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Gymnasien hoffen durch Rückkehr zu G 9 auf Wende - Realschule und FOS liegen im Trend

Leichter Rückgang bei Schülerzahlen

Pfaffenhofen
erstellt am 13.03.2018 um 13:00 Uhr
aktualisiert am 17.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Die Realschulen sind weiter im Aufwind, während die Gymnasien auf positive Auswirkungen der Rückkehr zum G 9 hoffen müssen, um bei den Schülerzahlen wieder zulegen zu können. Grund zur Klage haben die weiterführenden Schulen im Landkreis nicht, sie sind alle gut aufgestellt.
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Die Zahl der Schyren-Gymnasiasten geht seit einem Jahrzehnt konstant nach unten.
Die Zahl der Schyren-Gymnasiasten geht seit einem Jahrzehnt konstant nach unten. Die Rückkehr zum G 9 lässt hoffen, dass die Trendwende bald einsetzt. Von der laufenden Sanierung lassen sich die Jugendlichen jedenfalls überhaupt nicht stören.
Kaindl
Pfaffenhofen

Die Zahl der Jugendlichen an weiterführenden Schulen im Landkreis ist im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. "Lediglich an den Realschulen in Pfaffenhofen und Geisenfeld ist ein Anstieg zu verzeichnen", heißt es in einer Mitteilung des Landratsamts. Im vergangenen Oktober besuchten 4475 Schüler in 174 Klassen die Gymnasien und Realschulen. "Das sind gegenüber dem Vorjahr 83 Schüler oder 1,8 Prozent weniger", sagt Sebastian Daser, der Leiter der Kreisfinanzverwaltung.

 

GYMNASIUM

Vor neun Jahren, als Dietmar Boshof am Schyren-Gymnasium die Leitung übernahm, lernten dort über 1500 Jugendliche aufs Abitur hin. "Das waren viel zu viele, die Schule platzte aus allen Nähten", erinnert sich Boshof. Mittlerweile haben sich die Vorzeichen geändert. Im Oktober gab es nur noch 1098 Schyren-Gymnasiasten, fast 60 weniger als noch ein Jahr zuvor. Wieder einmal. "Der Rückgang ist seit Jahren konstant", sagt der Schulleiter. "Aber jetzt könnte er langsam zu Ende gehen." Die Gründe für seinen Optimismus sind die steigenden Geburtenzahlen, der Zuzug und nicht zuletzt die Wiedereinführung der 13. Jahrgangsstufe. "Wir hatten dieses Schuljahr etwa zehn Fünftklässer mehr als in den Jahren zuvor", berichtet Boshof. Und wenn es für diese aufs Abi zugeht, gibt es wieder eine 13. Klasse. "Eine Jahrgangsstufe mehr kommt einem Plus von rund 100 Schülern gleich", sagt Boshof. Das bedeutet auch mehr Kapazitäten, Lehrer und Räume, die benötigt werden. "Auch daher ist es wichtig, dass wir unsere Generalsanierung gut über die Bühne bringen", so Boshof. Derzeit läuft die Erneuerung des naturwissenschaftlichen Trakts, danach folgt das Hauptgebäude samt Aula und Klassenzimmern.

Den konstanten Schwund der vergangenen Jahre hat das Hallertau-Gymnasium beinahe stoppen können. Lediglich fünf Schüler weniger als noch vor Jahresfrist wollen derzeit in Wolnzach das Abitur ablegen. Und der Stellvertretende Schulleiter Josef Hurzlmeier kann mit derzeit 815 Schülern gut leben. "In der Spitze waren es auch schon 1100. Aber da waren wir übervoll", sagt er im Rückblick. Ein weiterer Schwund müsse trotzdem nicht sein. "Derzeit ist es optimal. Und mit 100 Schülern mehr ändert sich daran nichts." Genau diesen Zuwachs erwartet Hurzlmeier durch die 13. Klasse, die sich in sieben Jahren als Folge der G 9-Rückkehr automatisch ergibt. Weshalb aber schon jetzt die Konstanz zurückgekehrt ist, weiß Hurzlá ?meier nicht genau. "Vielleicht trägt die Profilklasse Sport ihren Teil bei", orakelt er. Nach der Forscher- und Bläserklasse ist es das dritte Spezialangebot mit Sonderunterricht für Fünft- und Sechstklässler. "Vielleicht war die Einführung ein guter Coup." Abgesehen davon hofft Hurzlmeier, dass durch das G 9 das Gymnasium wieder mehr in Mode kommt. "Das Zusatzjahr entspannt alles. Dadurch entscheiden sich vielleicht wieder mehr Grundschüler, die geeignet sind, für die höchstmögliche Schulausbildung - und nicht für den mittleren Abschluss."

