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Unfreiwillige Herbergssuche

erstellt am 06.12.2018 um 18:36 Uhr
aktualisiert am 09.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
7"Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem?" Vielen, die diesen Satz aus der biblischen Weihnachtsgeschichte lesen, wird es gehen wie mir: Es wird einem warm ums Herz!
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Bald werden sie ankommen, bald ist Bescherung! Der Christbaum und ein kuschliger Stall, Kerzen und Glühweinduft - alle Sinne fangen da bei mir an zu arbeiten. Wohlgefühl stellt sich ein.
Sind wir realistisch: Ein armseliges Pärchen ist unterwegs. Sie ist hochschwanger. Die Reise machen sie nicht freiwillig. Sie machen sich auf Grund der Anweisungen eines Gewaltherrschers auf einen gefährlichen Weg. Die Straßenverhältnisse abenteuerlich. Eine Unterkunft am Zielort ist ungewiss. Die Reise ist mehr als beschwerlich. Sie sind zu Fuß unterwegs, verschwitzt und staubig werden sie bei der Ankunft sein. Sie riechen streng. Kein Wohlgefühl - eher Verunsicherung, bestenfalls Mitleid.
Die Weihnachtsgeschichte ist eine Migrationsgeschichte. So sehr ich die Herbergssuchen in Krippenspielen liebe: Es wäre mir am liebsten, es hätte sie nie gegeben. Wie wundervoll wäre es, wenn sich Maria und Josef gar nicht auf den Weg hätten machen müssen? Dann wäre ihr Kind, der Retter der Welt, in ihrer Heimat Nazareth geboren worden - na und? ! Und wie wunderbar wäre es, wenn die Heilige Familie später nicht aus Furcht um ihr Leben nach Ägypten hätte fliehen müssen, weil ein blutrünstiger Machthaber sie bedrohte.
Migration gehört zur Menschheitsgeschichte und auch zur Geschichte Gottes mit den Menschen. In der Nachfolge des Flüchtlingskindes aus Bethlehem, in der Nachfolge Jesu, bleibt Christen nur eine Option: Das Zusammenleben auf dieser Welt so zu gestalten, dass sich möglichst niemand aus Angst vor Gewalt oder Armut auf den Weg machen muss. Und wenn sich Menschen schon auf den Weg gemacht haben, gilt es Obdach zu gewähren und alles zu tun, dass sie ihr Leben sicher und ohne Angst leben können, sei es am Ziel der Flucht oder noch besser in ihrer Heimat.

George SpanosPfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde für Pfaffenhofen und Scheyern
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