Donnerstag, 13. Dezember 2018
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Die Pfaffenhofener Polizisten Engl und Dreher wissen, auf welche Maschen man gefasst sein sollte

So wehrt man sich gegen Cyber-Betrug

Pfaffenhofen
erstellt am 06.12.2018 um 18:42 Uhr
aktualisiert am 10.12.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Wer glaubt, zur Adventszeit gehe alles friedvoller als sonst zu, der irrt. Betrüger haben gerade jetzt Hochsaison - vor allem im Internet werden zahlreiche Betrugsversuche unternommen. Die beiden Pfaffenhofener Polizeihauptkommissare Helmut Engl und Karlheinz Dreher erklären, wie man sich schützen kann.
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Kennen die Maschen der Betrüger: Die beiden Polizeihauptkommissare Helmut Engl (links) und Karlheinz Dreher wollen die Allgemeinheit möglichst umfassend informieren, um so dazu beizutragen, Schäden überhaupt nicht entstehen zu lassen.
Kennen die Maschen der Betrüger: Die beiden Polizeihauptkommissare Helmut Engl (links) und Karlheinz Dreher wollen die Allgemeinheit möglichst umfassend informieren, um so dazu beizutragen, Schäden überhaupt nicht entstehen zu lassen.
Engl
Pfaffenhofen
Ziel der Betrüger ist es generell, direkt an Bargeld zu kommen oder zumindest an wichtige persönliche Daten wie Bankverbindungen, die sich dann in einem zweiten Schritt zu Bargeld machen lassen. "Auch in unserem Landkreis mehren sich derzeit solche Fälle", so die Polizeihauptkommissare Helmut Engl und Karlheinz Dreher von Pfaffenhofens Polizeiinspektion. Grund genug dafür, dass in den vergangenen zwei Jahren in Pfaffenhofens Polizeidienststelle mehr Kollegen für den Bereich der Cyber-Kriminalität geschult wurden. Momentan arbeiten dort vier Beamte auf diesem Sektor.

Die Tricks, um unrechtmäßig an möglichst viel Geld zu kommen, sind vielfältig. Umso wichtiger ist es, so Dreher, einige grundlegenden Regeln zu befolgen.

Eine beliebte Masche ist eine Vorgehensweise mittels E-Mailversand. Dabei wird oft nicht nur "malware" verbreitet, also mit Viren verseuchte, schädliche Software. Es geht auch darum, an Daten zu kommen. "Ein gesundes Misstrauen sollte grundsätzlich angesagt sein", so Engl. Außerdem sollte sofort die betreffende Datei gelöscht werden, und zwar auch vom Papierkorb. "Auf alle Fälle dringlichst zu vermeiden ist das Hochladen von Bildern, das Anklicken und Öffnen von Bildanhängen", so Engl.

Denn wenn man das tut, übermittelt man dem Betrüger auf diese Weise seine IP-Adresse und das Signal eines aktiven Anschlusses. "Daher sollte man Links und Anhänge nie anklicken", so Kommissar Engl.

Nicht nur via E-Mail versuchen Gauner an das Geld von Nutzern zu kommen, auch Online-Shopping ist generell mit einem gewissen Grundrisiko verbunden. Der Rat beider Kommissare ist es daher, sich unbedingt das Impressum anzusehen - für deutsche Firmen ist Impressumangabe gesetzlich vorgeschrieben. Das Vorhandensein eines Impressums kann also als erstes positives Zeichen angesehen werden, so die Kommissare. Es empfehle sich auch, den Sitz des Unternehmens, und in verdächtig wirkenden Fällen auch die Telefonnummer anzusehen und zu überprüfen. Eine weitere Kernfrage ist, ob eine potenzielle Überweisung an eine deutsche Bank oder an ein ausländisches Institut geleistet werden soll. "Ist das Geld einmal im Ausland gelandet, ist es in aller Regel verloren", so Engl und Dreher.

Einfach zu kontrollieren ist auch, ob Kunden mit dem Verkäufer zufrieden sind. Das könne man schnell über das Internet abfragen. Optimal, aber nicht immer möglich ist eine Lieferung gegen Rechnung oder Lastschrift. "Verdächtig sind auf alle Fälle über alle Maßen günstigen Preise", so Engl und Dreher. Überprüfen sollte man auch, ob der gewünschte Artikel bei anderen Händlern überhaupt verfüg- und lieferbar ist. Sollte dies nicht der Fall sein, ist ebenfalls höchste Vorsicht geboten, so die Kommissare.

Außerdem gibt es weitere Alarmsignale: Aussagen wie "nur noch ein Stück verfügbar" beispielsweise. Hier gelte es, immer einen kühlen Kopf zu bewahren und sich nicht von Gier oder Vorfreude auf das vermeintliche Schnäppchen blenden zu lassen.

Auch über das Telefon versuchen es Betrüger immer wieder. Daher ist die Weitergabe wichtiger privater Daten oder Bankverbindungen grundsätzlich und immer zu vermeiden. Seriöse Unternehmen wie alle deutschen Banken, Microsoft oder Amazon werden ihre Kunden telefonisch niemals um Kontodaten bitten, so die Polizisten.

Engl und Dreher schätzen, dass besonders eine Telefon-Masche im Landkreis aktuell bei den Betrügern beliebter werden könnte: Nämlich die, bei der der Betrüger behauptet, er müsse Bankdaten des Kunden überprüfen. So böten zum Beispiel regionale Bankenfusionen Betrügern eine vermeintlcih plausible Begründung für diese gesetzeswidrige Fragen nach Kontodaten.

Gefährdet sind übrigens erstaunlicherweise junge ebenso wie ältere Menschen. Für beide gilt also: "Gesundes Misstrauen hat immer absolute Priorität", so die Experten.

Bürger, die einen Betrugsversuch vermuten, können sich stets an die Polizeidienststelle Pfaffenhofen wenden, und zwar unter Telefon (08441) 80950.

Das kann man selbst herausfinden

Jeder kann gewisse Dinge selbst herausfinden, wenn er eine auffällige E-Mail erhält. „Mit geringen Computerkenntnissen kann man in der verdächtigen E-Mail in dem sogenannten Header, also der Kopfzeile, wichtige Hinweise wie die IP-Adresse des Absenders entnehmen“, so Polizeihauptkommissar Helmut Engl. Jeder Bürger könne dies kostenlos und problemlos tun, und zwar funktioniert das unter dem   Link.

Dort gibt man die fragliche E-Mail-Adresse ein. Anschließend erhält man eine IP-Adresse, die den Standort des Servers aufzeigt und kann diese in die Suchmaske bei dem ebenfalls kostenlosen Programm www.utra ce.de einzugeben. Somit kann man relativ einfach das Herkunftsland des Absenders und ob er in Deutschland, im Ausland oder auf einer fernen Insel sitzt, ermitteln. Diese Informationen sind auch immer für die Spezialisten für Cyber-Kriminalität der Polizeiinspektionen wichtig.

Erich Engl
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