Donnerstag, 15. November 2018
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Kammerorchester, Chor a-cappella-nova und Solisten begeistern beim Neujahrskonzert

Wunderbar feierlicher Jahresauftakt

Pfaffenhofen
erstellt am 02.01.2018 um 19:57 Uhr
aktualisiert am 06.01.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Beinahe 300 Jahre alt ist Johann Sebastian Bachs "Magnificat" BWV 243, sein einziges oratorisches Werk für fünfstimmige gemischte Chöre - und es hat dank ungeheurer Intensität und Dichte nichts von seiner Faszination verloren. Mit der glänzenden Festmusik in der Trompetentonart D-Dur, somit Bachs späterer, zweiter Fassung des ursprünglich in Es-Dur komponierten Magnificat, haben das Kammerorchester St.
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Pfaffenhofen: Wunderbar feierlicher Jahresauftakt
Ergreifend das Duett "Et misericordia" Ulrike Malotta und Tenor Bernhard Schneider.
Pfaffenhofen

Johannes und der Pfaffenhofener Kammerchor beim Neujahrskonzert unter Leitung von Beatrice-Maria Weinberger in der Stadtpfarrkirche St. Johannes Baptist begeistert.

Das Werk lebt von kurzen, aber prägnanten Chorsätzen, in denen sich Jubel und Gottes Lob in einem Rausch der Freude regelrecht Bahn brechen. Den eindrucksvollen Kontrast dazu bilden die Soli. Da ist zunächst die freudige, im bewegten 3/8-Takt stehende Mezzosopran-Arie "Et exsultavit spiritus meus", der die sanfte, demütige Sopranarie "Quia respexit humilitatem" folgt, deren Melodiestimme Sopranistin Krenare Gashi von der zunächst anstimmenden Oboe übernimmt - klar, stimmgewaltig und mit beeindruckender Leichtigkeit. Lebhaft, ja fast schon stürmisch antwortet der Chor darauf mit "Omnes generationes" und bestätigt auf furiose Weise die Seligpreisung.

Nur von wenigen Instrumenten begleitet kommt die klangschöne Bassstimme von Nikolai Ardey in seiner Arie "Quia fecit mihi magna" besonders gut zur Geltung. In drastischer Tonsymbolik und angenehm warmem Timbre verdeutlicht Tenor Bernhard Schneider in seiner Arie "Deposuit potentes" die Erniedrigung der Mächtigen und Erhöhung der einfachen Leute.

"Es zahlt sich aus, dass wir fünf Solisten haben", kündigte Florian Erdle vom Kammerchor a-cappella-nova zu Beginn an, dass es einen Wechsel geben würde. Da Altistin Carolin Cervino stimmlich indisponiert sei, werde sie nur das Terzetto mitsingen, während alle anderen Alt-Partien von der tieferen Sopranstimme übernommen würden. Die junge Sängerin Ulrike Malotta erweist sich mit ihrer samtigen Stimme als ausgezeichneter Ersatz. Ergreifend ihr Duett "Et misericordia" mit dem Tenor, ruhig fließend das Terzetto der drei weiblichen Stimmen, ehe der Chor noch einmal mit "Sicut locutus est" und "Gloria Patri" auftrumpft, das noch einmal das Thema des Anfangschores aufgreift und so das Werk wunderbar abrundet.

Einen absolut genialen Höhe- und Kontrastpunkt hat Schlagzeuger Michael Leopold, Mitglied der Münchner Philharmoniker, mit "Rebonds b" - zu Deutsch: Rückpraller - gesetzt. Dabei beginnt die Komposition von Iannis Xenakis eher unspektakulär, beinahe gelangweilt bespielt der junge Mann seine Drums. Nichts lässt erahnen, zu welchem Feuerwerk er sich von Takt zu Takt steigern wird. Faszinierend wie er die Schlegel tanzen lässt, interessant die Passagen auf dem Tempelblock mit seinem vollen, hölzernen, in der Tonhöhe ansteigenden Klang. Ein besonderes Klangerlebnis, das sich, obwohl rund 250 Jahre jünger als Bachs Barockwerke, erstaunlich gut ins Programm einfügt.

Zum Auftakt haben Solisten, Chor und Orchester die Bach-Kantate "Lobe den Herren", BWV 137 zu Gehör gebracht. In weiten Teilen wirkt das bekannte Kirchenlied ungewohnt fremd, das erwartete Choralthema ist meist nur im Hintergrund, mal getragen von Trompete oder Violine, mal in den Singstimmen erkennbar, nur im abschließenden Choral kommt es zu voller Geltung.

Ein wunderbar feierlicher Jahresauftakt mit großer Musik, einem klanggewaltigen Chor, ausgezeichneten Solisten und einem versierten Orchester, das absolut harmonisch und bestens abgestimmt mit den Sängern agiert. Beatrice-Maria Weinberger dirigiert mit großer Verve und vollem Körpereinsatz und hat ihr Ensemble jederzeit voll im Griff. Langanhaltender Applaus belohnt die gut einstündige Darbietung.

Von Andrea Hammerl
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