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"Lass die simplen Gemüter den Schmarrn sagen": Geniale Gedankengänge der Stachelbären enden zu oft in Plattitüden

Eine Drei von Fünf

Unterpindhart
erstellt am 10.01.2016 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 22:19 Uhr | x gelesen
Unterpindhart (esk) Manchmal ist es ganz einfach mit dem Kritiken schreiben: War die Darbietung makellos, gibt es Lobesfloskeln genug, dies kundzutun; war die Show mies, wird der arme Wicht da vorne auf der Bühne eben mal mit spitzer Feder zerlegt. Was aber tun, wenn man die Künstler eigentlich schätzt, aber dann dem Sitznachbarn Recht geben muss, der spontan schon zur Pause bemerkte: „Ganz nett, aber ein bisschen laienhaft.“
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Unterpindhart: Eine Drei von Fünf
Die Stachelbären in Unterpindhart: Claus Drexler (links), Michael Eberle und eine Leberkässemmel - Foto: Kellerer
Unterpindhart

Sagen wir’s mal so: Die 3/5 Stachelbären haben zwar auf 120 Prozent aufgedreht, in ihrer Wortfülle für zehn Stachelbären hergehalten, blieben aber letztlich in der Gunst des Publikums – beurteilt auf der kabarettistischen Richterskala – bei einer Drei von Fünf.

Warum dies harte Urteil und der verhaltene Applaus trotz echter Sympathie für die kabarettistischen Platzhirsche des Landkreises? Unter dem Programmtitel „Auf eigene Gefahr“ kommen Roland Andre, Claus Drexler und Michael Eberle in Soloauftritten, im Duett oder zu Dritt vom Hundertsten ins Tausendste, ziehen Schockbilder auf Zigarettenschachteln ins Absurde, bringen selbstredend den nicht mehr existierenden Datenschutz in Misskredit, kritisieren Onlinesucht, ziehen Veganismus, „functional food“, Billigwahn, Pisa, Schweinepest, Vogelgrippe und Rinderwahn ins Lächerliche und mimen als simple Gemüter inhaltsloses Geschwafel: „Der Söder, des is a Hund von einer Matz.“ Das ist ein einfacher kabarettistischer Kunstgriff – „lass die simplen Gemüter den Schmarrn sagen“ – aber eben nicht gleich in drei Nummern. Da läuft man Gefahr, dass das kritisierte „inhaltslose Geschwafel“ auch auf der Kabarettbühne nur ein solches bleibt. Immer wieder mal blitzten witzige Ideen und geniale Gedankengänge der Textschreiber auf, die dann auch vom Publikum mit wohlwollendem Gelächter belohnt wurden, aber leider zu oft in Plattitüden („gegen an Veganer is a Skispringer a fette Sau“) untergehen – und ohne wirkliche Pointe enden.

Da tat das leidenschaftliche und sehr ernsthafte Plädoyer eines Michael Eberle kurz vor Schluss gegen den wieder aufflammenden Rechtspopulismus angesichts der aktuellen Ereignisse hinsichtlich der Asylpolitik richtig gut: Man könne Themen auch herbeireden über die Medien, so Eberle. Ja, kann man. Aber leider kann man eben nicht alle Themen, die gerade in den Medien kursieren, kabarettistisch adäquat abdecken, ohne sein Publikum zu überfordern – oder vielleicht sogar ein bisschen zu langweilen.

Von Ellen Kellerer
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