 

REALSCHULE

Die besten Karten im Ringen um die Schüler haben seit einiger Zeit die Realschulen in der Hand. "Wir sind halt einfach eine Schulart, die sehr viel bietet", sagt Claudia Daiber von der Georg-Hipp-Realschule Pfaffenhofen . Hohen Praxisbezug führt die Stellvertretende Schulleiterin als Argument ebenso ins Feld wie eine breite Auswahl an Möglichkeiten über die verschiedenen Wahlpflichtfächer. "Die Realschule ist sehr variabel, Jugendliche können ihre Neigungen ausleben, werden vielseitig gefördert und ihnen stehen hinterher viele Wege offen", sagt Daiber. Der Start einer Berufsausbildung sei nach der Mittleren Reife ebenso vielversprechend wie der Besuch der FOS. Zudem sei das Pfaffenhofener Schulhaus frisch saniert und top ausgestattet. "Wir haben heuer sieben fünfte Klassen - das ist enorm", sagt sie und unterstreicht die Statistik. Denn die Zahl der Pfaffenhofener Realschüler ist um 25 auf nunmehr 1039 Jugendliche recht deutlich angestiegen.

Ebenfalls nach oben ging es an der Geisenfelder Realschule , und zwar um 29 Schüler auf 776. "Es hat sich herumgesprochen, dass wir den Kindern einfach eine gute Ausbildung bieten", fasst Konrektor Wilfried Krauß das Ergebnis zusammen. Die Realschule biete vielfältige Möglichkeiten. Und Geisenfeld habe als Medien-Referenzschule gerade beim brandheißen Thema Digitalisierung die Nase zusätzlich noch ein wenig weiter vorne. Ansonsten profitiere die Schule ganz allgemein vom Zuzug, von steigenden Geburtenzahlen und von der boomenden Region im Norden des Landkreises. Die anstehenden Baumaßnahmen an der Geisenfelder Schule lassen Krauß keineswegs trübsinnig in die Zukunft blicken. "Es scheint alles auf einen Neubau hinauszulaufen", vermutet der Konrektor. "Das macht nur ein bisschen Lärm, stört ansonsten den laufenden Betrieb aber gar nicht. Und wenn alles fertig ist, stehen wir noch besser da als ohnehin schon."

Die einzige Realschule mit leicht negativen Vorzeichen ist die in Manching am Keltenwall . Die Zahl der Schüler an der nunmehr kleinsten Realschule im Landkreis ist doch recht deutlich von 825 auf 752 nach unten gegangen. Drei Klassen weniger binnen eines Jahres: Wirklich erklären kann sich diesen Schwund die Stellvertretende Schulleiterin Andrea von Zweydorf nicht. "Wir haben trotzdem ein schönes Niveau und es läuft sehr gut an der Schule", sagt sie. Es gibt in der fünften Jahrgangsstufe erstmals eine Tabletklasse. Ansonsten setzt Manching bei der Profilierung seit ein paar Jahren eher auf das Musische. "So eine Statistik hat manchmal Ausrutscher, die nicht einfach zu erklären sind", fügt von Zweydorf an. Und in Zukunft könne Manching sicher auf den natürlichen Zuwachs setzen, um wieder höhere Schülerzahlen zu erreichen.

 

BERUFLICHE OBERSCHULE

Die Berufsoberschule im Scheyerer Kloster besuchen 144 Schüler in sechs Klassen - ein Dutzend weniger als vor Jahresfrist. "Die Schulform ist in ganz Bayern rückläufig", räumt die Stellvertretende Schulleiterin Bärbel Ritthammer ein. Nach der Berufsausbildung des allgemeine Abitur nachzumachen, sei derzeit nicht übermäßig beliebt. "Die Fachoberschule hat einfach mehr Zulauf", sagt Ritthammer. Gerade nach der Realschule ziehe die Aussicht auf das Fachabitur die Jugendlichen an. Und so ist es auch die FOS, die mit einem Plus von 105 Schülern auf jetzt 368 den mit Abstand deutlichsten Zuwachs aller weiterführenden Schulen verzeichnet. Neben Technik und Wirtschaft gibt es seit diesem Schuljahr den Sozialzweig. Und die FOS-Familie bekommt bald weiteren Zuwachs. "Nach der Probeeinschreibung kommt voraussichtlich der neue Zweig Agrarwirtschaft, Bio- und Umwelttechnik hinzu", so Ritthammer.

 

BERUFSSCHULE

Die Schülerzahl an der Berufsschule Pfaffenhofen ist leicht zurückgegangen: um 30 auf 1822 Schüler. "Unsere Größe ist seit Jahren konstant und gut. Wir können nicht klagen", sagt Schulleiter Hubert Ruisinger. Den Erfolg seiner Einrichtung, die speziell im Metall- und Elektrobereich zu glänzen weiß, sieht er vor allem in der großen Unterstützung aus dem Landkreis begründet. "Die berufliche Bildung ist den Verantwortlichen einfach wichtig", sagt Ruisinger. "Wenn wir etwas brauchen, kümmert sich der Landkreis auch darum - und zwar immer."

Patrick Ermert
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