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Scheyerer Bühne feiert mit einer turbulenten Gaunerkomödie Premiere

Bankraub auf dem Campingplatz

Scheyern
erstellt am 18.10.2015 um 18:38 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 22:17 Uhr | x gelesen
Scheyern (PK) Das turbulente Geschehen auf einem Campingplatz steht im Mittelpunkt der Komödie „Warum krampfet ma ned de ganze Bank“? Die vielen Fans der Scheyerer Bühne erlebten bei der Premiere einen vergnüglichen Abend vor ausverkauftem Haus.
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Scheyern: Bankraub auf dem Campingplatz
Wohin mit der Bankangestellten? Charlotte Maier in ihrer „getragenen“ Rolle beim neuen Stück der Scheyerer Bühne - Foto: Steininger
Scheyern

Das aber ist ein ganz normaler Zustand in Scheyern, denn wer die Bühne und ihr Ensemble kennt, weiß, was ihn erwartet: Komödienspaß pur mit Laienschauspielern, die als solche kaum zu erkennen sind, so glaubwürdig agieren sie auf der Bühne. Letztere glänzt wieder einmal mit einem Bühnenbild, das professioneller nicht geht. Da blickt man vom Zuschauerraum aus auf drei Campingwagen, zwischen denen sich alles abspielt. Sie sind mit Liebe zum Detail ausgestattet wie das ganze Ambiente auch. Auf dem Dach die unvermeidliche Satellitenschüssel, da ein Kugelgrill, hier ein Sonnenschirm, dort ein Wäscheständer mit Badehosen und Bikinioberteil samt Wäscheglubberl. Mittendrin eine Sitzgruppe aus Campingmöbeln auf Kunstrasen. Vielleicht genau so wie im letzten Campingurlaub von Sepp Gremminger, der wieder einmal ein tolles Bühnenbild gezaubert hat.

Und mittendrin drei Ehepaare, die zum Verdruss der Ehefrauen seit Jahren Campingurlaub machen. Luise (Birgit Streibich), Sabine (Irmgard Schmutterer) und Anita (Marianne Seltmann) heißen sie. Und sie und wollen dem Campingalltag mal entweichen. Da wird erst mal aufgehübscht für ein Frühstück im Seecafé: „In dem Kleid kimmt dei Vorbau so richtig zur Geltung, Luise“, sagt Anita. „Des macht mei neuer BH, der Air-Push: Was die Natur nach unten zieht, der Air-Push dann nach oben schiebt“ erwidert Luise. Das Männertrio dagegen greift zu den nächstliegenden Klamotten ohne Rücksicht auf etwaige Farbharmonien.

Die Männer aber, wie im richtigen Leben auch, halten sich für die Krone der Schöpfung, bis sie erfahren, dass sie plötzlich pleite sind. Ihr ganzes Geld haben sie nämlich in Aktien angelegt, und die sind einem Börsencrash zum Opfer gefallen. Das gefällt den Frauen gar nicht – und so verlassen sie ihre Männer, „bis das Geld wieder da ist“. Da ist guter Rat teuer, aber als die Hausbank ihre Geschäftsräume vorübergehend in einen Wohnwagen verlegt, kommt dem Zahnarzt Markus (Gerhard Euringer) eine grandiose Idee, bei der Lachgas und ein Campingwagen eine große Rolle spielen. Kammersänger Waldemar (Sepp Gremminger) und Eheberater Dieter (Johann Euringer), beide keine ausgesprochenen Leuchten ihres Berufs, machen mit, mangels besserer Ideen.

Das Geschehen wird umso verwirrender, als auch noch andere Protagonisten die Bühne betreten: Christian (Lukas Euringer), der Sohn von Markus und Luise, bringt seine Freundin Marion (Charlotte Maier) ins Spiel, die als Bankangestellte im Laufe des zweiten und dritten Akts eine „getragene“ und zeitweise „in sich ruhende“ Rolle spielt. Nicht zuletzt aber Publikumsliebling Emma Bucher als „Lydia, die Ratschkathl vom Campingplatz“, der aus dramaturgischen Gründen eine Menge Text versagt wird.

Wie nicht anders zu erwarten, nimmt die Gaunerkomödie ein gutes Ende und alle Probleme lösen sich auf in eitel Sonnenschein. Was das Stück an sich anbelangt, darf man durchaus geteilter Meinung sein. Es ist austauschbar, funktioniert wohl in jedem Dialekt und an jedem Ort. Sicher hat der Regisseur und Erste Vorsitzende des Scheyerer Theatervereins, Siegfried Einödshofer, mit seiner Umsetzung ins bayerische Idiom gute Arbeit geleistet, aber lokaltypische Inhalte bayerischen Volkstheaters blieben zwangsläufig auf der Strecke. Trotzdem aber kam das Publikum voll auf seine Kosten, zumindest lässt der große Applaus am Ende darauf schließen. Den wird es noch häufig geben, denn dem Ensemble stehen noch zwölf weitere Aufführungen inklusive einer Zusatzvorstellung am 6. November bevor, Eintrittskarten sind aufgrund des großen Vorverkaufs allerdings Mangelware.

Von Hans Steininger
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