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Seit 25 Jahren weist die Caritas Menschen den Weg aus der Schuldenfalle

"Die Abwärtsspirale aufhalten"

Pfaffenhofen
erstellt am 06.11.2018 um 14:56 Uhr
aktualisiert am 10.11.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Für Tausende von Menschen war sie der Ausweg aus einer extremen finanziellen Schieflage. Nun feiert die Schuldnerberatung der Caritas Pfaffenhofen ein kleines Jubiläum: 25 Jahre Hilfe zur Selbsthilfe - nicht nur was den wirtschaftlichen Neustart in ein unbelastetes Leben angeht.
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Um effizient helfen zu können müssen Maria Hasenbank und ihre Kolleginnen nicht nur die Finanzen, sondern das gesamte soziale Umfeld eines Klienten mit berücksichtigen. Nun feiert die Schuldnerberatung der Caritas Pfaffenhofen ein kleines Jubiläum: 25 Jahre Hilfe zur Selbsthilfe.
Um effizient helfen zu können müssen Maria Hasenbank und ihre Kolleginnen nicht nur die Finanzen, sondern das gesamte soziale Umfeld eines Klienten mit berücksichtigen. Nun feiert die Schuldnerberatung der Caritas Pfaffenhofen ein kleines Jubiläum: 25 Jahre Hilfe zur Selbsthilfe.
Zurek, Lübke/dpa
Pfaffenhofen
"Schon in den 1980er Jahren gehörten zu den Hilfesuchenden in der allgemeinen Caritas-Sozialberatung verschuldete Menschen", wirft Maria Hasenbank einen Blick zurück. "Mit den Jahren stieg die Zahl auf heute rund 400 Betroffene jährlich, die persönlich oder telefonisch Rat einholen, wobei die Fälle immer komplizierter werden", so die Schuldnerberaterin. Schon lange könne man den tatsächlichen Bedarf nicht mehr voll abdecken.

Als die spezialisierte Schuldnerberatung zur kommunalen Pflichtaufgabe erhoben wurde, betraute der Landkreis 1993 die Caritas unter der damaligen Geschäftsführung von Hans Hauf mit dieser Aufgabe. Die Juristin und Sozialpädagogin Elisabeth Knorn übernahm federführend die Leitung des neuen Dienstes, 1996 kam in Teilzeit die Sozialpädagogin Michaela Wildmoser hinzu. Im gleichen Jahr wurde eine eigene Stelle für die Verwaltung geschaffen. Heute ist neben der diplomierten Ökotrophologin Hasenbank die Sozialpädagogin (B.A.) Jasmin Prunkl in der Beratung tätig. Während ihrer Elternzeit wird sie von der Rechtspflegerin Tanja Holzhey vertreten. Eine Sachbearbeiterin unterstützt das Team in der Verwaltung.

"Wir leisten vertrauliche Sozialberatung für Schuldner", betont Hasenbank den Unterschied zu einer reinen Insolvenzberatung. Man betrachte eben nicht nur die Finanzen, sondern auch die persönliche Situation der Hilfesuchenden, die oft durch Trennung, Scheidung, Krankheit, Arbeitslosigkeit oder prekäre Arbeitsverhältnisse belastet sind.

Ziel sei es "die Abwärtsspirale aufzuhalten" und neben der Existenzsicherung der Betroffenen auch die nachhaltige Schulden-Regulierung zu gewährleisten. Gibt es ein Einsparpotenzial, können die Schulden auf der Grundlage eines Haushaltsplans "abgestottert" werden. Ist ohnehin das existenzielle Limit ausgeschöpft, bleibt nur die Privatinsolvenz. Dieses Instrument, das der Gesetzgeber seit 1999 eingerichtet hat, ist aus Sicht des Teams "ein Segen". Denn es ermöglicht Betroffenen einen "Schulden-Schnitt" und den wirtschaftlichen Neuanfang. "Leider kommen viele auf Grund von Fehlinformationen und aus Scham erst sehr spät zu uns", bedauert Hasenbank. Oft lähme die Angst vor dem Gerichtsvollzieher, vor Drohbriefen der Inkassounternehmen und vor dem sozialen Abstieg die Betroffenen so sehr, dass sie in Depressionen verfallen. "Ich hätte viel früher kommen sollen", diesen Satz höre sie nach einer erfolgreichen Beratung sehr oft.

