Donnerstag, 16. August 2018
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Info-Veranstaltung zum Thema PFC bringt kaum Neues – Wolf, Nerb und Irlstorfer am Rednerpult

Unzufriedene Bürger

Manching
erstellt am 12.06.2018 um 21:49 Uhr
aktualisiert am 20.07.2018 um 22:54 Uhr | x gelesen
Manching (DK) „Wir sind verunsichert, verängstigt und verärgert“, fasste Michael Weichenrieder aus Manching am Montagabend zusammen. Das galt wohl für die allermeisten der gut 300 Zuhörer, die sich in der Aula der Schule am Lindenkreuz zusammengefunden hatten, um am Info-Abend zur PFC-Belastung in Manching und seinen Ortsteilen teilzunehmen.
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Sowohl Pfaffenhofens Landrat Martin Wolf (CSU) als auch Manchings Bürgermeister Herbert Nerb (FW) und Bundestagsabgeordneter Erich Irlstorfer (CSU)  waren gekommenen, um über den Stand der Dinge zu informieren und die Fragen der Bürger zu beantworten. Am Ende aber war der Unmut der Anwesenden zum Teil noch größer als zu Beginn.
Mit Transparenten haben die Bürger bereits am Eingang ihren Unmut über die momentane Situation zum Ausdruck gebracht. Auch während der Veranstaltung kochte der Ärger immer wieder hoch. Eine Lösung des Problems ist derzeit nicht in Sicht.
Susanne Lamprecht
Manching
Mit Plakaten und Transparenten bewaffnet, erwarteten einige der Zuhörer die Vertreter von Kreis und Gemeinde schon am Eingang der Halle. Darauf zu lesen deutliche Sprüche: „Wir Bürger haben den Dreck. Der Verursacher duckt sich weg!“ oder auch „Mit ja mei und aussitzen ist’s vorbei. PFC stoppen und zwar glei!“ und noch viel    mehr war  zu lesen. 
 
Diese Forderungen hatten die Bürger, die derzeit unter Federführung von Weichenrieder über die Gründung einer Bürgerinitiative nachdenken, ausführlicher aber nicht minder deutlich zu Beginn der Veranstaltung an Landrat Wolf und  Irlstorfer übergeben. Eine weitere Verunreinigung müsse sofort gestoppt werden, die Bürger müssten aufwandsneutral sauberes Wasser zur Gartenbewässerung erhalten und für entstehende Mehrkosten (zum Beispiel für die Entsorgung von Aushub) müsse es Entschädigungen geben, hieß es darin.
 
All das waren Punkte, die vom Grundsatz her auch Nerb, Wolf und Irlstorfer für richtig hielten. Zufrieden stellen konnten sie die Zuhörer an diesem Abend dennoch nicht. In ihren einleitenden Worten erklärten alle drei, dass es am Vormittag einen weiteren Runden Tisch mit Vertretern des Bundes und der Fachbehörden gegeben habe, dass man sich inzwischen darüber einig sei, dass der Bund der Verursacher sei, dass die Ausbreitung der Belastung räumlich weitgehend geklärt sei (Nachbesserungen sind weiterhin möglich)  und dass derzeit ein Gefährdungsbericht mit angeschlossenem Maßnahmenkatalog erstellt werde. Dieser soll bis zum 31. August  vorliegen.

Volles Haus: Das Interesse an der Informationsveranstaltung zum Thema PFC in der Aula der Schule am Lindenkreuz war groß.
Schmidtner
Manching
All das wurde von Nerb, Wolf und Irlstorfer als Anfangserfolg gewertet. All das war den Bürgern allerdings merklich zu wenig. Mit Nachdruck forderten sie die Beantwortung eines zweiseitigen Fragenkataloges, den Weichenrieder und seine Mitstreiter ausgearbeitet und schon im Vorfeld an das Landratsamt geschickt hatten.

Im Gespräch: Landrat Martin Wolf (links) mit dem Sprecher der Bürger, Michael Weichenrieder.
Susanne Lamprecht
Manching
„Wir werden versuchen, ihre Fragen zu beantworten. Wo etwas offen bleibt, da versuchen wir, es von den Fachstellen klären zu lassen“, sagte Wolf und machte sich daran, die 25 teils recht detailreichen Fragen der Bürger zu beantworten. Zufrieden waren die mit dem Ergebnis allerdings bei Weitem nicht. Immer wieder gab es Zwischenrufe, ironisches Gelächter, Aufschreie des Unmutes. Besonders sauer stieß den Bürgern dabei auf, dass sie nun – wie sie befanden – „von jetzt auf gleich“ ihre Gärten nicht mehr bewässern dürfen und auch sonst erhebliche, finanzielle und ideelle  Nachteile hinzunehmen hätten,  während  „auf dem Flugplatz alles läuft wie bisher auch“.
 
