Mittwoch, 17. Oktober 2018
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Sieben Jahre sind bald vorbei - Die Schäffler im Landkreis beginnen mit dem Training für 2019

Tanz unterm Kranz

Pfaffenhofen
erstellt am 10.08.2018 um 15:52 Uhr
aktualisiert am 15.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Bis die Schäffler im Landkreis Pfaffenhofen im Januar 2019 in die Saison starten, muss der Schlangentanz sitzen. Genau wie die Laube und die große Krone. Etliche Figuren und Schritte müssen von den Tänzern einstudiert werden. Schön langsam beginnt bei den Gruppen in Pfaffenhofen, Geisenfeld und Eschelbach das Training. Seit den letzten Auftritten sind schon wieder fast sieben Jahre vergangen.
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Genügend Tänzer, genügend Buchs, genügend Requisiten:  Die drei Schäfflertanzgruppen aus dem Landkreis Pfaffenhofen stecken mitten in den Vorbereitungen auf die Saison 2019. Hier die Pfaffenhofener Gruppe.
Genügend Tänzer, genügend Buchs, genügend Requisiten: Die drei Schäfflertanzgruppen aus dem Landkreis Pfaffenhofen stecken mitten in den Vorbereitungen auf die Saison 2019. Hier die Pfaffenhofener Gruppe.
Foto: Straßer
Pfaffenhofen
Bis sich die Tänzer in ihre roten Jacken und weißen Hemden schmeißen, die schwarze Fliege binden, die Kniebundhose anziehen und zum ersten Mal in der neuen Saison zum Tanz aufmarschieren, müssen vor allem die Neulinge noch viel Zeit ins Training investieren. Denn nicht jedem jungen Mann liegt der Rhythmus im Blut. Schon im Gleichschritt im Takt der Musik zu gehen ist für einige gar nicht so einfach. Aber, wie sagt Andreas Haid, Vorsitzender des Eschelbacher Schäfflervereins: "Es hat noch immer hingehauen." Der Legende nach wurde der Zunfttanz der Fassmacher in München erstmals 1517 während einer Pestepidemie aufgeführt, um die Leute zu beruhigen und das öffentliche Leben wieder in Gang zu bringen. Der Schäfflertanz ist heute in vielen Orten im altbayerischen Raum üblich. Hier ein Überblick über die Tanzgruppen im Landkreis.
 

PFAFFENHOFEN

Seine Mannschaft für die 14. Saison der Gruppe des MTV Pfaffenhofen hat Schäffler-Chef Heinz Thalmeir zusammen. Sie besteht aus dem Gesamtleiter, dem Trainer, zwei Direktoren, den beiden Vortänzern, dem Standartenträger, den beiden Reifenschwingern, dem Kreuzträger und zwei Fassschlägern, den zwanzig Tänzern und etwa zehn Kasperln. Ob alle dabei bleiben, ist aber noch nicht klar. "Dass es ein hartes Brot ist, merken sie erst beim Training", sagt Thalmeir, der selbst wieder als einer der Direktoren auftreten wird. Los geht das Training am ersten Montag nach dem Pfaffenhofener Volksfest unter der Leitung von Dieter Sommer. "Die Jungen werden beim ersten Training an der Hand genommen und dann wird erstmal der Schritt geübt." Während bei den beiden anderen Schäfflergruppen im Landkreis nur unverheiratete Männer unter 30 Jahren in Eschelbach beziehungsweise 25 Jahren in Geisenfeld mitmachen dürfen, haben die Pfaffenhofener da eine liberalere Politik. Dadurch sind viele Routiniers dabei. Zehn Neue gehen ihre ersten Schäfflerschritte. "Die bunte Mischung ist unsere Stärke", sagt Thalmeir. Und die Familien, die Frauen und Freundinnen der Pfaffenhofener Schäffler machen es den Tänzern sogar leichter. "In der Zeit bist du froh, wenn dir jemand deine Schuhe putzt und dein Hemd bügelt."

