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Endlich mal getroffen!

Pfaffenhofen
erstellt am 06.04.2011 um 19:06 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 21:27 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Solche Geschichten schreibt nur das Leben. Das politische Leben, muss man korrekterweise sagen. Zwei Typen, eine Partei. Jeder für sich mit einer klaren Linie, jeder Mitglied der CSU. Der eine als Kreischef, der andere als Abtrünniger, als Revoluzzer, draußen in Gerolsbach: CSU-Boss Karl Straub und sein Parteikollege Stefan Maurer. Der Begriff Parteifreund ist keineswegs angebracht.
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Pfaffenhofen: Endlich mal getroffen!
Unverkennbar auf Distanz: CSU-Kreischef Karl Straub (links) und Parteimitglied Stefan Maurer haben sich jetzt erstmals persönlich getroffen. Maurer soll wegen Partei schädigendem Verhalten ausgeschlossen werden. Er betreibt in Gerolsbach, wo er für die UB im Gemeinderat sitzt, harte Oppositionsarbeit. "Ich bin Idealist", sagt er. - Foto: Zell
Pfaffenhofen
Was haben sie aufeinander gewettert; sich mit verbalen Giftpfeilen beschossen. Und getroffen. Straub hat Maurer krankhafte Züge attestiert; der konterte kaum weniger harsch: Er nehme Straub eh nicht für voll, der sei als CSU-Kreischef total überfordert. Über verschiedenste Kanäle haben sich die beiden gehörig beharkt: per Presseerklärung, per Zeitungsinterview und durch deftige Äußerungen bei Versammlungen. Aber immer auf Umwegen. Das war auch die einzige Möglichkeit, denn – und das ist ja gerade das Bemerkenswerte an dem Zwist – sie haben sich noch niemals getroffen. Doch das ist nun Geschichte.

In der Redaktion des Pfaffenhofener Kurier, auf neutralem Terrain, kam es jetzt auf Einladung unserer Zeitung zum ersten persönlichen Kontakt. In einem harten, aber fairen Gespräch haben beide ihre durchaus unversöhnlichen Standpunkte dargelegt und erstmals miteinander, statt bislang nur übereinander gesprochen. Doch eines war nach gut einer Stunde glasklar: Freunde werden die beiden nicht mehr.

Auf der einen Seite Stefan Maurer, FDP-Sympathisant und UB-Gründer, selbst erklärter Idealist im Kampf für Transparenz in der Politik, Stachel in der von CSU-Bürgermeister Martin Seitz vereinten Ratsmehrheit von Gerolsbach und Persona non grata in der Kreis-CSU. Auf der anderen Seite: CSU-Kreischef Karl Straub aus Wolnzach; sichtlich bemüht, seine Partei von der Basis aus zu gestalten und alte Zöpfe abzuschneiden.

Straub kommt auch gleich zur Sache. Dass die Kreis-CSU Maurer aus der Partei ausgeschlossen sehen möchte, ist ohnehin bekannt. Das habe der Kreisvorstand bei einer Enthaltung beschlossen, betont er, und es gehe da wahrlich nicht um die Einzelmeinung von Karl Straub. Permanentes Partei schädigendes Verhalten wird Maurer vorgeworfen. "Sie reden immer von Demokratie", sagt Straub zu Maurer. "Und 99 Prozent sagen: Bitte geh aus der CSU – das bräuchten zu mir keine 50 Prozent sagen."

Maurer sieht dem angestrebten Parteiausschluss bekanntlich gelassen entgegen. Er ist gespannt, was man ihm vorwirft, sagt er und betrachtet die ganze Angelegenheit eher formal, während Straub von "Bauchgefühl" spricht und einfach nicht versteht, was Maurer überhaupt noch in der CSU will.

Die Partei, entgegnet Maurer, bestehe doch nicht nur aus der Gerolsbacher CSU. Er sieht das ganze als "lokales Problem". Seit 20 Jahren sei er schon Mitglied bei den Christsozialen, betont er – und zwar nicht, um nur jährlich seinen Beitrag zu überweisen. Für seine Parteitreue wurde er – das war eine durchaus pikante Situation – 2009 sogar ausgezeichnet. "Ich sage ja auch nicht, dass die CSU alles verkehrt macht", erklärt Maurer. Er hat zwar angesichts des drohenden Ausschlussverfahrens mehrfach betont, "es gibt auch ein Leben ohne CSU-Mitgliedschaft", doch im Verlauf des Redaktionsgesprächs lässt er auch keinen Zweifel daran, dass er nicht die Notwendigkeit sieht, auszutreten. "Ich bin schon länger bei der CSU als manche, die jetzt meinen Ausschluss fordern."

