Wie wir im PK vom 30. November lesen konnten, wird auch in der Ilmtalklinik fleißig gerechnet. Ausgesprochen schade ist es dabei, dass in den öffentlichen Bilanzen die gute medizinische und pflegerische Arbeit keine Resonanz findet. Und wenn, dann nur unter dem Blickwinkel, ob eine Abteilung Gewinn abwirft oder nicht. Ich frage mich, wie es bei den Mitarbeitern ankommt, wenn sie das Jahr über guten Dienst leisten und hinterher nur rote Zahlen serviert bekommen. Lässt sich denn der Gewinn der Arbeit in Medizin und Pflege, nur in Zahlen, und nicht vielmehr in der Patientenzufriedenheit abbilden? Denn hier erfahre ich viele positive Rückmeldungen.
Nun kann man im Gesundheitswesen nicht, wie in anderen Industriebranchen, die "Produktion" in Billiglohnländer verlagern. So steht über den Zahlen die große Sorge, dass man auch hier, wie in der Wirtschaft üblich, zu den "einfachen" Mitteln des Sparens durch Personalabbaus greift. Geradezu fatal wäre es, wenn das im Medizin- und Pflegebereich geschieht, indem offene Stellen nicht (mehr) besetzt werden oder der Stellenschlüssel einfach nach unten gerechnet wird. Damit werden die eigentlichen "Leistungsträger", die ohnehin am Anschlag der Belastung stehen, für viele Missstände im Gesundheitswesen auch noch bestraft. Ein Großteil der im Artikel erwähnten Überstunden resultiert nämlich genau aus dem hohen Ausmaß an Krankheitsfällen im medizinischen und pflegerischen Bereich, beziehungsweise aus der Kompensation desselben, indem andere für kranke Kollegen einspringen müssen.
Langzeittherapie im Sinne qualitativ hochwertiger Arbeit sollte an den Standorten der Ilmtalklinik vor allem ausreichendes und auf Dauer nicht überlastetes Personal sein. Denn auch das steigert den Wert einer Klinik und sollte es den Verantwortlichen in den Landkreisgremien wert sein.
Hans Schlatterer

Klinikseelsorger

der Ilmtalklinik Pfaffenhofen