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Um 16.10 Uhr fiel das letzte Mauerstück

Pfaffenhofen
erstellt am 15.04.2010 um 19:07 Uhr
aktualisiert am 09.02.2017 um 13:01 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Die letzte Mauer ist gefallen: Um 16.10 Uhr setzte gestern Nachmittag Baggerführer Andre Muth zum letzten Mal die große Schaufel an, riss das noch verbliebene Mauerstück der Siglbräu-Fassade ein und markierte damit das Ende eines Kapitels Pfaffenhofener Häusergeschichte.
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Nach ihrer Mittagspause nahmen sich die Arbeiter der Abbruchfirma die Fassade und den letzten Mauerrest entlang der Ingolstädter Straße vor. Bereits in den Tagen zuvor hatten sie die Gebäude auf dem ehemaligen Franzbräu-Areal und das Bräustüberl abgerissen. Auch den "Schlussakt" verfolgte noch einmal eine ganze Reihe von Schaulustigen.
Pfaffenhofen: Um 16.10 Uhr fiel das letzte Mauerstück
Der ehemalige Eingang zum Siglbräu war das letzte Mauerstück, das der Bagger einriss. - Foto: W. Hailer
Pfaffenhofen

In den Kommentaren vor Ort schwang bei so manchem alten Pfaffenhofener etwas Wehmut mit. Letztlich aber überwog deutlich die Freude, dass nun der Weg frei ist, um das lange brach liegende Areal, das alles andere als ein Aushängeschild für die Kreisstadt war, einer attraktiven Nutzung zuzuführen. So sieht es auch 73-jährige Alfred Zeitler, obwohl er selbst früher gerne Gast beim Siglbräu und beim Franzbräu war: "Die Gebäude sind lange genug leer gestanden. Es ist Zeit geworden, dass etwas Neues herkommt."

Der alte Siglbräu und die anderen Gebäude auf dem Areal zwischen Hauptplatz und Löwenstraße entlang der Ingolstädter Straße mussten dem Neubau eines modernen Geschäfts- und Bürohauses durch Hans Baierl, Chef von Trend Immobilien, weichen. Im Erdgeschoss wird der Bekleidungsriese C & A auf einer Verkaufsfläche von knapp 1300 Quadratmetern einziehen, im gesamten ersten und zweiten Obergeschoss sowie auch noch in Teilen des Dachgeschosses kauft sich die Stadt für sechs Millionen Euro ein.

Fotostrecke: Abbruch Siglbräu
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Bereits im ersten Quartal 2011 soll der neue Gebäudekomplex bezugsfertig sein und an die künftigen Nutzer übergeben werden – vorausgesetzt "dass bei den Grabungen nichts Unvorhergesehenes passiert und dass es mit dem Untergrund keine Probleme gibt", wie Bauherr Hans Baierl betont. Sobald alle Überreste der alten Gebäude beseitigt sind und das Gelände eingeebnet ist, sollen die Ausgrabungen in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege beginnen. Laut Hans Baierl werden sich diese auf den Bereich beschränken, der unterkellert wird – alles in allem etwa ein Viertel der Gesamtfläche im mittleren Bereich des Areals von der Ingolstädter Straße aus gesehen. Der Gewölbekeller unter dem ehemaligen Siglbräu werde nach Absprache mit den Denkmalschützern verdichtet.

Den einen oder anderen bangen Blick richtete der unmittelbare Hausnachbar und CSU-Stadtrat Hans Bergmeister auf die Abbrucharbeiten. Allerdings nicht, weil es ihm so leid um den Siglbräu tat: "Ich bin froh, das etwas vorwärts geht, und gehöre nicht zu denen, die der Nostalgie verfallen", so Bergmeister. Er warf vielmehr ein Auge auf das Familienanwesen. Wirklich Angst um das historische Bäckereigebäude mit einer der schönsten alten Fassaden am Hauptplatz habe er aber nicht gehabt, verriet er gegenüber dem Pfaffenhofener Kurier. Und auch seine Mitarbeiter habe er nicht vorsorglich evakuieren müssen, meinte er scherzhaft. Im Vorfeld der Arbeiten sei alles mit dem Statiker und der Abbruchfirma abgesprochen worden – und deren Vertreter hätten einen sehr kompetenten Eindruck gemacht.

Diesen Eindruck konnte Bürgermeister Thomas Herker – gestern Nachmittag ebenfalls für kurze Zeit Augenzeuge – nur bestätigen. Der Abbruchfirma gebühre ein "großes Kompliment", weil sie mit geringstmöglichen Behinderungen und vergleichsweise "wenig Dreck" alles über die Bühne gebracht habe. Der Rathauschef erlebte das Ende des Siglbräus "mit einem lachenden und einem weinenden Auge" mit. Einerseits stimmte ihn der Abriss als bekennenden ehemaligen Besucher der Pfaffenhofener Kultmusikkneipe ein wenig traurig, andererseits freue er sich als Stadtoberhaupt aber auf ein "attraktives Einzelhandelsgeschäft" im Zentrum.

Von Manfred Hailer
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