Lieber Karl Straub, Ihr wiedergewählter CSU-Kollege, MdB Erich Irlstorfer, konnte zwar seine Diäten ins Trockene bringen, aber 9000 Wähler liefen ihm davon, ein "Desaster" meinte er. Er wolle selbst hören, was er beziehungsweise die CSU falsch gemacht habe. Dazu traf er sich jetzt im Gasthaus mit 50 "Kritikern". Eine ungewöhnliche Konsequenz, auch wenn ein Drittel Schönredner aus CSU-Ortsvereinen für seine mutige Zielsetzung eher etwas hinderlich wirkten.

Nach der Wahl ist vor (Ihrer) Landtagswahl 2018. Wäre also eine Kurzanalyse hilfreich, um ähnlichen "Desastern" vorzubeugen? Auf Ihrer MdL-Homepage finde ich keinen einzigen persönlichen (An)satz. Überall lese ich "Quelle: CSU Fraktion". Also schau ich mir Ihre Politik-Seite in Facebook an: Viele CSU-Wahl-Logos mit fetten Buchstaben "Danke für Ihr Vertrauen 2013". Die letzten verstaubten Beiträge stammen aus 2015 beziehungsweise 2016. Bei meinem letzten Versuch, auf Ihre "private" Opel-Seite zu gelangen, scheiterte ich mit: "... nur für Zielgruppe sichtbar, in der du nicht enthalten bist". Ich greife Ihren Vorschlag auf "Bei Problemen jederzeit an mein Büro wenden". Ich schreibe an abgeordnetenbuero@karl-straub.de 67 Zeilen. Nach einer Woche zwei schlichte Zeilen als Echo, leider null Antwort auf meine sieben Fragezeichen.

Kennen Sie Transparenz, vor allem nachhaltig zwischen Wahlkämpfen? Nehmen Sie sich doch Ihre CSU-Kollegen MdB Irlstorfer und Brandl aus Ingolstadt zum Vorbild. Jeder Bürger kann zum Beispiel problemlos beide Facebook-Profile mit all ihren persönlichen Kommentaren abonnieren, ohne "befreundet" zu sein. Obwohl 24 248 Wähler Ihnen 2013 ihre Stimme liehen, solche Audienz gewähren Sie exclusiv nur Ihren 4987 Facebook-Freunden. So viel "Privatsphäre" mag vielleicht einen Opel bestellen. Aber genügen sie auch zur Sicherstellung Ihrer Diäten?

Als Volksvertreter erklären Sie uns Ihre karge Öffentlichkeitsarbeit unter anderem damit, dass Sie als Politiker "Beschimpfungen und Unterstellungen" ausgesetzt seien. Falscher Beruf? Sie jammern uns vor über die "Verrohung der Umgangsformen" und vermissen den "respektvollen Umgang mit anderen Positionen". Beispiele gefällig? "Ich bin nicht der Meinung, dass der ernst zu nehmen ist. Ich glaube, dass er krank ist." Ja, so lautete zum Beispiel Ihre Diagnose zu einem Gerolsbacher Gemeinderatsmitglied, bevor Sie ihn 2011 als angeblichen "Geisterfahrer" aus der CSU warfen. Okay, alte Kamelle, aber wirkt auf mich exemplarisch für Ihre innere Gesinnung in der Auseinandersetzung mit Menschen, die anders ticken als wir selbst. Weil hier Platz fehlt, nur noch ein Beispiel aus dem Sommer: Ein Leserbriefschreiber diskutierte mit einem Gemeinderat aus dem Wolnzacher Volksfestausschuss unter anderem über den (Un)Sinn eines Besuchsverbots. Darin mischen Sie sich per Facebook öffentlich ein: "Mir tun die Eltern leid, Max Wallner sen. war ein Kämpfer für Wolnzach... Es gibt einen Senior und es gibt Ihn."

Lieber Karl Straub, auch ich grüble manchmal über Zeitungsartikel mit gewissen Auftritten Ihrer Kollegen. Aber warum honorieren Sie dermaßen persönlich hinab bis in familiäre Privatsphären ein ehrenamtliches Engagement, zu dem offensichtlich auch diese Kollegen von Bürgern wiedergewählt wurden? Ihr CSU-Ortschef kann sich natürlich auch nicht mehr bremsen: "Lieber Max Wallner!!! Verschone uns doch endlich mal mit deinem sch....!!" Ist das nun die "Privatsphäre", die Sie für sich so reklamieren beziehungsweise wo Sie beklagen, dass "bei einigen Menschen die Sprache allzu schnell außer Kontrolle gerät"?

Sie sitzen als unser Vertreter im Landtag, aber fest im Sattel auch als CSU-Kreisvorsitzender der mächtigsten Partei. Die CSU darf in unseren Gemeinden maßgeblich, oft erfolgreich politisch mitgestalten. Aber warum läuft trotz schwarzer Übermacht das politische Miteinander immer wieder aus dem Ruder und eskaliert als Soaps à la "Komödienstadel" in unseren Medien? Liegt es wirklich nur an uns "Geisterfahrern" oder macht zu viel Macht auf Dauer blind oder unsensibel ?

Egal ob Bashing gegen AfD-Wähler im Großen oder uns "Exoten" in der Provinz im Kleinen: Wir sind nicht krank! Nehmen Sie bitte uns alle und jeden nachvollziehbar ernst. Machen Sie es wie MdB Irlstorfer und Dr. Brandl, dann wird's auch wieder mit Ihren Diäten.

Jörg Bucher

Scheyern