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Am CSU-Schafkopfturnier im Traditionszelt und an Käsers Wiesn-Waschglubberln ist eine Debatte zur Zukunft des Volksfests entbrannt

Das Bierzelt und die Politik

Pfaffenhofen
erstellt am 13.09.2018 um 18:32 Uhr
aktualisiert am 17.09.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (pat) Wie viel Politik das Pfaffenhofener Volksfest verträgt, darüber ist eine Debatte entbrannt.
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Die CSU-Plakate zum Schafkopfturnier sind der Stein des Anstoßes für die Debatte rund um die politische Wiesn.
Die CSU-Plakate zum Schafkopfturnier sind der Stein des Anstoßes für die Debatte rund um die politische Wiesn.
Käser
Pfaffenhofen
Sie dreht sich um zwei (an sich kleinere) Aufreger: das Schafkopfturnier im Traditionszelt, das morgen ab 11 Uhr stattfindet, von der CSU organisiert wird und im Vorfeld auch beworben wurde; und andererseits um das Verhalten von Markus Käser beim Ausmarsch am vergangenen Freitag. Der SPD-Landtagskandidat hatte sich während des Festzugs immer wieder unters Publikum gemischt und dabei hölzerne Wiesn-Waschglubberl mit der Aufschrift "Scheiß da nix" verteilt. Dass die CSU ihrerseits auf der Wiesn ein Schafkopfturnier veranstaltet und auf Plakaten dafür wirbt, kommt bei dem SPD-Wahlkämpfer und -Stadtrat dagegen gar nicht gut an.

Käser sieht beim Schafkopfturnier einen "Pfaffenhofener Wiesn-Grundsatz gebrochen". Nämlich jenen, dass in den Zelten keine parteipolitisch einseitigen Veranstaltungen stattfinden. "Das war noch nie so. Und wir sollten uns sehr gut überlegen, ob wir das aufweichen wollen", meint Käser. Pfaffenhofen sei immer ein politikfreies Volksfest gewesen. Und er würde das auch gerne so beibehalten. Beim Schafkopfturnier sei eine Grenze überschritten worden. "Jetzt ist es nur ein unbedeutendes Turnier. Aber übermorgen kommen alle daher, die das auch wollen - und dann nimmt das alles kein Ende mehr. "

Für den CSU-Ortsverband versucht sich der Vorsitzende Christian Moser an der Verteidigung. "Wir haben uns nicht groß was dabei gedacht", räumt er ein, diese Auswirkungen nicht auf dem Schirm gehabt zu haben. Auf den Plakaten stehe zwar das Logo der CSU. "Aber im Zelt werden wir beim Kartenspielen keinen Wahlkampf betreiben", versichert er. Grundsätzlich könne er Käsers Bedenken teilen. Aber er habe auch ganz genau hingesehen, als der SPD-Kandidat beim Ausmarsch seine Waschglubberl verteilte. "Das gehört da auch nicht hin. Und das möchte ich schon auch ganz deutlich sagen", fügt er an.

Über die Zukunft einer "politischen Wiesn" würde Moser nach dem Volksfest am liebsten eine Generaldebatte führen. Denn schließlich gehöre die Politik doch genau dahin, wo die Menschen seien - also ins Bierzelt, aufs Volksfest, in den öffentlichen Raum. "Und nicht in die Hinterzimmer", sagt er. "Das würde also lohnen, sich darüber mal genau zu unterhalten. "

Mit dieser Meinung steht der CSU-Ortsvorsitzende bislang aber noch ganz allein da. Bürgermeister Thomas Herker (SPD) und Hans-Dieter Kappelmeier, der bei der Stadtverwaltung für das Volksfest zuständig ist, würden die Wiesn nämlich gerne auch künftig frei von einseitigen Parteiveranstaltungen halten. Herker war bei der Vorstellung des Volksfestprogramms selbst überrascht vom Auftreten der CSU als Veranstalter des Schafkopfturniers. Und er hält an der Linie der vergangenen zehn Jahre fest. "Wir wollen das Volksfest nicht zur Bühne für Parteiveranstaltungen machen", sagt er. Vor und nach dem Volksfest gerne, aber nicht während der Wiesn, fügt er an. Die Stadt habe gute Erfahrungen mit den "Bunten Gipfeln" gemacht, bei denen Vertreter sämtlicher Parteien vor einigen Jahren schon zweimal im Festzelt miteinander diskutiert hätten. Käsers Auftreten beim Auszug verteidigte Herker. "Das Verhalten rund um das Volksfest ist schwer zu kontrollieren", sagt er. "Aber die Infrastruktur auf dem Festplatz, die ja die Stadt stellt, ist nicht für einseitige Parteizwecke da. "

Herker wies in dem Zusammenhang auch gleich auf zwei Großkundgebungen hin, die von Parteien für die laufende Wiesn - allerdings eher lose - beantragt wurden. CSU und SPD hatten angefragt, beide bekamen von Kappelmeier eine Absage. "Da haben wir unsere Meinung klar geoutet", sagt Kappelmeier. "Und wie es in Zukunft laufen soll, das müssen die Politiker entscheiden. "

Volksfestreferent Richard Fischer schließt sich dieser Meinung deutlich an. "Ein Volksfest ist nicht der Ort für einen Überbietungswettbewerb der Parteien", sagt er. Weder die Sache mit dem Schafkopfturnier noch Käsers Wahlkampf beim Auszug haben Fischer gefallen. "Das hat da beides nichts verloren, das Volksfest sollte weiterhin frei von Politik bleiben. " Pater Lukas Wirth vom Scheyrer Kloster, in dessen Zelt das Schafkopfturnier morgen stattfindet, hält das ganze Thema für leicht hochgeschaukelt. "Die spielen da Karten und essen Weißwürste - da geht es nicht um Politik", sagt er. Wobei er einräumt, die Brisanz der Geschichte falsch eingeschätzt zu haben. "Und als wir das ausgemacht haben, hatten wir den Wahlkampf einfach nicht auf dem Schirm. "
 
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