Die Eschelbacher Schäffler vor sieben Jahren.
Die Eschelbacher Schäffler vor sieben Jahren.
Foto: Trouboukis
Pfaffenhofen
Der erste Auftritt findet am 6. Januar um 14 Uhr vor dem Pfaffenhofener Rathaus statt, bis zum Schlusstantz am Faschingsdienstag vor dem Salverbräu, der den Schäfflern als Basislager dient, werden die Schäffler etwa 200-mal aufgetreten sein. Die Höchstmarke liegt bei 219 Tänzen. Die Musik macht wieder die Pfaffenhofener Stadtkapelle.

Den Schäfflern eilt ja der Ruf voraus, zu keinem Bier und keinem Schnapserl Nein zu sagen. "Aber bei uns ist die Sauferei kein Problem mehr. Die Mischung aus Jung und Alt gibt das nicht mehr her", sagt Thalmeir. So ein Tag mit bis zu 14 Tänzen ist nämlich auch so anstrengend genug. "Jeder will gut über den Tag kommen. Und Gruppenzwang gibt es bei uns sowieso keinen."
 

GEISENFELD

Auch in Geisenfeld wird wieder getanzt.
Auch in Geisenfeld wird wieder getanzt.
Foto: Hollweck
Pfaffenhofen
Bei der Geisenfelder Gruppe ist das "Schäffler-Casting" Ende Juli erfolgreich verlaufen. Mit 30 Tänzern und zwei Marketenderinnen hat Hauptleiter Georg Dellermann seine Gruppe besetzt. Ledig und jung müssen sie sein. "Nicht kurz vor der Rente", sagt Dellermann. Nur die zwei Arrangeure sind erfahrene Schäffler, der Rest macht zum ersten Mal mit. Die Proben unter Federführung von Tanzleiter Josef Hartl beginnen am 26. September, dem Samstag nach dem Geisenfelder Volksfest.

Zentrales Utensil der zukünftigen Schäfflertänzer sind die Kränze aus Buchs. Zwischnezeitlich hatten die Geisenfelder Angst, wegen der Buchsbaumzünslerplage nicht genug Material gespendet zu bekommen. Aber mittlerweile können die Schäffler hier Entwarnung geben. "Mit dem Buchs schaut's sehr gut aus", sagt Dellermann. Aus dem ganzen Landkreis haben sich Spender gemeldet.

Unterwegs sind die die Geisenfelder Schäffler in ihrer Heimatstadt und der näheren Umgebung, los geht es ebenfalls am Dreikönigstag. Anders als bei den Pfaffenhofenern endet die Saison in Geisenfeld schon am Rosenmontag mit dem Schlusstanz vor dem Rathaus.
 

ESCHELBACH

Die kleinste der drei Schäfflergruppen im Landkreis Pfaffenhofen ist die Eschelbacher. Sie besteht aus Tänzern, Reifenschwinger, Fahnenträger, Kreuzträger und einigen Kasperln. "Unsere Truppe besteht aus 26 jungen Burschen im Alter von 16 bis 29 Jahren, alle unverheiratet und aus Eschelbach stammend oder aufgewachsen", sagt der Vereinsvorsitzende Andreas Haid. Nur ein paar der Schäffler haben schon Erfahrung, unter anderem Haid selbst. "Mit dem Üben werden wir nach dem Hopfenzupfen beginnen", sagt er. Ab dann werden zweimal pro Woche Schritte und Figuren einstudiert. "Vor allem die Jungen sind schon recht wild darauf, dass es losgeht", sagt Haid. "Wir Älteren wissen ja schon, was uns erwartet." Trainiert wird zunächst das Marschieren im Gleichschritt - und selbst das fällt nicht jedem der Frischlinge leicht. "Es gibt schon immer einen oder zwei, die ein bisschen herausstechen", sagt Haid. "Aber ich denke schon, dass es hinhaut."

Auch der Eschelbacher Schäfflertanz hat eine lange Tradition. Seit 1928 findet er mit Ausnahme 1942 und 1949 alle sieben Jahre statt, die meisten Auftritte haben die Eschelbacher in den Gemeinden Wolnzach und Rohrbach. Und auch die Vorbereitungen ihrer Requisiten laufen. "Die Haselnussstecken haben wir schon im Juni gebogen. Im Herbst wird dann der Buchs geschnitten", sagt Haid.
Severin Straßer
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