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Zu viel und zu schnell gegessen?

Pfaffenhofen
erstellt am 07.11.2018 um 18:08 Uhr
aktualisiert am 10.11.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Muss man als Autofahrer merken, dass man übermüdet ist und deshalb am Steuer in einen Sekundenschlaf fallen kann?
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Ja, sagt die gängige Rechtsprechung. Nein, sagt Mehmet P. (Name geändert). Er hatte auf der A 9 bei Wolnzach mit seinem Auto fünf Leitplanken geschrottet. Gegen den Strafbefehl legte er Einspruch ein.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 22-Jährigen vor, sich ans Steuer gesetzt zu haben, obwohl er "erheblich übermüdet" gewesen sei. Um sich strafbar zu machen, verlangt die Rechtsprechung allerdings nach einem Referenzurteil einen Übermüdungszustand, "welcher für den Fahrer die erkennbare Erwartung eines nahen Sekundenschlafs mit sich bringt. " Der Fahrer hätte die Übermüdung bemerken oder mit ihrem Eintritt rechnen müssen. Darauf hebt Mehmet P. ab: Er sei zum Unfallzeitpunkt, kurz vor zwei Uhr nachts, nicht übermüdet gewesen. Vielmehr habe er zu schnell und zu viel gegessen. Er ist gläubiger Muslim und hält den Fastenmonat Ramadan ein. Danach darf erst wieder nach Sonnenuntergang gegessen werden. Den Sekundenschlaf führt er auf das Fastenbrechen zurück. Sein Verteidiger beantragt, das Verfahren einzustellen und das Fahrverbot aufzuheben. Amtsrichter Michael Herbert setzt das Verfahren aus. Ein Sachverständiger soll klären, "ob es für den Angeklagten bemerkbar war, dass er beim Fahren einschlafen wird".
Albert Herchenbach
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