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Geglückte Premiere von "Da Brezensalzer" in Scheyern

Fliegende Semmeln im Hinterzimmer

Scheyern
erstellt am 15.10.2017 um 19:24 Uhr
aktualisiert am 19.10.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Scheyern (PK) Ihre Premiere von insgesamt 14 Aufführungen haben die Schauspieler der Scheyrer Bühne am Freitag gefeiert. Diesmal mit einem Stück, das in der Neuzeit spielt, was aber der Komödie keinen Abbruch tut. Die ist inhaltlich stimmig und machte viel Spaß.
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Scheyern: Fliegende Semmeln im Hinterzimmer
Einen Wutausbruch hat Gastwirt Karl (Stefan Koller), den Bäcker Helmut (Sepp Gremminger) kaum bändigen kann. Gefährdet ist Yvonne Gürtler (Sabrina Schmutterer). - Foto: Steininger
Scheyern

Laut Wilfried Kalthoff, zuständig für Licht und Ton beim Scheyerer Theaterverein, waren "zwei Stunden nach Beginn des Vorverkaufs bereits 95 Prozent der Karten verkauft".

Das spricht für die Beliebtheit der Scheyerer Bühne, die mit "Da Brezensalzer" von Ralf Kaspari ihr 27. Theaterstück auf die Bühne bringt. Und das beinhaltet wieder alle bewährten Elemente wie vordergründigen Humor, Irrungen und Verwirrungen, Pointen, Liebeleien und handfeste Auseinandersetzungen. Genau der richtige Stoff also für das engagierte Ensemble, das mit Herzblut eine jede Rolle ausfüllt: Egal, ob es sich um den Bäckermeister Helmut Neuberger (Sepp Gremminger) handelt, um seine Frau Elvira (Irma Schmutterer), dem befreundeten Gastwirtsehepaar Karl Hoffmann (Stefan Koller) und Christa (Marianne Seltmann). Die alle sind rechtschaffene Vertreter ihrer Zunft, haben aber moderne Entwicklungen wie Warenpräsentation oder neue Gastronomietrends verschlafen. Stattdessen bleiben sie in ihrem Fahrwasser, denken an den Fortbestand von Bäckerei und Gasthaus, indem sie ihre miteinander verbandelten Kinder Frank Neuberger (Lukas Euringer) und Gabi Hoffmann (Charlotte Maier) schon als künftiges Ehepaar sehen.

Aber dann läuft alles anders, als gedacht: Die Bäckerei-Auszubildende Susi Obermüller, engagiert gespielt von Miriam Seltmann, ist die Einzige, die sich mit der Computerkasse auskennt und die ist außerdem nicht prüde, was gewisse Vorgänge mit Jungbäcker Frank in einer Toilettenkabine am Rande des Herbstfests anbelangt. Aber auch die mit Frank liierte Gabi mit ihrer betriebswirtschaftlichen Ausbildung sieht deutliche Probleme bei beiden Betrieben und ahnt zunächst nichts von den Eskapaden ihres Freundes Frank.

Überdies tritt mit Dr. Yvonne Gürtler (Sabrina Schmutterer) die Tourismuschefin auf den Plan, die dem Bäcker wie auch dem Gastwirt antiquiertes Geschäftsgebaren vorhält und neue Ideen vorschlägt, vom Stehcafé bis zum dünnen "Carpaccio-Schnitzel".

So kommt die Geschichte nach einem anfangs etwas zähen Beginn immer mehr auf Touren, vor allem, als Wirtin Christa der Elvira steckt, dass ihr Sohn mit der Azubi-Susi ein Techtelmechtel hat. Die Christa aber ist schwer von Begriff, wie man das "unter einer Decke stecken" zu verstehen hat, bis ihr ein Licht aufgeht und sie der Susi fristlos kündigt. Die aber hat noch Streit mit ihrer Rivalin Gabi, die bezweifelt, dass der Franz der kessen Susi gegenüber die Hosen anhat. Das bestätigt die Susi dann prompt: "Na, hod er ned, weil bei mir ziagt er sie freiwillig aus". Die Susi aber hat in der Hinterhand Haus- und Grundbesitz, an dem der Eventmanager Bernd Wagner (Sebastian Seuferling) interessiert ist. Der macht ihr ein Angebot, das sie nicht ausschlagen kann. So wird die Szenerie immer turbulenter: Der Bäckermeister Helmut wird immer wieder mit einer kaputten Toilettentüre konfrontiert, da fliegen Semmeln durch das Hinterzimmer der Bäckerei und jede Menge Mehl ist im Spiel, bis man sich von alten Zöpfen trennt und die Liebe neue Wege geht.

Wieder einmal eine typische Aufführung der Scheyrer Bühne, mit einem stimmigen Bühnenbild bis ins Detail und Kostümen wie von der Bäckerinnung. Und mit Paraderollen für Irma Schmutterer, Marianne Seltmann und natürlich für "Brezensalzer" Sepp Gremminger, ohne die Leistung der anderen Darsteller schmälern zu wollen. Sie alle nämlich haben den großen Beifall am Ende der Vorstellung mehr als verdient.

Von Hans Steininger
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