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Wolfgang Krebs als Seehofer, Beckstein und Versprecher-Legende Stoiber

Politpromis in Steinmannsalt

Altmannstein
erstellt am 05.12.2011 um 18:47 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 23:25 Uhr | x gelesen
Altmannstein (rat) Aufmarsch der Politpromis in Altmannstein: Am Samstagabend gaben sich in der mit 400 Besuchern gut gefüllten Schulsporthalle gleich drei bayerische Ministerpräsidenten ein Stelldichein. Horst Seehofer, Edmund Stoiber und Günther Beckstein wurden von Wolfgang Krebs in überragender Weise parodiert.
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Altmannstein: Politpromis in Steinmannsalt
Freddie Mercury mit Blechbläsern: Die Bayerischen Löwen schrecken auch vor einer Verballhornung der Kultband Queen und ihres toten Frontmanns nicht zurück. Gekonnt füllten sie die Pausen, die Wolfgang Krebs benötigte, um in neue Rollen zu schlüpfen - Foto: Rast
Altmannstein
Doch die Scherze des aus dem BR-Magazin „Quer“ bekannten Kabarettisten trafen nie unter die Gürtellinie. Dem charmant-schnoddrigen Allgäuer sind nicht einmal eingefleischte CSU-Fans böse, geschweige denn die drei Zielfiguren seines Spotts. Zudem gehört Krebs den Christsozialen selbst seit fast 30 Jahren an, er kennt das Innenleben der CSU also bestens.

„Ich bin ein Altmannsteiner“, lässt er den bisweilen zum plumpen Populismus neigenden Landesvater in bester Kennedy-Manier tönen. Doch damit hat Krebs gar nicht so unrecht. Bekanntlich stammt Seehofers Frau aus Schamhaupten und die Familie besitzt dort ein Ferienhaus – mit einer Modelleisenbahn, die schon für Schlagzeilen gesorgt hat. Auch „Stoiber“ erweist sich populistischer Umtriebe als nicht unverdächtig. Angesichts der Schönheit von „Steinmannsalt“ überlegt auch der „Ministerpräsident der bayerischen Herzen“, ob er sich nicht neben dem Domizil der Seehofers niederlässt. Doch davon hält ihn seine „Agenda Wolfratshausen 3000“ ab. Dort tagt der unfreiwillige Politpensionär in einer Dauerkonferenz des Küchenkabinetts mit Gemahlin Karin und wandelt sein Haus, wie zuvor Bayern, in einen zukunftsträchtigen Vorzeige-Hightech-Standort um.

Auch den nach der Wahlniederlage schmählich geschassten Beckstein zieht es in seine fränkische Heimat. Dort erwarten ihn Wein statt Bier sowie seine Selbsthilfegruppe für unterdrückte Ehemänner.

Zur Begeisterung des Publikums arbeitet sich Krebs vor allem an seiner zappeligen Paradefigur Edmund ab. Während dessen Rat in Berlin, Paris und Washington dringend gebraucht würde, muss der Grömaz – der größte Ministerpräsident aller Zeiten – eine Rede zum 60-jährigen Bestehen der Augsburger Puppenschachtel äh -kiste halten. „Das Fundament ist die Basis aller Grundlagen“ – mit derlei Nonsens entlarvt Krebs den legendären nichtssagenden Wortsalat der gesamten politischen Klasse. Doch bekanntlich sollte man nicht mit dem Glashaus auf Steine werfen, warnt „Stoiber“. Der Ärmste schlägt übrigens seit seinem Rücktritt die viele Freizeit in Englischkursen tot, die auch von Günther Oettinger und Guido Westerwelle heimgesucht werden.

Doch auch Horst Seehofer hat der spitzzüngige Krebs inzwischen gut drauf. Der Ministerpräsident hat den abrupten Abgang der CSU-Lichtgestalt Karl-Theodor zu Guttenberg noch immer nicht verwunden: „Ein Guttenberg tritt nur zurück, um Anlauf zu nehmen für den nächsten Karrieresprung.“ Der muss aber nicht unbedingt in ein politisches Amt führen, sondern vielleicht auch auf den Vorstandsposten eines Herstellers von Fotokopierern, weiß der Ingolstädter.

Während Krebs hinter der Bühne die Toupets, Brillen und Rollen wechselt, übernehmen auf der Bühne die Bayerischen Löwen das Kommando. Die fünf Burschen in Lederhosen sind exzellente Blechbläser und prima Sänger. Sie kommen abwechselnd als weiß-blaue Comedian Harmonists daher, nehmen Anleihen bei der Biermösl Blosn oder imitieren die Kultband Queen und ihren toten Frontmann Freddie Mercury. Die Kombination aus Lästermaul Krebs und gegen den Strich gebürsteter Blechbläser-Comedy sorgt für Abwechslung. So bereut niemand im Saal, dass er den vom TSV Altmannstein organisierten Kabarettabend dem Abschied von „Wetten dass“-Moderator Thomas Gottschalk vorgezogen hat.

 

Von Harald Rast
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