Mittwoch, 19. September 2018
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Oberpfälzer Kabarettist gewinnt gegen starke Konkurrenz den 23. Hallertauer Kleinkunstpreis

Wolfgang Kamm macht das Rennen

Geisenfeld
erstellt am 11.05.2018 um 15:42 Uhr
aktualisiert am 14.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Unterpindhart (GZ)"Di' kennt ja koana" - so heißt das aktuelle Programm des Oberpfälzer Kabarettisten Wolfgang Kamm. Für ihn selbst gilt dies nicht mehr - als diesjähriger Gewinner des Hallertauer Kabarettpreises hat sich Kamm in der Szene nun einen Namen gemacht. Zumal die Konkurrenz stark war und die Jury es schwer hatte, wie auch Moderator Wolfgang Krebs anmerkte.
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Preisgewinner Wolfgang Kamm in einer seiner Paraderollen als indischer Pfarrer.
Preisgewinner Wolfgang Kamm in einer seiner Paraderollen als indischer Pfarrer.
Kellerer
Geisenfeld
Einmal mehr war der Rockermeier-Saal ausverkauft, als am Mittwochabend vier vorab "Auserwählte" das Kleinkunst-Brettl zu ihrer Bühne machten. Jeder Kandidat hatte 20 Minuten, um sich für den Preis, gesponsert von der Hallertauer Volksbank, bei Publikum und Jury von der besten Seite zu zeigen. Letztendlich überzeugte der Oberpfälzer Wolfgang Kamm als völlig unprätentiöser und sympathischer Kandidat, der sämtliche Figuren seiner bisher drei Kabarettprogramme aus dem eigenen Bekanntenkreis zusammengesammelt hat: So etwa den "Kraus Sepp", einen früheren Maurerkollegen, der darüber schimpft, dass sich sein syrischer Mitarbeiter "total integriert" habe: "Jetzt nehmen uns die Flüchtlinge uns auch noch die Vorurteile weg!" Zum Brüllen komisch ist Kamm aber auch als indischer Pfarrer, der das Kreuz als "I-Cross 4 mit integrierter Buß-App" anpreist, und mit musikalischen Schmankerl wie vom "Bierflaschl, des auch bloß a Mensch ist" - Karl Valentin lässt grüßen (mehr zum diesjährigen Gewinner im heutigen Kulturteil unserer Zeitung).
Über den zweiten Platz konnte sich der Poetry Slammer Christian Bumeder alias Bumillo freuen. Der Münchner Turmschreiber und Mitbegründer der Leseshow "Die Rationalversammlung" empörte sich über die herrschende "Empörungswut". Und mit einer"München-Meditation" über die selbsternannte bessere Gesellschaft und der Empfehlung zur "Salamisierung des Abendlandes" zeigte er sich als genialer Querdenker, scharfer Beobachter und spöttischer Kritiker.
Urkomische Einblicke in ihr Privatleben gewährte die am Ende drittplatzierte Franziska Wanninger. Sie erzählte etwa von ihrer Angst vor dem Klassentreffen ("Mein Gott, san de alle oid worn"), interpretierte das Pippi-Langstrumpf-Lied neu und solidarisierte sich mit dem weiblichen Publikum. Das in den Männern lieber Helden sieht, "die a Gurkenglasl gscheid zuaschraubn und an Teller selber in die Geschirrspülmaschine einräumen können".
Ebenfalls ins Private blicken ließ Boris Stijelja, halb Serbe, halb Kroate. Der studierte Schauspieler präsentierte sich als astreiner und ein wenig hibbeliger "Comedian", der gerne mit seiner Herkunft kokettiert. Da wird die konsonantenlastige kroatische Sprache genauso aufs Korn genommen wie der interfamiliäre Religionsmix aus orthodox und katholisch ("Ich hatte dadurch mehr Feiertage als ein Lehrer Ferien hat"). Und er berichtet darüber, dass sich schließlich auch sein konservativer Vater mit seinem Berufswunsch Schauspieler abgefunden hat: "Schauspieler? Junge, du kannst mir ruhig sagen, dass du schwul bist."
Den Preis hätte eigentlich jeder verdient, stellte neben Geisenfelds Kulturreferentin Henriette Staudter auch Moderator Wolfgang Krebs fest, der das Publikum während der Auszählung der Stimmen hauptsächlich mit seinen Paraderollen als "Ministerpräsidenten des ehemaligen Bayern", Stoiber und Seehofer, beglückte. Nur mit der Haartracht seiner "Klienten" in Perückenform als Accessoire verwandelte sich der großartige Kabarettist in die jeweiligen Personen - und zwar so täuschend echt, dass man fast glaubte, die Politiker stünden leibhaftig auf der Bühne.
Zum Erinnerungsfoto stellten sich nach dem Wettbewerb die vier Kandidaten (Sieger Wolfgang Kamm ist der vierte von links) mit den Organisatoren, Sponsoren, der Kulturreferentin und dem Moderator des Abends auf.
Zum Erinnerungsfoto stellten sich nach dem Wettbewerb die vier Kandidaten (Sieger Wolfgang Kamm ist der vierte von links) mit den Organisatoren, Sponsoren, der Kulturreferentin und dem Moderator des Abends auf.
Kellerer
Geisenfeld



Anerkennendes Lob für die Finalisten des Hallertauer Kleinkunstpreises gab es aber nicht nur von den "großen Tieren" der Politik, sondern auch von denen aus der Wirtschaft. Andreas Streb, Vorstandsmitglied der Hallertauer Volksbank, überreichte neben der begehrten Gleistrophäe als Preisgelder insgesamt 3250 Euro in Form von Schecks.
Ellen Kellerer
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