Dienstag, 20. November 2018
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Zweiter und letzter Teil der Geschichten rund um die einstige Eremitage in der St. Magdalena-Kirche von Eisenhut

Wandeln auf den Spuren von Paulus Singer

Eisenhut
erstellt am 13.07.2018 um 18:18 Uhr
aktualisiert am 18.07.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Eisenhut (PK) Sich der Geschichte um die Gerolsbacher Filialkirche St. Magdalena anzunehmen, dazu bietet das Pfarrfest in Eisenhut am Sonntag Gelegenheit.
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Aus Dankbarkeit ließ Pfarrvikar Trautwein 1764 eine Gedenktafel für den Eremiten Paulus Singer in der Kirche errichten.
Aus Dankbarkeit ließ Pfarrvikar Trautwein 1764 eine Gedenktafel für den Eremiten Paulus Singer in der Kirche errichten.
Foto: Sigl
Eisenhut
Hier der zweite Teil des Blicks in die Vergangenheit:

Nun mag man ja bei der Weitergabe von Generation zu Generation gerade bei historischen Sachverhalten etwas skeptisch sein, was die wirklichen Geschehnisse betrifft, doch die Darstellung des letzten Kirchenpflegers von Eisenhut (heute sind die Kirchenpflegschaften von Gerolsbach und Eisenhut vereint) lässt sich sowohl durch ein gegenständliches Zeugnis als auch durch schriftlichen Beleg eindrucksvoll bestätigen. Schon wenige Tage nach Tod und Begräbnis des Klausners richtete Pfarrvikar Trautwein - er ist auch der Erbauer der Vorgängerkirche von St. Andreas in Gerolsbach, die beim Dorfbrand am 2. August 1846 ein Raub der Flammen wurde - ein Schreiben an die kirchliche Behörde in Freising, dessen eigentlicher Sinn eine Anfrage war, was nun mit dem bescheidenen Nachlass des verstorbenen Klausners geschehen soll.

Gleich zu Beginn dieses Schreibens teilt Pfarrvikar Trautwein mit, dass Paulus Singer "in der Kirche beigesetzt wurde". In Freising nimmt man offensichtlich keinen Anstoß daran, dass so ein einfacher Eremit in einem Gotteshaus beigesetzt wurde. Denn beim Antwortschreiben aus Freising wird dem Gerolsbacher Ortsgeistlichen lediglich mitgeteilt, dass nach Abzug der Begräbniskosten das Erbe an die noch lebende Mutter und weiteren Kindern ausgehändigt werden darf.

Wenn sich am Sonntag der Kirchenbesucher näher in der Filialkirche umsieht, wird er auch eine Gedenktafel am linken Chorbogen entdecken. Unbewusst wird der Beschauer auch über die Grabstelle des einstigen Klausners treten. Der genaue Ort ist heute nicht mehr auszumachen, denn bei der Renovierung um 1990 wurde auch die Bodenplatte entfernt.

Die Gedenktafel für Paulus Singer hat ihm Pfarrvikar Trautwein 1746 auch aus Dankbarkeit dafür errichten lassen. "Als Sänger sang ich für die Welt, in immerwährendem Umherziehen, dreimal zehn Jahre, Lobgesänge, und dreimal fünf Jahre für Gott. Hier liege ich nun: Sprich ?Frieden', Freund, der du dies liest, auf dass der letzte Tag mir höchste Ruhe sei. Dieser Kirche Restaurator 1731 am 2. September", ist zu lesen. Im Sinne der Inschrift könnte der Kirchenbesucher also ein stilles Gebet für den einstigen Klausner verrichten, der hier begraben liegt.

Nach Singer hielten sich auch mit einiger Unterbrechung noch mehrere Klausner unterschiedlich lang in Gerenzhausen auf, bis Pfarrvikar Nissl, der für Klausner wenig übrig hatte, um 1776 die Kirche verriegeln ließ. Denn ein Klausner, so Nissl, könne seine Kutte auch wieder ausziehen und wenn er wolle auch heiraten. Damit hatte nach rund 65 Jahren die Klausnerei in Gerenzhausen ihr Ende gefunden; in der Zeit zwischen 1841 und 1843 wurde auch der Klausenanbau auf der Empore entfernt.
Anton Sigl
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