Landratsamt entstehen sollen, für sieben Jahre für anerkannte Asylbewerber reserviert sind, könnte sich die Situation entspannen. Bewohner aus der Gemeinschaftsunterkunft könnten in eine dieser Sozialwohnungen wechseln - sofern sie den entsprechenden Aufenthaltsstatus besitzen. "Der Druck auf den Wohnungsmarkt lässt dann sicherlich allgemein nach. Es sind ja nicht nur Migranten mit Fluchthintergrund, die eine Unterkunft suchen, sondern auch Zuzüge aus anderen Ländern wie Bulgarien oder Rumänien machen sich in Riedenburg bemerkbar", erläutert Kaffl-Höng.

Während die große Politik über eine Obergrenze diskutiert, macht sich der Familiennachzug bei dem aktuell in Riedenburg lebenden Personenkreis kaum bemerkbar. Genaue Zahlen seien ihr zwar nicht bekannt, so Kaffl-Höng. "Die Folgen für die Dreiburgenstadt schätze ich zum jetzigen Zeitpunkt aber als nicht so gravierend ein." Schulen und Kindergärten dürften allerdings schon betroffen sein. Denn: "Es werden wohl vorwiegend Familien mit Kindern ins Alte Landratsamt einziehen, die aus den Gemeinschaftsunterkünften im Landkreis und den aufgelösten dezentralen Unterkünften stammen."

Apropos Kinder: Für viele geflüchtete Erwachsene sind die eigenen Kinder oft der Schlüssel zur Kontaktaufnahme mit den Riedenburgern. "Es gibt Familien, die seit Jahren hier leben und über ihre Kinder in den Schulen und Kindergärten in Kontakt mit der übrigen Bevölkerung treten", weiß Kaffl-Höng. Auch gebe es immer wieder Begegnungen, aus denen Bekanntschaften oder sogar Freundschaften erwachsen. An dieser Stelle nennt die Integrationsbeauftragte den Sport: "Er spielt gerade bei den Heranwachsenden eine wichtige Rolle." Bewegte Integration, sozusagen.

Neben dem Sport funktioniert Integration am besten über Bildung und Arbeit. Damit sie gelingen kann, muss sie aber von beiden Seiten gewollt sein, betont Kaffl-Höng. Wie sieht es denn aus mit der Akzeptanz der Flüchtlinge innerhalb der Bevölkerung? "Das Nebeneinander - von kleineren Vorfällen einmal abgesehen - funktioniert seit fünf Jahren relativ problemlos", antwortet sie. Dass Ängste existieren sei nachvollziehbar, pauschale Verurteilungen und Verallgemeinerungen dagegen seien nicht hilfreich. "Natürlich findet der eine oder andere Anlass für Kritik. Wenn sie berechtigt und begründbar ist, dann kann Abhilfe geschaffen werden", stellt sie klar. Wenn soziokulturelle Unterschiede und sprachliche Hürden zu Missverständnissen führten, müssten diese ebenfalls ausgeräumt werden.

Nachdem nur noch vereinzelt Personen der Gemeinschaftsunterkunft in Riedenburg zugewiesen werden, hat sich die Situation auch für den Unterstützerkreis Asyl merklich entspannt. "Allerdings suchen auch die seit Längerem hier lebenden Flüchtlinge nach wie vor Rat und Hilfe bei uns", erklärt Kaffl-Höng. Vor über fünf Jahren hat der Unterstützerkreis seine Arbeit aufgenommen. Mit ehrenamtlichen Sprachkursen und einer Hausaufgabenbetreuung, mit Hilfe bei Behördengängen und Arztbesuchen, dem Ausfüllen von Formularen und derlei Dingen habe man versucht, die Lage halbwegs in den Griff zu bekommen. "Wir waren daher bereits gut eingearbeitet, als der große Ansturm 2015 einsetzte." Die kurzzeitige Unterstützung durch eine von der Stadt finanzierte 450-Euro-Kraft sei seinerzeit hilfreich und notwendig gewesen. "Aber auch die verantwortlichen Behörden hatten zwischenzeitlich reagiert und Stellen geschaffen. Hauptamtliche Asylsozial- und Migrationsberatung leisten unverzichtbare Dienste", betont Kaffl-Höng. Da die Anforderungen immer vielfältiger und komplexer wurden, wie sie weiter erklärt, überlasse man diese Aufgaben mittlerweile den dafür ausgebildeten und in rechtlichen Fragen kompetenten Mitarbeitern jener Stellen.

Nachbesserungsbedarf gibt es nach Ansicht von Maria Kaffl-Höng allerdings, wenn es darum geht, geflüchtete Menschen in Arbeit zu bringen. "Anlass zur Sorge geben Menschen, die ohne gesicherten Aufenthaltsstatus hier leben und denen darum der Zugang zur Arbeitswelt verwehrt wird. Auch von Bildungsmaßnahmen sind sie ausgeschlossen." Dabei sei die verpflichtende Teilnahme an Kursen und Maßnahmen, den daraus resultierenden Vorteilen und Chancen für die Geflüchteten sowohl hier als auch in deren Herkunftsländern sehr wichtig. Die Integrationsbeauftragte denkt da den Fall einer alleinerziehenden Mutter in Riedenburg. "Sie hat viel Energie und Interesse in das Erlernen der Sprache investiert, das Kind wurde mit großem Einsatz gefördert. Trotzdem wurde ihr untersagt, eine Tätigkeit in Riedenburg anzunehmen, die es ihr ermöglicht hätte, für sich und ihr Kind zu sorgen", berichtet Kaffl-Höng. Um sich abzulenken, engagiere sich die Frau nun ehrenamtlich. "Es ist frustrierend, zu beobachten, wie jahrelange Bemühungen ignoriert und damit auch ökonomisch völlig unsinnige Entscheidungen gefällt werden", moniert die SPD-Stadträtin. Sie sieht den Gesetzgeber in der Pflicht: "Es bedarf dringender Korrekturen mit Hilfe eines Einwanderungsgesetzes", stellt sie klar.

Kathrin Schmied
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