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Am ersten Adventwochenende startet die Spendenaktion Vorweihnacht der guten Herzen

120 Mal schnelle Hilfe für Menschen in Not

Pfaffenhofen
erstellt am 01.12.2017 um 19:34 Uhr
aktualisiert am 15.12.2017 um 18:07 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (wha) Damit Landkreisbürgern, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, schnell geholfen werden kann, bittet unsere Zeitung bei der Vorweihnacht der guten Herzen wieder um Spenden für den Verein Familien in Not. Der Verein leistet schon seit 1990 da Hilfe, wo das soziale Netz reißt.
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Pfaffenhofen: 120 Mal schnelle Hilfe für Menschen in Not
Die guten Herzen schlagen wieder. Am ersten Adventswochenende startet die Vorweihnachts-Spendenaktion des Pfaffenhofener Kurier zugunsten des Vereins Familien in Not. - Foto: W. Hailer
Pfaffenhofen

Die Wirtschaft brummt, die Steuereinnahmen sprudeln und die Arbeitslosigkeit ist auf dem niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Alles bestens, könnte man meinen, besonders in der Boomregion München-Ingolstadt, die bei allen wirtschaftlichen Kennzahlen regelmäßig mit Spitzenergebnissen glänzt. Wie schnell aber auch hier Menschen aus einer scheinbar heilen Welt in existenzielle Krisen rutschen können, zeigt ein Blick in die Arbeit des Vereins Familien in Not Pfaffenhofen. In 120 Fällen musste der gemeinnützige Verein im laufenden Jahr Menschen mit akuten finanziellen Problemen mit Zuschüssen und zinslosen Darlehen unterstützen.

"In der großen Masse der Menschen, denen es in unserer Region sehr gut geht, übersieht man oft diejenigen, die vom wirtschaftlichen Aufschwung nicht profitieren und in ärmlichen Verhältnissen leben", sagt Willy Hailer, 1. Vorsitzender von Familien in Not. "Nicht jeder hat einen gut bezahlten und sicheren Job. Viele müssen mit Niedriglöhnen über die Runden kommen und die reichen kaum aus, um die stark gestiegenen Mieten, Strom, Heizkosten und den laufenden Lebensunterhalt zu bestreiten. Da bleibt nichts übrig, um Rücklagen für unvorhergesehene Ausgaben zu bilden", so Hailer. Die Reparatur des Autos, das der Familienvater oder die alleinerziehende Mutter zur Fahrt in die Arbeit brauchen, aber auch hohe Nachzahlungen für Heizung und Nebenkosten könnten schnell zum Riesenproblem werden. Ohne Auto ist der Job in Gefahr, wird die Miete nicht bezahlt, droht der Verlust der Wohnung. "Das sind klassische Fälle, in denen wir helfen, akute Engpässe zu überbrücken und einen sozialen Absturz zu verhindern", so Hailer.

Oftmals sind es alleinstehende junge Mütter, die vom Partner ohne Unterhaltszahlungen, im schlimmsten Fall auch noch mit offenen Rechnungen für Strom, Miete und andere Kosten, im Stich gelassen werden und die sich dann Hilfe suchend an Familien in Not wenden. Bis staatliche Hilfen vom Jobcenter oder andere Sozialleistungen ausbezahlt werden, vergeht meist einige Zeit. Hier kann der Verein kurzfristig Überbrückungshilfen für den laufenden Lebensunterhalt leisten.

Während die Mehrzahl der Probleme schon mit kleineren drei- oder vierstelligen Beträgen schnell gelöst werden konnten, musste der Verein im Jahr 2017 bei einigen Hilfsfällen aber auch fünfstellige Zuschüsse bereitstellen, zum Beispiel für die Anschaffung eines Rollstuhl-Transportfahrzeuges für die Familie des schwerstbehinderten Werner Biswanger aus Hohenwart.

Finanziell und auch vom Arbeitsaufwand stark gefordert wird der Verein derzeit bei der Unterstützung von drei Geschwistern, die durch den plötzlichen Tod ihrer alleinerziehenden Mutter von einem Tag auf den anderen vor dem Nichts standen. "Die Familie war verschuldet, vom Vater, der seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr mit den Kindern hatte, ist keinerlei Hilfe zu erwarten", sagt der stellvertretende Vorsitzende von Familien in Not, Hermann Heubeck, der sich intensiv um den Fall kümmert. Mit der zweckgebundenen Großspende eines Freundes der Familie sei man derzeit dabei, den drei Geschwistern beim Start in eine bessere Zukunft zu helfen, so Heubeck.

Neben den direkten Hilfen an Familien und Einzelpersonen mit einem Volumen von rund 125 000 Euro konnte der Verein seit Beginn des Jahres 2017 auch andere karitative Organisationen bei Projekten zugunsten bedürftiger Menschen mit ca. 41 000 Euro unterstützen, darunter den Verein Leben retten, die Obdachlosenhilfe des Sozialdienstes Katholischer Männer (SKM) in Pfaffenhofen, die Kleiderkammer Pfaffenhofen und vor allem die Schuldnerberatung der Caritas. Um Hilfesuchenden in akuten finanziellen Krisen schneller eine professionelle Beratung zu ermöglichen, habe Familien in Not der Caritas für dieses und das kommende Jahr 2018 einen Zuschuss von insgesamt 30 000 Euro zur personellen Verstärkung der Schuldnerberatung zur Verfügung gestellt, so Hailer. "Mit der zusätzlichen Fachkraft konnten die bisher üblichen Wartezeiten von bis zu drei Monaten für einen Beratungstermin spürbar verkürzt werden". Vor allem bekämen die Ratsuchenden jetzt schneller ein erstes Gespräch zur Feststellung des dringendsten Hilfebedarfs und zur Existenzsicherung in Bezug auf Strom- und Mietschulden.

"Ermöglicht wurden dieses Projekt und die umfangreichen Einzelfallhilfen unseres Vereins vor allem durch die großartige Spendenbereitschaft bei der PK-Aktion Vorweihnacht der guten Herzen, die uns in den vergangenen Jahren dreimal hintereinander Rekordergebnisse beschert hat", so Hailer.

Robert Schmidl, Redaktionsleiter des PK und Mitglied im Verein Familien in Not, hofft, dass die Leserinnen und Leser der Heimatzeitung auch heuer wieder ihre Herzen und ihre Geldbörsen für die gute Sache öffnen werden. "Und es wäre schön, wenn auch wieder viele Vereine, Firmen und Behörden bei ihren Weihnachtsfeiern oder anderen Veranstaltungen für unsere Aktion sammeln würden", so Schmidl.

Mit gutem Beispiel voran gehen an diesem Samstag Stadtkapelle und Liedertafel Pfaffenhofen, die um 19.30 Uhr wieder zu ihrem traditionellen Benefizkonzert in die Aula des Schyren-Gymnasiums einladen. Mit Blasmusik, Chorgesang und bayerischer Volksmusik von den Laushamer Musikanten wollen sie die Werbetrommel für die Aktion rühren. Der Erlös aus dem Eintritt und dem Getränkeverkauf kommt dem Verein Familien in Not zugute. Karten gibt es zum Preis von 10 Euro (ermäßigt sieben Euro) beim Schuhhaus Walter und in Weinzierls Weinkistl sowie an der Abendkasse (ab 18.45 Uhr) im Schyren-Gymnasium.

Von Willy Hailer
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