Maurer zeigt sich "irritiert", dass er ausgerechnet jetzt aus der Partei geworfen werden soll. Schon 2008 war er als Bürgermeisterkandidat für die von ihm (damals war er sogar noch CSU-Gemeinderat) gegründete "Unabhängigen Bürger" (UB) gegen Martin Seitz (CSU) angetreten. Er unterlag und betreibt seither harte Oppositionspolitik. Für den Kreistag hat er auf der FDP-Liste kandidiert. Im vergangenen Jahr hat er einen Brief an die Staatsanwaltschaft geschickt, weil seiner Meinung nach in der Gerolsbacher Politik nicht alles sauber läuft. Im November kam es daraufhin zu einer Razzia im Rathaus; die Kripo nahm Unterlagen mit und ermittelt seither wegen des Verdachts der Untreue gegen Seitz. Und erst jetzt – betont Maurer – soll er aus der CSU ausgeschlossen werden! Für ihn ist deshalb der Fall klar: Nur weil er den Brief an den Staatsanwalt geschickt hat, wollen ihn die Christsozialen loswerden. "Dabei habe ich bloß Verdachtsmomente an die Justiz gemeldet." Das sei das Recht eines jeden Bürgers.

Der Brief sei lediglich der Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe, sagt Straub – Maurers Parteiausschluss sei schon weit früher ein Thema gewesen. Es gehe um Maurers Art Politik zu machen, nicht bloß um den Brief. Der CSU-Kreischef führt unmissverständlich aus, welche Meinung er sich gebildet hat. "Mein Eindruck ist, dass Maurer gegen alles ist." Er betreibe "Zwangsopposition aus Enttäuschung", weil er bei der Bürgermeisterwahl gegen Seitz verloren hat. "Sie sind eine absolute Reizfigur – und bestimmt nicht im zielführenden Harmoniebereich anzusiedeln", sagt Straub im PK-Gespräch zu Maurer. "Ihr politischer Werdegang ist doch: anecken, anecken, anecken."

Maurer sieht das freilich anders. "Ich bin Idealist", betont er, und es gehe ihm einzig und allein um Sachpolitik. Er wolle, dass alles sauber laufe, dass die Bürger einbezogen und korrekt informiert werden. "Idealist zu sein ist recht und schön", entgegnet Straub, "aber Sie erreichen so nichts." Dass Maurer, der hauptberuflich im Münchner Landratsamt arbeitet, ein "hervorragender Verwaltungsexperte" sei, das attestiert ihm auch Straub. Und das sehe auch der CSU-Kreisvorstand so. "Aber Sie überziehen das eine oder andere Mal und schießen mit Kanonen auf Spatzen."

"Mein Ziel ist es, ehrliche, anständige und transparente Politik zu machen", unterstreicht dagegen Maurer. Das will ihm Straub auch gar nicht absprechen. "Aber Menschen sind halt auch emotional; und auf dieser Ebene haben Sie im CSU-Kreisvorstand komplett verloren", sagt er zu Maurer. "Und Sie haben doch auch den kompletten Gerolsbacher Gemeinderat gegen sich", findet Straub. Er sieht Maurer als "politischen Geisterfahrer". Gegen diesen Vorwurf verwehrt sich Maurer umgehend und nachdrücklich. Nur weil die Mehrheit des Gerolsbacher Gemeinderats nicht so genau hinschaue, lägen die vier UB-Räte nicht automatisch falsch. Straub sieht das von einer anderen Warte aus: "Alle wichtigen Themen im Gemeinderat werden mit 12:4 Stimmen beschlossen."

Maurer hält wiederum dagegen: "Wenn mir Dinge aus der Gerolsbacher Politik vorgeworfen werden, dann darf man nicht mit Pauschalaussagen kommen." Doch Straub will sich nicht auf eine politische Debatte über die Gerolsbacher Kommunalpolitik einlassen. Es sei ja klar, dass Maurer da viel näher dran sei, so der CSU-Kreischef.

"Ich würde Ihnen ein bisschen mehr Lockerheit empfehlen", rät Straub seinem Gegenüber. "Aus meiner Sicht sind Sie viel zu verbissen." Doch wer Maurer kennt, der weiß: Das beeindruckt ihn nicht. "Ich bin Idealist", wiederholt er. Er wird seiner Linie treu bleiben. Für Straub ist indes klar: "Durch Gerolsbach verläuft ein imaginärer Graben." Und er wisse nicht, ob die Art von Maurers Politik geeignet sei, diesen Graben zuzuschütten. Im Gegenteil: "Herr Maurer, Sie schaufeln diesen Graben." Nein, entgegnet der. "Das tun schon andere. Mit dem Bagger."

Von Tobias Zell
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