Donnerstag, 17. Januar 2019
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Speedway auf Eis begeistert mit packenden Rennen, viel Abwechslung und einer großartigen Show

Pfeifen, tröten, johlen, jubeln

Pfaffenhofen
erstellt am 06.01.2019 um 14:50 Uhr
aktualisiert am 10.01.2019 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Mehr geht nicht. "Das war eine sausaugeile Stimmung", hat Speedway-Fahrer Richi Geyer nach drei Stunden die Atmosphäre im Eisstadion beschrieben. Begeisterte Zuschauer im rappelvollen Pfaffenhofener Eisstadion hatten zuvor ein atemberaubendes und auch ziemlich lautes Spektakel miterlebt.
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Atemberaubende Bilder: Die Speedway-Fahrer drifteten spektakulär durch das Pfaffenhofener Eisstadion. Ein absoluter Hingucker war das Rennen der Quads.
Atemberaubende Bilder: Die Speedway-Fahrer drifteten spektakulär durch das Pfaffenhofener Eisstadion. Ein absoluter Hingucker war das Rennen der Quads.
Ivana Cesarec
Pfaffenhofen
Dem MSC Pfaffenhofen war es gelungen, das "Drift in Ice" um den Protec-Cup an die Ilm zu holen. Organisator Ronny Weis von den "Eisdrifters Meißen" trat nicht nur mit seinem Team an. Im Gepäck hatte er auch internationale Top-Stars wie Jim Terchila aus den USA. Eine kürzere Anreise hatte Martin Smolinski, amtierender Weltmeister auf der Langbahn; er kam aus Olching.

Fotostrecke: Drift-on-Ice - Eis-Speedway in Pfaffenhofen


 
Stolle, Cesarec
Pfaffenhofen



Wer sich auskannte, war mit Wollmütze und Handschuhen in die Halle gekommen, die nur spärlich beleuchtet war, damit die Fahrer bei der Vorstellung effektvoll ins Licht gerückt werden konnten: Als sie mit aufheulenden Motoren von ihren Boxen ins Eis-Oval einfuhren, wurden sie auf der Rampe in der Mitte martialisch von Flammenstößen begrüßt.
 
Stolle, Cesarec
Pfaffenhofen



In drei Klassen traten 18 Fahrer an. Neun Biker auf ihren 500-Kubik-Maschinen, vier auf Quads, den vierrädrigen Kraftpaketen, und fünf in der Juniorenklassen auf kleinen 50-Kubik-Maschinen, die allerdings auch schon 70, 80 Sachen machen - gesteuert von Knirpsen, die zum Teil noch in die Grundschule gehen. Wie etwa der neunjährige Valentino Scheibe aus Meißen. Vor anderthalb Jahren, verrät sein Vater, habe der Kleine die Lust am heißen Ofen entdeckt. Valentinos Gesicht ist unter seinem fast schulterbreiten Helm und dem blitzenden Visier nur zu erahnen. Unter seinem Dress mit der Nummer 49 schützen ihn Protektoren an Unterschenkeln, Knien, Armen und Schultern vor Verletzungen. Und damit er in den Pausen bis zum nächsten Rennen nicht friert, ist sein Klappsessel mit Lammfell ausgepolstert. Frieren darf allerdings auch nicht sein KTM-Flitzer, den Papa aufbockt und Motor und Vergaser mit einem Wolltuch abdeckt. Ob Valentinos Mama die Begeisterung ihrer Männer teilt? Ihr Mann schaut sie an, dann sagt er: "Na ja."
 
Stolle, Cesarec
Pfaffenhofen



Die Begeisterung fürs Hobby ihres Mannes ist bei Diana Hahnke deutlich größer. Matthias, 44, fährt seit zehn Jahren Quad, war dreimal Deutscher Meister und viermal Vizemeister. "Meine Frau", sagt er, "ist immer dabei." Sie steht an der Bahn und schaut zu, wie Ronny Weis mit der Startnummer zwei unter dem Johlen des Publikums mit erhobener Siegerfaust seine Ehrenrunde dreht und am Kopfende der Bahn mit seiner Maschine für Publikum Pirouetten dreht. Die 800 Spikes in seinen Reifen tauchen die 85-PS-Maschine in einen sprühenden Eisnebel. Das Publikum jubelt, pfeift, und wer eine Fanfare mitgebracht hat, zeigt, was seine Lungen hergeben.
 
Stolle, Cesarec
Pfaffenhofen



Esther, gerade mal sechs Jahre alt, durfte sich eine Tröte kaufen. Ihr drei Jahre älterer Bruder Hendrik kennt offenbar seine Schwester ziemlich gut: "Als sie sich die Hupe gekauft hat, hab ich mir Ohrenschützer geholt." Gibt's auch am Stand, kosten doppelt so viel, aber das ist es Hendrik wert. Denn Esther gibt sich alle Mühe, die Schalldichte herauszufordern.
 
Stolle, Cesarec
Pfaffenhofen



Die Teams liefern sich in vier Vorlauf- und fünf Final-Runden halsbrecherische Rennen. In der Quad-Klasse starten alle vier Teilnehmer gleichzeitig, ihre Maschinen stehen an der Startlinie dicht an dicht auf - und bleiben auch auf den gut 100 Meter langen Runden eng beisammen.

Auch die Speedway-Fahrer starten zu viert. Die Fahrer haben keine Chance, sich dem Vorwurf auszusetzen, wer bremse, habe Angst. Ihre Maschinen sind die einzigen motorisierten Zweiräder, die keine Bremse haben. Deshalb kommt es auf das Geschick an, die Maschinen sturzfrei um die Runden zu bringen. Sie starten gegen den Uhrzeigersinn, die Speedways gehen in 45-Grad-Neigung in die Kurve, der linke Fuß gleitet permanent übers Eis, während die Fahrer gegenlenken. Der Motorenlärm ist ohrenbetäubend.

Sebastian, 25, aus Heißmanning hat sich eine rote-weiße Mütze mit Speedway-Schriftzug aufgesetzt und ist fasziniert: "Eine tolle Atmosphäre!" Er fährt selbst KTM, allerdings nicht auf dem Eis, sondern auf Feldwegen in der Umgebung. Eine Wollmütze hat sich auch der Sportgremiums-Vorsitzende Martin Rohrmann übergezogen. Für die Stimmung in der Halle findet er nur ein Wort: "Gigantisch."

In der Pause heizt der Moderator dem Publikum ein. Das reißt die Fäuste hoch, pfeift, trötet, johlt und jubelt den Pokalträgern zu. Die sitzen jetzt, zweieinhalb Stunden später, an der Stirnseite des Stadion-Restaurants und sind begeistert: "Great atmosphere", strahlt der Finne Tero Aanio. Ronny Weis zollt den Quad-Fahrer höchstes Lob: "Die haben gekämpft mit dem Messer zwischen den Zähnen." Bestnoten hat er auch für die Männer vom MSC und ECP. "Es war perfekt! Ihr habt einen tollen Job gemacht."
Albert Herchenbach
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