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Die neue Drehleiter der Geisenfelder Stützpunktwehr ist angekommen

Tatütata als Zeichen der Freude

Geisenfeld
erstellt am 14.06.2018 um 14:19 Uhr
aktualisiert am 18.06.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Geisenfeld (GZ) Müde, aber stolz und glücklich sind am Dienstagabend die Kameraden der Geisenfelder Feuerwehr aus Karlsruhe zurückgekommen - mit ihrer neuen Drehleiter im Schlepptau. Die Segensfeier ist für Freitag, 22. Juni, nach einem Gottesdienst um 19 Uhr geplant.
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Stolze Neuanschaffung: Die Drehleiter der Geisenfelder Stützpunktwehr ist diese Woche angekommen. Am Freitag, 22. Juni, wird das 630000 Euro teure Fahrzeug gesegnet.
Stolze Neuanschaffung: Die Drehleiter der Geisenfelder Stützpunktwehr ist diese Woche angekommen. Am Freitag, 22. Juni, wird das 630000 Euro teure Fahrzeug gesegnet.
Zurek
Geisenfeld

In der Schaltzentrale halten am Dienstagabend lediglich ein paar Kameraden die Stellung, als kurz vor 19 Uhr etwas knisternd die Meldung hereinkommt: "In fünf Minuten Ankunft!" Kurz darauf kündet sich mit fröhlichem Tatütata und Blaulicht - ausnahmsweise als ultrakurzes Statement des Überschwangs - der Mercedes Atego mit seiner wertvollen Fracht an. Die Anschaffungskosten lagen schließlich bei rund 630.000 Euro. Am Steuer ein über das ganze Gesicht strahlender Kommandant Hans Rottler.

Kaum ausgestiegen sind Rottler und seine Begleiter von Neugieren umringt. Sichtlich stolz auf das neue Equipment gibt der Trupp, der am Vortag um 5 Uhr zu seiner Mission zur Firma Rosenbauer nach Karlsruhe aufgebrochen war, Auskunft. Und führt sogleich vor, was diese "DLA(K) 23/12" drauf hat: mehrere Leitersegmente, die sich motorisch ausfahren lassen, dabei um 360 Grad drehbar sind und damit das "Anleitern" an Gebäuden bis zum siebten Stockwerk (also in 23 Metern Höhe) ermöglichen. Die überdies zum Equipment gehörende Trage lässt den Transport von Menschen mit einem Gewicht bis zu 300 Kilogramm (bisher lag die Grenze bei rund 100 Kilogramm) zu. Und natürlich Löscheinsätze vornehmen, so erfährt man weiter. Sogar ein "Testhub" im Korb ist möglich, um aus luftiger Höhe einen Blick über die Stadt werfen zu können. Die Nachwuchskräfte der Jugendwehr, die auch mal hoch hinaus wollen, stehen Schlange.

Der erste Einsatz einer fahrbaren Drehleiter 1808 in Knittlingen - von einem vierrädrigen Pferdefuhrwerk gezogen und elf Meter hoch - fand laut Gerichtsprotokoll "den Beifall Seiner Königlichen Majestät". In Geisenfeld war es Bürgermeister Christian Staudter, der das moderne Pendant bewunderte und die Stützpunktwehr beglückwünschte - erfreut über "den Enthusiasmus, mit dem die Neuanschaffung in Augenschein genommen wurde". Und überzeugt, dass die ohnehin "sehr leistungsfähigen Feuerwehren der Gemeinde" fortan die "Herausforderungen zum Schutz der Bevölkerung noch besser meistern werden". Staudter dankte Kommandant Rottler und Feuerwehrreferent Jürgen Staudt für die Entwicklung respektive Unterstützung des Beschaffungskonzeptes. Am Ende hatte man dank des gemeinsamen Einkaufs mit der Feuerwehr Geisenhausen bei Landshut die staatliche Förderung (und damit auch den davon abhängigen Landkreiszuschuss) auf 40 Prozent aufstocken können.

Bei aller Freude ist Rottler am Ende dann doch die Erschöpfung anzusehen gewesen. Er und sein Team hatten nicht nur die Abnahme und Bürokratisches erledigt, sondern waren bei der Fachfirma auch in die Nutzung des neuen Hubrettungsfahrzeugs eingewiesen worden. "Gefeiert wird heut nicht mehr", meint der Kommandant noch müde lächelnd. Da hat er noch nicht gewusst, was für ein nächtlicher Einsatz ihm noch bevorstehen würde. Denn in der nacht auf Mittwoch, etwa eine Stun de nach dem Ende desr Begrüßungszeremonie für die neue Drehleiter, ging es für die Kameraden raus zum Einsatz. Der Starkregen brachte Hochwasser mit sich. Es galt für die fleißigen Helfer, über Stunden hinweg Keller auszupumpen, Sandsäcke zu verbauen und den Ilmpegel im Blick zu behalten. Die Drehleiter brauchten sie dazu nicht - aber ihre Stunde wird schon bald kommen. Zum Feiern ist sowieso nach der Segnung am Freitag, 22. Juni, noch Zeit genug. Danach stehen weitere Schulungen von Maschinisten und Atemschutzgeräte-Trägern im Korb auf dem Programm. Damit die Drehleiter im Notfall fachgerecht bedient werden kann.

