Staatstheater Augsburg
Theaterintendant: „Umplanungen verschlingen nur noch mehr Geld“

10.07.2024 | Stand 10.07.2024, 16:19 Uhr |

André Bücker auf der Baustelle. Foto: Marko Petz

In der Debatte um den erneuten Anstieg der Kosten der Theatersanierung hat sich nun das Augsburger Staatstheater selbst zu Wort gemeldet.



Theaterintendant André Bücker warnt, auch im Namen der 500 Beschäftigten des Staatstheaters, davor, abermals über Umplanungen zu diskutieren, wie es mehrere Parteien und Initiativen in Augsburg fordern. „Weitere Umplanungen verschlingen nur noch mehr Geld“, ist der Staatsintendant überzeugt. „Jeder Tag, an dem nicht gebaut wird, kostet Geld. Das mit Sicherheit kostensparendste Modell ist es, den jetzigen Entwurf konsequent und schnell zu Ende zu bringen“, sagt Bücker. Wer von einem „Luxus-Tempel“ spreche, kenne „weder die aktuellen, sehr pragmatischen Pläne, noch die Bedarfe eines funktionsfähigen, modernen Theaterbetriebs“. Das Staatstheater stehe zu den aktuellen Planungen und sei überzeugt, dass diese „die bestmögliche Lösung für ein Theater für alle im Herzen der Stadt sind“, so der Intendant.

Theaterintendant gegen dezentrale Spielstätten

Wie berichtet, wollen verschiedene Akteure der Stadtgesellschaft den Neubau des Betriebsgebäudes und der zweiten Spielstätte auf den Prüfstand stellen, nachdem zuletzt Kostensteigerungen von 77 Millionen Euro auf jetzt 417 Millionen Euro bekannt wurden. Seit der Schließung des historischen Theatergebäudes für dessen Sanierung befindet sich die Hauptspielstätte des Augsburger Staatstheaters im Martini-Park. Auch auf dem Gaswerkareal gibt es eine Spielstätte, die viele gerne dauerhaft erhalten würden. Dadurch, so die Argumentation, könnte sich die Stadt den geplanten Neubau neben dem historischen Theatergebäude sparen. Intendant Bücker spricht von aktuell „wenig optimalen Arbeitsbedingungen in weit voneinander entfernten Interims-Spielstätten“. Die Betriebsabläufe seien dadurch „massiv gestört“. Augsburg brauche stattdessen „ein zeitgemäßes und funktionales Theater – und zwar so schnell wie möglich und genauso, wie es die aktuellen Planungen vorsehen“.

Mit seinen etwa 900 Veranstaltungen pro Saison erreiche das Staatstheater Augsburg – auch im Interim – jährlich über 180000 Besucherinnen und Besucher. Zahlreiche Inszenierungen seien in der Saison 23/24 bereits vor der Premiere bis zum letzten Termin ausverkauft gewesen, führt Bücker weiter aus. Alleine in der laufenden Saison seien mehr als 300 Schul- und Vermittlungsprojekte durchgeführt worden. Über 22000 Schülerinnen und Schüler hätten auf diese Weise frühe kulturelle Bildung und Teilhabe erfahren, betont der Intendant. Durch „intensive Vernetzung mit Augsburger Initiativen“ biete das Staatstheater die gesamte Spielzeit über Möglichkeiten, sich aktiv einzubringen, und auch in puncto Inklusion habe das Haus im Kulturleben im Freistaat eine Vorreiterrolle. Für einen der Plätze in der neu gegründeten Orchesterakademie für angehende Profi-Musiker liege die Bewerberzahl im dreistelligen Bereich. All dies zeige: „Der Bedarf und die Nachfrage sind da, das Staatstheater ist nach wie vor der kulturelle Mittelpunkt der Region“, erklärt Bücker.

Theatermacher wollen „ein Zentrum im Herzen der Stadt“

Sally du Randt, Opern-Sängerin und Vorsitzende des Personalrats am Staatstheater Augsburg, ergänzt: „Damit das so bleibt, braucht es ein Zentrum im Herzen der Stadt, in dem wir endlich unter angemessenen Arbeitsbedingungen weiter leidenschaftlich Kunst machen können.“ Man wisse die Interimsspielstätten und die Treue des Publikums angesichts der dezentralen Lage sehr zu schätzen. „Doch nach sieben Jahren in provisorischen Räumen und weiteren sechs Jahren, die noch vor uns liegen, brauchen wir eine verlässliche Perspektive.“ Die Belegschaft des Staatstheaters erwarte „eine zügige und vollumfängliche Durchführung der Baumaßnahmen – und endlich ein Ende der täglichen, öffentlichen Diskussion darüber, ob ihr Arbeitsplatz nicht vielleicht verzichtbar wäre“, sagt du Randt.

AZ