Freitag, 21. September 2018
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Markus Käser erläutert Vorteile einer Wohnungsbaugenossenschaft - Auch ein städtisches Modell ist möglich

"30 Prozent günstiger ist machbar"

Geisenfeld
erstellt am 11.09.2018 um 18:21 Uhr
aktualisiert am 15.09.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Geisenfeld (GZ) Vorbild Pfaffenhofen: Markus Käser will die Idee einer Wohnbau-Genossenschaft "ins Land tragen" - sprich in den Kommunen der Region bekannt machen. Dafür trat er am Montagabend auch in Geisenfeld an. Die Zahl der Zuhörer im Restaurant Eva's war überschaubar, aber dafür sehr interessiert.
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Vor knapp 20 Zuhörern erläuterte Markus Käser im Bistro Evas die Vorteile einer Wohnungsbaugenossenschaft ?als Alternative zum Wohnungs-Wahnsinn?.
Vor knapp 20 Zuhörern erläuterte Markus Käser im Bistro Evas die Vorteile einer Wohnungsbaugenossenschaft "als Alternative zum Wohnungs-Wahnsinn".
Zurek
Geisenfeld
Hintergrund der Tour ist die Gründung der "Wogeno" am 1. Mai in Pfaffenhofen. Die Genossenschaft, deren zweiter Vorsitzender Käser ist, hat es sich zum Ziel gesetzt, "so schnell wie möglich bezahlbaren Wohnraum zu schaffen". Und das nicht nur im Landkreis, sondern in 50 Kilometern Umkreis. Seinen Auftritt vor knapp 20 Zuhörern will der Referent nicht als "Schulung", sondern als Beitrag zur Aufklärung und Anstoß zur Diskussion verstanden wissen. Ob in der Folge eigene Modelle, mit oder ohne Beteiligung der Kommunen entstehen oder man sich der Wogeno anschließt, das sei "alles offen", ermuntert Käser zum Ausloten örtlicher Möglichkeiten.

Doch wie funktioniert so eine Genossenschaft? Am Anfang, so ließ Käser wissen, brauche es fünf Personen zur Gründung, die idealerweise "Ahnung in Bau- und Rechtsfragen haben". In der Wogeno Pfaffenhofen sind das etwa eine Architektin, der Vertreter eines Planungsbüros, ein Rechtsanwalt und neben Käser ein weiterer Genossenschaftskenner.

Hat man die Gründung geschafft, gilt es Mitstreiter zu finden, um die Finanzierung von Projekten zu stemmen. Diese zahlen - das Pfaffenhofener Beispiel zugrunde gelegt - einmalig 1000 Euro, um Mitglied der Genossenschaft zu werden. Pro Quadratmeter genutzten Wohnraums sind überdies 500 Euro Einlagen fällig (wobei Finanzierungshilfen, wie Käser betont, möglich sind). Diese Einlage ist verbunden mit einem Mitspracherecht beim eigentlichen Bauprojekt und der späteren Verwaltung des Gebäudes.

Natürlich müsse auch eine solche "Firma" einen Ertrag erwirtschaften - der fließe aber eben in die Genossenschaft zurück, deren Vorteile für die Mitglieder für Käser auf der Hand liegen: Sie sind quasi "Mieter im eigenen Haus" und brauchen weder "explodierende Mieten" noch eine Kündigung zu fürchten. Vielmehr genießen sie bei lebenslangem, vererbbarem Wohnrecht ein stabiles Nutzungsentgelt, das unter der ortsüblichen Miete liegt. Gefragt, was passiert, wenn man auszieht, erklärt er: "Dann erhalten Sie Ihre Einlage zurück".

Wie hoch er denn die Quadratmeterkosten kalkuliere, wollte ein Zuhörer wissen. Auf eine konkrete Zahl legt sich der Referent nicht fest. Das hänge von unterschiedlichen Faktoren wie dem Grundstückspreis und der von den Mitgliedern beschlossenen Gestaltung ab. "30 Prozent unter dem üblichen Niveau" seien aber machbar. Die späteren Betriebskosten könnten die Genossenschaftler zudem durch Eigenengagement wie Hausmeisterarbeiten ebenfalls niedriger halten.

Unter anderem auf das alternative Wohn-Projekt "Uhlenbusch" angesprochen, erklärt der Referent, theoretisch sei von der Containersiedlung bis zum Holzhaus alles möglich. Aber es gebe "Grenzen der Individualisierung" - gesetzt durch örtliche Gegebenheiten und die Interessen der Genossenschaftsmitglieder. Realistischer sei der Geschosswohnungsbau mit maximal 20 Wohneinheiten, gut ausgestattet, aber "nicht luxuriös". Wobei an erster Stelle jeweils das Vorhandensein eines Grundstücks steht, dem sich die Feinplanung anschließt. "Nehmt das Thema mit und tragt es in die Gemeinde rein", appellierte Käser an die Zuhörer. Sobald von welcher Seite auch immer Interesse bestehe, "stehen wir gern bereit", so sein Versprechen auf Unterstützung. Denn: Im Genossenschaftsbau gebe es Probleme wie anderswo auch, "aber wir können sie gemeinschaftlich besser lösen".

Einer der Interessenten war Josef Fröschl, Immobilienfachmann, ehemaliger Stadtrat und einst Mitglied im Bauausschuss, Er wertete es als "löblich", dass sich Leute "für so eine Sache engagieren", hatte Tipps für günstiges Bauen parat und mahnte, die Stadt mit ins Boot zu nehmen, "denn die haben die Planungshoheit".

Von der Stadt Geisenfeld war bei dem Abend niemand persönlich anwesend. Er wäre gerne gekommen, "aber wir hatten gleichzeitig leider Fraktionssitzung", erklärte dazu Bürgermeister Christian Staudter gestern. Die Genossenschaftsidee sei auf jeden Fall eine, "die sich interessant anhört", ließ er wissen. "Um Wohnen wieder bezahlbarer zu machen, sind wir als Stadt für jeden vernünftigen Vorschlag aufgeschlossen."
Maggie Zurek
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