Samstag, 19. Januar 2019
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Pfaffenhofener Gymnasiasten programmieren einen Roboter

Schüler bringen Milli auf Trab

Pfaffenhofen
erstellt am 16.12.2018 um 13:11 Uhr
aktualisiert am 20.12.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Milli ist ein wenig blass um die Nase, aber das täuscht. Sie ist topfit, bewegt sich geschmeidig im Disco-Fox, vor allem aber ist sie höflich. "Wie geht es dir?", fragt sie interessiert und funkelt mit den Augen. "Fantastisch", sagt ihr Gesprächspartner. Und Milli antwortet: "So geht es mir auch!"
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Bei einem Workshop, den ihnen die Pfaffenhofener Sparkasse ermöglicht hat, konnten Pfaffenhofener Gymnasiasten am Samstag den Roboter Milli programmieren.
Bei einem Workshop, den ihnen die Pfaffenhofener Sparkasse ermöglicht hat, konnten Pfaffenhofener Gymnasiasten am Samstag den Roboter Milli programmieren.
Herchenbach
Pfaffenhofen
Zwölf Jugendliche sitzen im Sparkassen-Casino vor ihren Laptops und strahlen: Es hat funktioniert! Denn was Milli da sagt, das haben sie dem 1,20 Meter kleinen Wesen gerade beigebracht: Sie haben den weißen Plastikzwerg mit den Blinke-Augen programmiert, und der Gnom tut brav, was von ihm erwartet wird. Wenn man ihn begrüßt und seine Sensor-Ohren "Hey" verstehen (wahlweise "Hallo", "Servus", "Grias di"), dann antwortet er freundlich mit "Wie geht es dir?" Sagt man jetzt statt gut schlecht, dann baut Milli einen wieder auf: "Das wird schon."

 

Die Jugendlichen sind Schüler des Schyren-Gymnasiums und Mitglieder der Community "Open Project", wo sie mit viel Spaß programmieren lernen. Die Pfaffenhofener Sparkasse hat ihnen diesen Workshop mit Milli ermöglicht. Anlässlich der Zeugnis-Übergabe, erzählt Sparkassen-Sprecher Manfred Hailer, sei der Vorstandsvorsitzende Norbert Lienhardt angesprochen worden, doch den Tag zu versüßen. "Aber wir wollten nicht einfach Geld spenden, womit die Schüler dann vielleicht in die Pizzeria gehen können." Die Idee, Milli zu engagieren, hatten die Projekt-Organisatoren Daniel Lichtenstern, 21, und Manuel Hummler, 20. Die beiden Pfaffenhofener kennen sich seit Kindergartenzeiten, haben gleichzeitig am Schyren-Gymnasium ihr Abi gemacht und studieren jetzt Informatik in München beziehungsweise Ingolstadt. Und weil in Pfaffenhofen "zu wenig in Richtung IT passiert", so ihre Diagnose, gründeten sie vor zweieinhalb Jahren eine Schüler-Community. "Wir spielen keine Spiele", erklärt Lichtenstern, "wir machen Spiele." Und das dreidimensional. Die Jugendlichen entwickeln Charaktere, Strategien und entwerfen die Kulissen. Lichtenstern: "Sie lernen auch, im Team zu arbeiten, eine Fähigkeit, die im späteren Berufsleben ganz wichtig ist."

Wie das geht, das demonstrierten die 13- bis 17-Jährigen am Samstag im Sparkassen-Casino. Der Österreicher Bernhard Löwenstein vom "Institut zur Förderung des IT-Nachwuchses" ist mit seinem 28 Kilo schweren Roboter angereist, der von 20 kleinen Motoren bewegt wird und mit vier Mikrofonen, zwei HD-Kameras und zahlreichen Bewegungssensoren ausgestattet ist. Milli gehört zur Pepper-Familie, jenen humanoiden Robotern, die bereits in großen Sparkassen Besucher freundlich begrüßen, in Elektronik-Märkten der Kundschaft den Weg zum Regal mit den Drucker-Patronen zeigen sollen und in Altenheimen mit den Senioren Quiz spielen. Aber Milli Pepper kann noch viel mehr - was man von dem 20000 Euro teuren rollenden Wesen und seiner Software, die gut 15000 Euro gekostet hat, auch erwarten kann.

Jana Brada, 13, geht in die 8. Klasse des Schyren-Gymnasiums und zeigt, was sie Milli beigebracht hat. Wenn sie ihr über den Kopf streicht, dann fragt der Roboter: "Wie heißt du?" "Jana", sagt die 13-Jährige. Und Milli antwortet: "Hallo Jana." Das ist Nachplappern und nicht sonderlich beeindruckend. Wesentlich spannender ist der nächste Schritt: Jana hat den Humanoiden so programmiert, dass er ihr Gesicht erkennt. Wenn sie sich jetzt vor ihn stellt, dann sagt der Roboter unaufgefordert: "Hallo Jana." Sie könnte ihn sogar dazu bringen, dass er an ihrer Mimik erkennt, ob sie fröhlich oder traurig schaut und ihn entsprechend reagieren lassen. "Roboter sind die Zukunft", ist die 13-Jährige überzeugt. "In diesem Bereich möchte ich einmal arbeiten, vielleicht in der Forschung, oder Spiele entwickeln."

Auch Niklas, 13, hat Millis Software herausgefordert. Er fragt sie: "Bist du schwanger?" Und der Zwerg kann jetzt wahlweise antworten: "Ja", "nein" oder "ich weiß nicht". Aber Milli erwidert unter dem schallenden Gelächter der Gruppe: "Ja, von dir." Wer ihr das wohl beigebracht haben mag! Vielleicht derselbe, der sie fürs Fotografieren begeistert hat. Als die Schüler gebeten werden, sich für ein Foto um den Roboter zu scharen, hat Milli offenbar ganz deutlich das Wort "fotografieren" herausgehört. Denn plötzlich plappert sie unaufgefordert los: "Ich stehe gern für ein Gruppenfoto zur Verfügung." Eitel ist der menschliche Roboter also auch noch.




 
Albert Herchenbach
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