"Die können halt nicht mit Geld umgehen" lautet das harte Urteil der Gesellschaft. Das greife aber zu kurz, sagt die Fachberaterin. Hauptgründe für eine Überschuldung seien Arbeitslosigkeit, Trennung oder Scheidung sowie prekäre Einkommen. Bisweilen auch eine Suchterkrankung. Nicht zu vergessen der soziale Druck, der das "Dazugehören" an materiellen Dingen festmacht.

Prinzipiell zeige sich immer wieder, dass jeder "ganz plötzlich auf der anderen Seite stehen kann", so die Caritas-Mitarbeiterin. Und sie ergänzt: "Wir haben es bei Männern wie Frauen zunehmend mit Altersarmut zu tun". Da geraten Menschen, die ein Leben lang hart gearbeitet haben "wegen niedriger Renten an ihre Grenzen". Und das hänge ganz wesentlich mit der Wohnungsnot zusammen. Wer die hohe Miete nicht mehr zahlen kann, finde meist keine erschwingliche Alternative und am Ende drohe sogar die Obdachlosigkeit.

Nicht selten sind es zudem Schicksalsschläge, die die Teufelsspirale der Verschuldung in Gang setzen. Da ist die Witwe, deren Mann Selbstmord begangen hat und deren Rente schlagartig nicht mehr ausreicht, um die bis dahin gut leistbaren Ratenzahlungen zu stemmen. Oder die Alleinerziehende, die nach einem Unfall nicht mehr voll arbeiten kann und kaum weiß, wie sie laufende Kredite bedienen soll.

Zu den Aufgaben der Schuldnerberatung gehört auch die Prävention. Sandra Moll ist diejenige, die Jugendliche an Schulen für die Gefahren einer konsumorientierten Gesellschaft sensibilisiert. "Die Unternehmen machen einem das Kaufen viel zu leicht", meint Hasenbank und hat dabei Onlinehandel, zinslose Ratenkredite und die omnipräsente Möglichkeit der Kartenzahlung im Visier.

Es gilt also an vielen Fronten zu kämpfen. Doch am Mittwoch, 7. November, steht das Jubiläum im Fokus. Das Team der Caritas-Schuldnerberatung feiert ab 15 Uhr im Pfarrsaal Scheyern mit Kreisgeschäftsführerin Pia Tscherch, Caritasdirektor Georg Falterbaum und geladenen Gästen. Auf dem Programm stehen neben Zahlen und Fakten auch Playback-Theaterszenen "Aus dem echten Leben einer Schuldnerberaterin".

Familien in Not als Unterstützer


Für die Finanzierung der sozialen Schuldnerberatung sind die Kreise und kreisfreien Städte zuständig, die Kosten der Insolvenzberatung werden hingegen bisher vom Freistaat Bayern getragen.

Beide Dienstleistungen sind für Klienten kostenfrei. Die Präventionsarbeit an Schulen wird aus Mitteln des Fördervereins der Caritas mit Spendengeldern bestritten. "Besonders dankbar sind wir dem Verein Familien in Not, mit dem wir eng zusammen arbeiten", erklärt Schuldnerberaterin Maria Hasenbank. Die Organisation finanziere derzeit monatlich acht Stunden Beratung.

Ab 1. Januar 2019 ändert sich die Gesetzeslage, dann entscheidet der Landkreis allein über die Verteilung der Gelder aus dem ihm vom Staat für die Insolvenzberatung zugewiesenen Budget. Beim Träger hofft man, dass die Politik ihre Entscheidungen hier "auf der Grundlage des tatsächlichen Bedarfs trifft", so Hasenbank. Sie sieht die Caritas auf Grund ihrer jahrelangen Erfahrung und des kompetenten Personals als "gut gerüstet" für eine Fortführung der Beratung auf beiden Ebenen. zur
 
Maggie Zurek
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