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Freispruch für einen 36-Jährigen, den seine Freundin wegen Körperverletzung angezeigt hatte

Viel Wirbel um Nichts

Pfaffenhofen
erstellt am 18.05.2017 um 17:43 Uhr
aktualisiert am 21.05.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Mit einem Freispruch ohne Wenn und Aber endete der zweite Verhandlungstermin gegen einen 36-Jährigen, der von seiner Freundin wegen Körperverletzung angezeigt worden war (PK berichtete). Wären die Vorwürfe erhärtet worden, hätte er eine Haftstrafe antreten müssen, weil er auf Bewährung auf freiem Fuß war.
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"Es tut mit leid", sagte der Angeklagte Lars M., 36, (alle Namen geändert), in seinem Schlusswort vor der Urteilsverkündung, "dass ich hier einen so großen Wirbel verursacht habe." Aber eigentlich hat nicht er das Gericht für zwei Verhandlungen aufgewirbelt, sondern seine Freundin. Conny F., 35, hatte ihn angezeigt, weil er sie in einer Manchinger Kneipe bei einer Rangelei auf den Kopf geschlagen, mit einem derben Griff am Hals verletzt und ihr einen Finger verdreht habe, dass er rot anschwoll.

Nichts dran an all diesen Vorwürfen. Die Polizeibeamtin, die am 23. Dezember vergangenen Jahres nachts wegen eines lautstarken Streits in die Kneipe gerufen worden war und jetzt am zweiten Verhandlungstag als Zeugin aussagte, konnte bei Conny F. keine Verletzungen feststellen - auch deshalb, weil die erst 36 Stunden nach dem Vorfall bei der Polizei Anzeige erstattete. Dort gab sie Verletzungen zu Protokoll, die allerdings für den Vernehmungsbeamten nicht sichtbar waren. Auch die 45-jährige Bardame, deren Vernehmungsprotokoll vor Gericht verlesen wurde, entlastete Lars M. Die beiden seien gegen 22 Uhr "schon stark angetrunken" ins Lokal gekommen, hätten laut gestritten. Gegen Mitternacht sei es zu einer Rangelei gekommen, einer Schubserei, aber "so tragisch war das nicht". Schläge? Verletzungen? Nein, hat sie nicht gesehen.

Die Staatsanwältin will das Verfahren einstellen, Lars M.'s Pflichtverteidiger Stefan Roeder verlangt Freispruch für seinen Mandanten. Die Aussage von Conny F. sei nicht konsequent. Davon abgesehen habe sie auch schon gefragt, ob sie die Klage zurückziehen könne. Aber da hatten die Mühlen der Justiz bereits zu mahlen begonnen. Amtsrichterin Katharina Meyer schließt sich an: Freispruch für Lars M. "Man kann der Geschädigten keinen Glauben schenken." Hätte Lars M. das mal vor einem Jahr gewusst!.Da hatte er Frau und Kind in Rosenheim sitzen gelassen und war nach 15 Jahren Funkstille zu seiner Teenie-Liebe Conny in den nördlichen Landkreis Pfaffenhofen gezogen, mit der er einen inzwischen 17-jährigen Sohn hat. Conny, die in den anderthalb Jahrzehnten trübe Beziehungserfahrungen hinter sich hatte, wollte die abgelegte alte Liebe wieder aufflammen lassen. Aber das Rad der Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. "Der Umzug", gibt die Richterin Lars M. mit auf den Weg, "hat Ihnen kein Glück gebracht." Wohl wahr. Lars war trocken, hatte aber an Connys Seite wieder mit dem Trinken angefangen. "Beenden Sie das Kapitel und schauen Sie, dass Sie Ihr Leben wieder auf den richtigen Weg bekommen." Den Weg zurück nach Rosenheim. Wie willkommen er dort ist, wurde vor Gericht allerdings nicht erörtert.

Von Albert Herchenbach
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