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ÖDP diskutiert über Chancen und Risiken der Digitalisierung

"Jeder ist betroffen"

Pfaffenhofen
erstellt am 21.03.2018 um 18:46 Uhr
aktualisiert am 25.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (pfw) "Neue heile Welt? Digitaler Wandel zwischen Euphorie und Diktatur der Algorithmen" lautete das Thema eines Vortrags, zu dem der ÖDP-Kreisverband Pfaffenhofen am vergangenen Dienstagabend in das Gasthaus Pfaffelbräu eingeladen hatte. Referiert hat der frühere IT-Systemplaner und jetzige stellvertretende Vorsitzende des oberbayrischen ÖDP-Bezirksverbands, Franz Hofmaier, und dieser setzte tatsächlich hinsichtlich der Segnungen der zunehmenden Digitalisierung für die Bereiche Bildung, Arbeitswelt und Grundrechte sowie die Entwicklung des Menschen ein dickes Fragezeichen.
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Pfaffenhofen: "Jeder ist betroffen"
Referent Franz Hofmaier glaubt nicht an die "neue heile Welt" durch die Digitalisierung. - Foto: Frye-Weber
Pfaffenhofen

"Jeder ist betroffen", stellte Franz Hofmaier vor den rund 20 Zuhörern unmissverständlich klar, dass die Digitalisierung jeden angehe und in viele Lebensbereiche eingreife. So näherte er sich dem Themenkomplex zunächst von der technischen Seite und stellte die Leistungsfähigkeit heutiger Rechner der aus den früher 60-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gegenüber. Doch diese Entwicklung werde nicht so weitergehen, Experten prognostizierten, dass sich zwar bis 2040 die Leistungsfähigkeit der Rechner vertausendfachen werde, die Entwicklung dann aber an physikalische Grenzen stoße.

Ebenso wandte er sich dem Netzausbau und der -geschwindigkeit zu. Dabei zitierte er aus Studien, in denen es unter anderem hieß, dass die Bundesrepublik Deutschland bei der Netzgeschwindigkeit weltweit auch hinter Ländern wie Rumänien und Bulgarien nur auf dem 25. Platz lande. Kritisch setzte er sich dabei mit Vorhaben und Zusagen der Bundesregierung und der bayerischen Staatsregierung - aus der Vergangenheit und für die Zukunft - auseinander, die bis dato jeweils hinter den gemachten Versprechungen deutlich hinterherhinkten.

Nach diesen "harten" Fakten standen die Auswirkungen der zunehmenden Digitalisierung auf den Menschen im Mittelpunkt der Betrachtungen. Auch hier zitierte Franz Hofmaier eine ganze Reihe Studien. Zunächst befasste er sich mit den unmittelbaren Auswirkungen auf den Arbeitsplatz in Bezug auf die Anzahl der Arbeitsplätze und der Arbeitsbedingungen des Einzelnen. So geht er davon aus, dass 30 bis 40 Prozent der vorhandenen Arbeitsplätze von dem Strukturwandel betroffen seien. Diese müssten nicht wegfallen, ihr Charakter und die Anforderungen an diese würden sich aber deutlich ändern.

Besonders kritisch bewertet er die Entwicklung an den Schulen. Im Hinblick auf den "Digitalpakt Schule von Bund und Ländern" verurteilte er zunächst die Auswahl der Berater. Ausschließlich Vertreter der Wirtschaft und aus der technischen Forschung, aber keine Kinderärzte, Lernpsychologen oder Neurowissenschaftler seien beteiligt gewesen. Letztere wiesen aber im Gegensatz zu den zurate gezogenen Experten vermehrt auf Hirnrhythmusstörungen, Kopfschmerzen, Konzentrationsproblemen bis hin zu Schlafstörungen bei den Kindern und Jugendlichen als Folge medialer Reizüberflutung hin. Deutlich machte er in diesem Zusammenhang auch die seiner Auffassung nach handfesten wirtschaftlichen Interessen einzelner Unternehmen.

Vor allem hinsichtlich des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte der Nutzer äußerte Franz Hofmaier heftige Bedenken. Kopfzerbrechen bereiteten ihm auch vollautonome Waffensysteme, die, so seine Überzeugung, inzwischen längst von den USA, Russland und China getestet würden. Abschließend warf der bevorstehende Landtagswahlkampf seine Schatten voraus, als Franz Hofmaier deutlich machte, dass beim Umgang mit derartigen epochalen Veränderungen die ÖDP mit ihren Anliegen gehört werden müsse. "Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen, alles muss sich nach uns richten", so sein Credo.

Von Petra Frye-Weber
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