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Beate Walter-Rosenheimer stellt neuen Weg vor

Die grüne Ausbildungsgarantie

Pfaffenhofen
erstellt am 23.07.2015 um 18:16 Uhr
aktualisiert am 31.01.2017 um 22:15 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (apl) „Das Thema Ausbildungspolitik als Teilbereich der Bildungspolitik kommt in den öffentlichen Debatten immer etwas zu kurz“, klagt die Grünen-Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer beim Stammtisch ihrer Partei am Mittwochabend in der Kreisgeschäftsstelle.
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Pfaffenhofen (apl) „Das Thema Ausbildungspolitik als Teilbereich der Bildungspolitik kommt in den öffentlichen Debatten immer etwas zu kurz“, klagt die Grünen-Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer (kleines Foto) beim Stammtisch ihrer Partei am Mittwochabend in der Kreisgeschäftsstelle. Das Thema populärer zu machen ist für Walter-Rosenheimer nicht nur inhaltlich, sondern auch persönlich wichtig, firmiert sie doch seit Beginn der aktuellen Legislaturperiode des Bundestags als Sprecherin des 2013 neu ins Leben gerufenen Ausbildungsausschusses im Parlament. Bisher war das Thema in Berlin auch ganz offiziell beim Bildungsausschuss angesiedelt.

Mit im Gepäck hatte die Abgeordnete ein Papier mit dem Titel „Ausbildungsgarantie. Der grüne Weg“. Darin ist die Rede vom „Recht auf gute Bildung“, das jeder junge Mensch habe und dass man „niemanden verloren geben“ dürfe – Prämissen, denen theoretisch sicher jeder zustimmen kann. Doch in der Praxis sieht es oft anders aus, wie Walter-Rosenheimer im Gespräch mit ihren örtlichen Parteifreunden erfuhr.

Da wäre zum Beispiel Kerstin Schnapp, die Kreisvorsitzende. Hauptberuflich betreibt sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten eine Filmproduktionsfirma. Bei den vielen jungen Menschen, die später beruflich „irgendwas mit Medien“ machen möchten, besteht da auch die Möglichkeit für Praktika. Doch die Erfahrungen von Schnapp mit einigen der Bewerber waren durchwachsen, wie sie berichtet: Häufiges Zuspätkommen oder gleich unentschuldigtes Fehlen, ein Mangel an Manieren und sozialen Umgangsformen, eher beschränktes Engagement. „Ich gebe auch gern jenen eine Chance, die als schwierigere Fälle gelten“, berichtet Schnapp. „Aber manche kann man sich als kleines Unternehmen einfach nicht leisten, weil man die mit durchschleppen muss.“ Solche Problemfälle gibt es mehrere und zu ihnen dürfte auch der Großteil der 754 Jugendlichen im Landkreis zählen, die keinen Ausbildungsplatz bekommen haben – obwohl es deutlich mehr offene Stellen (momentaner Stand: 1221) gibt, und die Firmen teilweise verzweifelt nach Lehrlingen suchen.

Qualifizierungs-, Unterstützungs-, und Fördermaßnahmen für diese Klientel gibt es zuhauf, „rund 400 verschiedene Modelle, wie man mir auf Nachfrage bei der Bundesagentur für Arbeit gesagt hat“, so Walter-Rosenheimer. Trotz allem aber war der Erfolg in Kreisen der Problem-Kids wohl bisher bescheiden. Und hier möchte die Abgeordnete mit ihrem Konzept der „überbetrieblichen Ausbildung“ ansetzen – und das klingt nur im ersten Moment wie das 401. Fördermodell. „Wir garantieren dadurch allen interessierten Jugendlichen bis zum 30. September dieses Jahres ein verbindliches Angebot für eine Ausbildung“, versichert die Bundespolitikerin. Organisatoren sollen die Kammern und Berufsschulen sein, Bund, Länder und die Bundesagentur für Arbeit die Finanziers. Mit Trägern der Jugendhilfe und vor allem mit den Betrieben wolle man eng kooperieren. So soll dann ein Jugendlicher etwa in Betrieb A einige Fertigkeiten und Qualifikationen erwerben und andere dann in Betrieb B. Alle erworbenen Qualifikationen sollen zertifiziert und offiziell anerkannt werden. Wer dann aber aus den verschiedenen Gründen länger brauche, der solle sich diese Zeit nehmen dürfen, zur Not eben auch vier oder fünf Jahre statt der drei Jahre Lehrzeit. Wichtig sei, dass der Wechsel in das traditionelle duale Ausbildungssystem in einem Stammbetrieb jederzeit möglich sein muss, wenn der Jugendliche dafür bereit ist.

Ein weiteres Thema, das bei der Diskussionsrunde angesprochen wurde, war die Schwierigkeit, jungen Flüchtlingen eine Ausbildung anzubieten – wenn ihr Aufenthaltsstatus unsicher ist. Das schrecke viele Unternehmer ab. Aus Sicht der Grünen müsste hier über die abgeschlossene Lehre hinaus auch noch eine zweijährige Berufstätigkeit möglich sein. Auch müsse mehr Flexibilität möglich sein, wenn jemand sich beim Probearbeiten im Praktikum nicht so gut anstelle. „Da kann man die Chefs nicht vorab zwingen, im Anschluss an das Praktikum auch gleich einen Ausbildungsvertrag anbieten zu müssen“, kritisiert der Co-Kreisvorsitzende Norbert Ettenhuber. „Wer nicht geeignet ist, den muss ich auch schnell wieder loswerden können.“

Von André Paul
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