Die freiwilligen Feuerwehren im Überblick

Die Anschaffung der neuen Drehleiter komplettiert den gut ausgestatteten Fuhrpark der Stützpunktwehr und ergänzt das „Rundumpaket“ der Wehren in der Stadt und den Ortsteilen. Große Anschaffungen wird es – sieht man von der ausstehenden Beschaffung des Fahrzeugs für Nötting ab – in naher Zukunft nicht geben. Was genau die Standorte jeweils zum Schutz der Bevölkerung über engagierte und gut ausgebildete Feuerwehrler hinaus zu bieten haben, ist nachfolgend aufgelistet. Neue Mitstreiter sind überall stets willkommen.

-Geisenfeld: Kommandant Johann Rottler, Vorsitzender Jürgen Staudt, Gründung 1870; 87 Aktive, 19 Mitglieder in der Jugendwehr; Fuhrpark: MZF Mehrzweckfahrzeug MZF (Baujahr 2015), Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug HLF 20 (2016), Löschfahrzeug LF 16/12 (2002), LF 10/6 (2006), Drehleiter DLK 18/12 (1992), Gerätewagen-Logistik GW-L2 (2011), Mannschaftstransportwagen MTW (1998), RTB 1 Flachwasserschlauchboot RTB 1 sowie diverse Anhänger, Rettungsschere und -spreizer, Gefahrgutausrüstung und mehr.

-Engelbrechtsmünster: Kommandant Josef Wagner, Vorsitzender Thomas Ruhland, Gründung 1873 durch Pfarrer Schreiber, späterer Bischof von Bamberg; 29 Aktive, ein Mitglied in der Jugendwehr; Fahrzeug: LF 8 mit der Ladung eines TSF (1988).

-Gaden: Kommandant Hans Schalk, Vorsitzender Manfred Hofmeister, Gründung erstmals um 1900, aufgelöst im Dritten Reich, Wiedergründung 1949; 23 Aktive, sechs Mitglieder in der Jugendwehr; Fahrzeug: TSF (1987).

-Geisenfeldwinden: Kommandant Thomas Halmbacher, Vorsitzender Jürgen Flossmann, Gründung 1902; 32 Aktive, drei Mitglieder in der Jugendwehr; Fahrzeug: TSF (1989).

-Ilmendorf: Kommandant Stefan Robin, Vorsitzender Manfred Oswald, Gründung 1889; 42 Aktive, acht Mitglieder in der Jugendwehr; Fahrzeug: TSF-W Brandbekämpfung und technische Hilfe (2015).

-Nötting: Kommandant Robert Meier, Vorsitzender Gerhard Werther, Gründung 1904; 29 Aktive, derzeit keine Jugendwehr; Fahrzeug: TKF derzeit in Beschaffung als Ersatz für das TKA aus den 1960er-Jahren.

-Rottenegg: Kommandant Karl Amler, Vorsitz vakant, Gründung 1877 als Pflichtfeuerwehr, 1883 in Freiwillige Wehr umgewandelt; 25 Aktive, neun Mitglieder in der Jugendwehr; Fahrzeug: Staffel-Löschfahrzeug (2013).

-Schillwitzried: Kommandant Josef Kund, Vorsitzender Johann Höfelschweiger, Gründung 1890; 19 Aktive, derzeit keine Jugendwehr; Fahrzeug: TSA (1968), vor zehn Jahren Motorspritze erneuert.

-Ober- und Untermettenbach: Kommandant Michael Merus, Vorsitzender Andreas Krammel, Gründung 1874; 24 Aktive, sieben Mitglieder in der Jugendwehr; Fahrzeug: TSF-W mit 1000 Liter Wassertank, Schmutzwasserpumpe (1992).

-Unterpindhart: Kommandant Martin Winkler, Vorsitzender Sebastian Wöhr, Gründung 1877; 33 Aktive, zwölf Mitglieder in der Jugendwehr, Fahrzeug: LF 8 (1985). Zell: Kommandant Roland Weber, Vorsitzender Thomas Schneider, Gründung 1904; 38 Aktive, drei Mitglieder in der Jugendwehr; Fahrzeug: LF 8 (1985).
Maggie Zurek
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