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Deutsche Bahn stellt Umbau des Pfaffenhofener Bahnhofs zurück und hat keine Pläne fürs Gebäude

Viertes Gleis kommt nicht vor 2020

Pfaffenhofen
erstellt am 14.03.2017 um 18:54 Uhr
aktualisiert am 18.03.2017 um 03:34 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Der Umbau des Pfaffenhofener Bahnhofs, der unter anderem ein zusätzliches ICE-Durchfahrtgleis, neue Stellwerktechnik, Lärmschutzwände und eine Verlegung des Bahnsteigs umfassen würde, wird um mindestens drei Jahre verschoben. Grund ist die neue Zugsicherungstechnik ETCS - mal wieder.
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Pfaffenhofen: Viertes Gleis kommt nicht vor 2020
Ohne viertes Gleis brettert der ICE in Richtung München direkt am Bahnsteig vorbei. Der Umbau des Pfaffenhofener Bahnhofs soll einerseits dieses Sicherheitsproblem durch ein zusätzliches Durchfahrtgleis beheben, andererseits die Kapazität der Schnellfahrstrecke München-Nürnberg erhöhen. Die Deutsche Bahn hat nun aber eingeräumt, dass das Projekt auf 2020 - oder später - verschoben ist. - Foto: Kraus
Pfaffenhofen

Pfaffenhofen ist das Nadelöhr beim Ausbau der Schnellfahrstrecke zwischen München und Ingolstadt: Wegen der Einführung des European Train Control Systems (ETCS) wurde der zweite Abschnitt des Bahnhofumbaus eigentlich schon von 2012 auf 2017 verschoben. Mittlerweile ist das neue Zugsicherungssystem, das europaweit einmal auf allen Hauptstrecken verwendet werden soll, schon zugelassen. Trotzdem verzögert es die seit Jahren geforderten Gleisarbeiten in Pfaffenhofen nun erneut.

Bei der Stadt haben die Verantwortlichen nach früheren Absprachen mit der Bahn eigentlich mit Baubeginn 2018 gerechnet. Der Konzern aber hat andere Pläne: "Wir gehen davon aus, dass wir nicht vor 2020 anfangen zu bauen", erklärt ein Bahnsprecher. "Das hängt alles mit dem ETCS zusammen." Die Strecke Nürnberg-Ingolstadt-München soll mit diesem europaweit einheitlichen Steuerungssystem ausgerüstet werden, das Züge bei Gefahr automatisch zum Halten bringt. "Um die Einschränkungen für den Fahrplan und damit für die Reisenden möglichst gering zu halten, soll der Ausbau des Bahnhofs Pfaffenhofen mit der Einführung von ETCS gebündelt werden", erklärt der Bahnsprecher. "Aufgrund der aktuell europaweit starken Nachfrage von Fachplanern für ETCS gibt es momentan aber weder DB-intern noch extern freie Fachressourcen." Die Bahn bündle ihre Planer derzeit für den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke Nürnberg-Halle/Leipzig. Alle anderen Strecken seien daher zurückgestellt. "Erst wenn diese Strecke im Dezember 2017 in Betrieb geht, stehen wieder Fachressourcen für andere Streckenabschnitte zur Verfügung." Ab 2018 solle dann mit der Planung für den Einbau von ETCS in Pfaffenhofen und anschließend auch für die gesamte Strecke München-Ingolstadt-Nürnberg begonnen werden. Erfahrungsgemäß brauche so ein Projekt, bei dem Gleissperrungen notwendig sind, zwei Jahre Vorlaufzeit. Laut Bahn werden die Arbeiten in Pfaffenhofen also frühestens 2020 beginnen.

Die Stadt hätte eigentlich auf einen Bahnhofsumbau noch im Jahr 2018 gehofft, wie Bürgermeister Thomas Herker (SPD) im vergangenen Monat im Stadtrat sagte. Er reagierte damit auf eine Anfrage des CSU-Stadtrats Michael Kaindl. "Das ist im Interesse aller Pendler und der ganzen Stadt Pfaffenhofen", sagt dieser. Er kritisiert, dass die Bahn Probleme aussitze, und fordert, dass die Stadt hartnäckig bleiben sollte - gerade auch angesichts früherer Differenzen. "Wir müssen den Pendlern zeigen, dass wir hinter ihnen stehen." Dabei gehe es auch um Themen wie die seit vier Jahren geforderten Unterstellmöglichkeiten für Pendler oder zusätzliche Verbindungstreppen zwischen Bahnsteig und den Pendlerparkplätzen östlich der Bahnlinie.

