Dienstag, 18. September 2018
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Gemeinderat spricht sich gegen Fünffamilienhaus im Ortskern aus - Bebauung ist Gremium zu dicht

"Das bringt uns nur Probleme ein"

Schweitenkirchen
erstellt am 12.09.2018 um 18:33 Uhr
aktualisiert am 15.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Schweitenkirchen (PK) Eine Verschärfung der Parksituation und zu dichte Bebauung - aus diesen Gründen hat sich der Gemeinderat Schweitenkirchen zum zweiten Mal geschlossen gegen den Bauantrag für ein Fünffamilienhaus an der Hauptstraße ausgesprochen. Dass das Landratsamt das Vorhaben positiv sieht, führte in der Sitzung am Dienstag zu einer hitzigen Debatte.
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Den Hang hinunter geht es zu dem Grundstück, auf dem jemand gern ein Fünffamilienhaus errichten würde. Das wäre schon im Winter bei Glätte problematisch, so einige Gemeinderäte.
Den Hang hinunter geht es zu dem Grundstück, auf dem jemand gern ein Fünffamilienhaus errichten würde. Das wäre schon im Winter bei Glätte problematisch, so einige Gemeinderäte.
Brenner
Schweitenkirchen
In ihrer Sitzung Mitte Mai verweigerten die Schweitenkirchener Gemeinderäte ihr Einvernehmen für den Bau eines Fünffamilienhauses hinter der Sparkasse an der Hauptstraße. Das Landratsamt Pfaffenhofen als Genehmigungsbehörde hatte in der Zwischenzeit das Grundstück vor Ort besichtigt, so Sprecher Karl Huber auf Anfrage. Eine Prüfung habe ergeben, dass das Vorhaben bauplanungsrechtlich zulässig sei. Auch das Staatliche Bauamt Ingolstadt sei wegen der Lage an der Staatsstraße gehört worden und habe eine positive Stellungnahme abgegeben. Trotzdem blieben die Schweitenkirchener Gemeinderäte bei der Sitzung am Dienstag bei ihrer ablehnenden Haltung. "Das bringt uns nur Probleme ein", so Bürgermeister Albert Vogler (CSU).

Die Besitzer des Grundstücks hinter der Sparkasse wollen auf 650 Quadratmetern ein Fünffamilienhaus mit insgesamt zehn Stellplätzen errichten - darunter eine Duplex-Garage und Parkplätze an der Längsseite im Osten des Grundstücks. Bereits in der Mai-Sitzung hatte der Gemeinderat angezweifelt, dass die Stellplätze funktionieren, da die Autos ja auch noch wenden müssten. Was besonders bei den Längsparkern an der Ostseite zu Problemen führen könne, so die Argumentation des Gremiums. Nun löste der Tagesordnungspunkt eine recht heftige Debatte aus. "Das kann doch wohl nicht sein, dass die uns immer was hinstellen", so Gemeinderat Andreas Brummer vom Bürgerblock Schweitenkirchen (BBS). "Es ist ja schön und gut, dass man verdichtet, aber was ist mit der Parkerei?" Ähnlich argumentierte Johann Knorr (BBS): "Die Situation passt schon für das obere Haus nicht", sagte er. Tatsächlich parken immer wieder Autos über das Wochenende auf den öffentlichen Parkplätzen an der Staatsstraße neben der Sparkasse, wo aber nur zeitlich befristetes Parken erlaubt ist, so Bürgermeister Vogler auf Nachfrage.

Die Zweite Bürgermeisterin Gabriele Kaindl (BBS) wies in der Sitzung auf ein weiteres mögliches Problem hin: "Es mag rechtskonform sein, aber es funktioniert nicht", sagte sie. Die geplanten Duplex-Garagen seien in der Praxis ziemlich zeitaufwendig in der Handhabung, daher sei es wahrscheinlich, dass die Bewohner an der Hauptstraße parken würden. Besonders im Winter werde das zum Problem, so Katharina Lemle von der Freien Wählergemeinschaft/Wählergemeinschaft Schweitenkirchen (FWG/WGS). "Wie sollen sie, wenn es glatt ist, den Hang runterfahren?" Der Winterdienst räume dort ja nicht. Und das wiederum führe dazu, dass mehr Bewohner an der Hauptstraße parken würden. "Dann kriegen die Strafzettel", so Lemle. Und das bedeute, dass "die Leute, die da wohnen, es büßen müssen", so Bürgermeister Vogler. Fabian Wildmoser von den Freien Unabhängigen Bürgern (FUB) fragte: "Was ist mit der Zufahrt für die Feuerwehr?"

Genau wie in der Mai-Sitzung sprach das Gremium sich letztlich für drei Wohneinheiten und sechs Stellplätze aus. Außerdem wird zusätzlich auf die steile Zufahrt, mögliche Probleme im Winter sowie die Brandschutzfrage hingewiesen. Nun könne das Landratsamt allerdings das Einvernehmen der Gemeinde ersetzen, so Vogler.

Danach sieht es auch aus. Man habe nochmals die Anfahrbarkeit der Stellplätze überprüft, so Huber. "Dabei kam heraus, dass ein Stellplatz umgeplant werden muss." Man gehe davon aus, dass das Problem gelöst werden kann. Die Dichte der Bebauung jedenfalls sei zulässig, die Zahl der Wohneinheiten oder Geschosse sei kein Kriterium.
 

Solche Dinge würden nur in einem Gebiet berücksichtigt, für das die Gemeinde einen Bebauungsplan erstellt habe, so Huber. Das weiß auch Vogler. "Das ist in diesem Bereich sehr aufwendig und schwierig", sagt er, denn in dem Gebiet gebe es bereits viel Altbestand. "Das muss dann alles zusammenpassen."
 

Kommentar von Desirée Brenner

Natürlich ist es generell sinnvoll, die Nachverdichtung im Ortskern voranzutreiben statt immer neue Baugebiete auszuweisen. Doch es gibt Grenzen. Wenn die Bebauung zwar rechtlich in Ordnung geht, aber praktisch zu Problemen führt, dann ist das Vorhaben nicht mehr zielführend. An der Staatsstraße fahren bekanntlich 8000 Fahrzeuge am Tag entlang. Und bereits jetzt halten sich Bürger nicht an die Parkvorschriften. Die schmale, steile Zufahrt zu dem geplanten Fünffamilienhaus lässt bezweifeln, dass die künftigen Bewohner wirklich immer die Parkplätze auf dem Grundstück nutzen werden.

Wegen der großen Wohnungsnachfrage wird es solche Bauanträge sicher künftig noch oft geben. Vielleicht muss die Gemeinde dann doch darüber nachdenken, mit einem Bebauungsplan klare Vorgaben zu machen.
 
Desiree Brenner
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