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Achtung: Die Sommerfrischler kommen

Scheyern
erstellt am 12.10.2010 um 18:55 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 21:22 Uhr | x gelesen
Scheyern (eg) Heuer hatten sich die Mitglieder des Theatervereins Scheyerer Bühne für ihre Aufführung das Stück "Altaich" von Reiner Wagner, verfasst nach einer Erzählung von Ludwig Thoma, ausgesucht. Und sie hatten damit einen guten Griff getan.
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Scheyern: Achtung: Die Sommerfrischler kommen
 
Scheyern
Die Rollen passten für die Schauspieler und der Inhalt des Stückes passte für die Zuschauer, wie der Beifall am Ende bewies. Übrigens gibt es auch nur noch wenige Restkarten für die folgenden Vorstellungen; ein paar mehr sind lediglich noch für die Aufführung am Sonntagnachmittag vorhanden.
 

Der Inhalt des Stücks bezieht sich auf die Situation eines kleinen Dorfes in Oberbayern im Jahr 1904, als die ersten Bestrebungen erfolgen, den Fremdenverkehr anzukurbeln. Das passt einigen nicht, vor allem denen, die damit Arbeit haben könnten: dem Knecht Martl des Posthalters und Wirts, der lieber Brotzeit macht und schnupft, als sich anzustrengen, sogar dem Wirt selber, der nicht glaubt, dass sich bei ihm Gäste einfinden werden, und der Bedienung Resi, die lieber einen Mann als Arbeit hätte.

Umso größer ist die Überraschung als die Initiative des örtlichen Verkehrsvereinsvorsitzenden Karl Natterer Erfolg zeitigt und die ersten Gäste eintreffen: der Oberinspektor Josef Dierl aus München und die "Preußenfamilie" Schnaase mit ihrer attraktiven Tochter, zumindest in den Augen des Gemeinderats Xaver.

Vor allem Martl beschließt, alles zu tun, um den Gästen den Aufenthalt zu verleiden, damit sie ja nicht wiederkommen. So bietet er dem Oberinspektor das wildeste Pferd zum Reiten an, nimmt Gustav Schnaase auf einen Wolpertingerjagd mit, weil dieser aus den "Hörndln des Türes", wie Martl sagt, ein Potenzmittel herstellen kann; außerdem weigert er sich beharrlich, die Dienstmannmütze aufzusetzen oder den Badeanzug als Bademeister in den angeblichen Heilbädern von Altaich sich anmessen zu lassen. Aber plötzlich ändert sich sein Verhalten. Warum? Man erfährts im Theater.

Den skeptischen Wirt und Posthalter Michael Blenninger spielt Stefan Koller überzeugend, ein Genuss ist wie immer Siegfried Einödshofer als Martl Fasinger. Die Rolle der zwideren Bedienung Resi scheint Marianne Seltmann auf den Leib geschrieben, vornehm gegen alle Widerstände ist Karl Natterer, der Vorsitzende des Verkehrsvereins. Ein von sich überzeugter Gemeinderat Xaver Schwarzenbeck – "Des muaß i als Gemeinderat doch wissen!" – ist Gerhard Euringer, ein geschäftstüchtiger Schneider Adam Pilartz wird von Marcel Poppe dargestellt.

Ein Genuss ist die Preußenfamilie: Gustav Schnaase, gespielt von Reinhard Karst, der zuerst den großen Herrn spielt, aber dann auf Martls Tricks hereinfällt, seine exaltierte Gattin Karline, die Doris Kalthoff überzeugend darbiet, und Karen Mursch als die Tochter Stine, die die Liebe zu einem "Ureinwohner" kennenlernt. Perfekt klappten auch die Technik und die Bewirtung, alles von Mitgliedern des Theatervereins selbst gemacht.

Der große Beifall am Ende war verdient und zeigte noch einmal, dass es wieder einmal allen gefallen hat.

Von Erich Gruber
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