„Uns ist das alles einfach viel zu wenig. Es geht viel zu langsam und wir verstehen nicht, warum der Bund nicht – ähnlich wie die private Wirtschaft zum Beispiel in Münchsmünster – alles technisch Machbare tut, um unser Wasser und unsere Böden nicht noch weiter zu verunreinigen“, sagte Weichenrieder und brachte merklich sarkastisch an: „Wahrscheinlich darf jetzt bis 2032 in Westenhausen keiner mehr sterben. Schließlich darf man kein Loch graben. Von der Beseitigung des Aushubs mal ganz zu schweigen.“
 

SPD: Aufklärung noch vor Landtagswahl

Manching (PK) SPD-Verbraucherschützer Florian von Brunn, Landtagsabgeordneter aus München, verlangt im Zusammenhang mit der PFC-Verunreinigung vollständige Information der Bevölkerung - noch vor der Landtagswahl. Von Brunn will verhindern, dass die Staatsregierung die Fälle - wie zuvor im Landkreis Altötting - herunterspielt und die Bevölkerung über die Gefahren der Chemikalien im Unklaren lässt.

In einem parlamentarischen Antrag, den er diese Woche in den Landtag einbringen wird, verlangt von Brunn umfassend Auskunft über die Zustände vor Ort: "Weil die Chemikalien so gesundheitsschädlich sind, haben die Menschen vor Ort ein Recht darauf, umfassend, schnell und vollkommen transparent über alle Fakten informiert zu werden. Außerdem muss sich die Staatsregierung darum kümmern, dass die Betroffenen auch angemessen von der Bundeswehr entschädigt werden. Bisher ist hier noch nicht viel passiert. " Der für Altötting zuständige SPD-Abgeordnete Günther Knoblauch besteht darauf, dass die Staatsregierung mit der Information nicht auf Zeit spielt: "Die Betroffenen brauchen diese Informationen jetzt und nicht erst nach dem Landtagswahltermin im Oktober. " Der SPD-Antrag fordert, dass die Staatsregierung so schnell wie möglich darüber berichten, wie sich die PFT-Belastungen im Landkreis Pfaffenhofen ausbreiten und welche Konseqenzen dies für Grundwasser und Oberflächengewässer hat. Was die Staatsregierung bisher unternommen hat, um die Verursacher, wie zum Beispiel die Bundeswehr im Landkreis Pfaffenhofen, zu einer Entschädigung der Betroffenen zu veranlassen. Die Staatsregierung sei außerdem aufgefordert, sich dafür energisch einzusetzen, dass Geschädigten in den beiden Landkreisen von den jeweiligen Verursachern entschädigt werden.  
 

Kommentar

Seit sechs Jahren ist die PFC-Problematik auf dem und um den Flugplatz Manching dem Bund nun bekannt.Sie ist kein Einzelfall. Über 30 vergleichbare Fälle gibt es in Bayern, wohl bis zu 150 in Deutschland. Bisher ist bis auf eine Reihe runder Tische, die Entnahme von Proben und die Erstellung von Gutachten nur wenig geschehen. Klare Grenzwerte für den Stoff PFC gibt es bis dato nicht. Wie gefährlich für Mensch, Tier und Umwelt er tatsächlich ist, ist nach wie vor unbekannt. Umso verständlicher, dass die betroffenen Bürger verunsichert und verärgert sind und sich eine Aufklärung des Sachverhaltes sowie ein schnelles Handeln der Verursacher wünschen. Dass sich dieser Unmut gegen die Vertreter der Marktgemeinde und des Landratsamtes richtet, führt ins Leere. Sie können geltendes Recht - ob sinnvoll und zeitgemäß oder nicht - nicht nach eigenem Gutdünken außer Kraft setzten, um den Bürger-Willen zu erfüllen. Die Gründung einer Bürgerinitiative, die geschlossen und gegebenenfalls mit juristischer Unterstützung und fachlich fundiert und mit sachlichen Argumenten auftreten kann, wäre da nur wünschenswert. Hochkochende Emotionen der Beteiligten sind ob der Sachlage zwar allzu verständlich. Weiterhelfen werden sie bei der Lösung des Problems aber nicht.

Susanne Lamprecht
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