Der zusätzliche vierte Gleisstrang soll nicht nur der Deutschen Bahn nützen, weil damit die Kapazität auf der Schnellfahrstrecke gesteigert werden kann. Auch die Stadt drängt auf eine Realisierung - aus Sicherheitsgründen, da die durchfahrenden Expresszüge nach Süden derzeit nur wenige Meter an den wartenden Pendlern vorbeibrettern.

Unklar ist, was über die Gleisarbeiten hinaus mit dem Pfaffenhofener Bahnhofsgebäude passieren soll. Die Kommune hofft, dass der Bahnkonzern dafür ebenfalls bald Geld in die Hand nehmen würde. Die Bahn habe mal eine Sanierung, mal einen Neubau geplant, berichtet Bürgermeister Herker. Auch ein Verkauf war schon einmal im Gespräch. Die DB selbst gibt sich aber bedeckt: "Es gibt keine aktuellen Planungen zum Bahnhofsgebäude", heißt es auf Anfrage aus der Bahnhofssparte des Konzerns.

Das vierte Gleis für Pfaffenhofen hat eine lange Vorgeschichte: 20 Jahre ist es her, dass dieses Thema erstmals diskutiert wurde, zehn Jahre wartet die Stadt Pfaffenhofen nun schon auf den zweiten Teil des Bahnhofsumbaus. Der erste Abschnitt ging 2005 bis 2007 über die Bühne. Damals wurden unter anderem die Bahnsteige erneuert und die Unterführung gebaut. Der Rest sollte zügig folgen - wurde dann aber auf 2012 verschoben, weil der Bahn als vordringlicheres Projekt der Streckenausbau München-Augsburg dazwischenkam. Wegen ETCS wurde Pfaffenhofen anschließend auf 2017 vertröstet. Das wiederum wollte die Stadt nicht: Sie traf eine Absprache mit der Bahn, dass während der Gartenschau 2017 keine größeren Bauarbeiten laufen. Die Hoffnung, dass unmittelbar danach gebaut wird, hat sich nun aber zerschlagen.

Umbau- und Gleisarbeiten

 

Die geplanten Umbau- und Gleisarbeiten am Pfaffenhofener Bahnhof sind sehr umfangreich: Sie beinhalten den Bau eines vierten Gleises, die Verschiebung aller Gleise im Rahmen einer Kurvenbegradigung, sodass die Züge zukünftig bis zu 190 Kilometer pro Stunde fahren können, den Ausbau und das Anheben des Bahnsteigs an Gleis 1 auf 76 Zentimeter, den Bau einer Unterzentrale eines elektronischen Stellwerks sowie – als Folge der Linienverbesserung – den Bau von Lärmschutzwänden. Die Gleise im Bahnhof werden leicht nach Westen gerückt. Das jetzige Gleis 3 mit Außenbahnsteig bleibt dabei liegen und wird zukünftig zu Gleis 4. Der Bahnsteig 1 wird weiter nach Süden verlegt. Für den Umbau des Bahnhofs und die Ausrüstung mit ETCS werden Gleissperrungen benötigt – mit deutlich spürbaren Auswirkungen auf den Bahnverkehr.

Das langwierige Planfeststellungsverfahren (eine Art Baugenehmigung für große, überörtliche Verkehrsprojekte) ist für den Umbau schon längst abgeschlossen. Damit dürfte eigentlich jederzeit mit den Arbeiten begonnen werden. Die Frage ist aber nicht, ob gebaut wird, sondern wann: „Die Baumaßnahmen im Bahnhof Pfaffenhofen werden auf jeden Fall realisiert“, versichert ein Bahnsprecher mit Blick auf die Verzögerungen. „Es geht nur noch darum, wann sie baulich umgesetzt werden können.“
Von Michael Kraus
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