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Die Eichen in der Nöttinger Viehweide haben in über drei Jahrhunderten schon viel erlebt - Teil 2 der Serie

Filmkomparse und Casting-Show-Teilnehmer

Nötting
erstellt am 18.10.2017 um 19:29 Uhr
aktualisiert am 22.10.2017 um 03:33 Uhr | x gelesen
Nötting (GZ) Sie haben über drei Jahrhunderte Geisenfelder Geschichte erlebt, wurden Zeuge klösterlicher Landwirtschaft und erlangten als Filmkomparsen und Casting-Show-Teilnehmer eine gewisse Berühmtheit: die unter Naturschutz stehenden Eichen in der Nöttinger Viehweide.
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Nötting: Filmkomparse und Casting-Show-Teilnehmer
Die Eichen in der Nöttinger Viehweide in den unterschiedlichsten Facetten: Einer der noch lebenden Bäume (rechts unten) nahm vor zwei Jahren am BR-Wettbewerb "Baum der Bayern" teil, während der Stamm einer gefallenen Eiche als Kulisse für das Filmprojekt "Ekkelins Knecht" diente (großes Bild). Die bizarren Skelette der längst abgestorbenen Bäume bilden nicht nur ein beliebtes Fotomotiv, sie bieten auch einer Vielzahl von Tieren Schutz und Lebensraum. - Fotos: Zurek
Nötting

Grunzend wühlt sich eine Herde von Schweinen durch die offene Heidelandschaft, während der Sauhirt, an den Stamm einer schattenspendenden Eiche gelehnt, seinen Gedanken nachhängt. Die Tiere lieben die Nussfrüchte des Baumes, der ihnen reichhaltige Nahrung bietet. Eine solche Szene dürfte im Mittelalter in der Nöttinger Viehweide alltäglich gewesen sein. Bis zur Säkularisation im Jahr 1803 gehörte das Areal, das 1943 zusammen mit dem Badertafel zum Naturschutzgebiet erklärt wurde, dem Kloster Geisenfeld. Seit seiner Erweiterung im Jahr 1986 umfasst es 148 Hektar. Die Nöttinger Viehweide verdankt ihr Entstehen und ihren Namen der intensiven Beweidung durch Schafe, Schweine und Rinder. Nur die Tatsache, dass diese jungen Sprösslinge etwa des Faulbaumes verbissen und mit ihren Hufen die Erde aufgebrochen haben, gab seltenen Pflanzenarten wie Frühlingsknotenblume, Seidelbast, Knabenkraut oder Ragwurz eine Chance. Auch die uralten Hüteeichen, die mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel haben, verdanken unter anderem der Beweidung, dass sie als stattliche Einzelbäume zu bizarrer Schönheit heranwachsen konnten. Heute gelten ihre Eicheln indes nur noch "wilden" Schwarzkitteln als Delikatesse für Herbst und Winter. Den "Pflegedienst" der umgebenden Heidelandschaft übernehmen inzwischen hingegen meist Kamerunschafe.

In der Zeit des Raubrittertums spielt hier eine andere Szene: Ein Ritter lehnt nach heftigen Auseinandersetzungen blutüberströmt am Stamm einer gefallenen Eiche - hierbei handelt es sich allerdings um eine gestellte Aufnahme aus dem April 2004, mit der für das Filmprojekt "Ekkelins Knecht" (die Geschichte des 1381 in Neumarkt in der Oberpfalz geräderten Raubritters Egkelein von Geiling aus der Sicht seines Gesindes) geworben werden sollte. Beim Dreh schauten auch ein paar Geisenfelder Polizisten vorbei. Die waren von Spaziergängern alarmiert worden, die sich über eine "blutüberströmte Gestalt in seltsamen Klamotten, die neben einem Bierfass liegt" sehr erschrocken hatten. 2015 nahm dann sogar eine der lebenden Eichen am BR-Wettbewerb "Baum der Bayern" teil, bei dem sie im Ranking Platz 10 erreichte.

Gerade die Eichen bieten - im Leben wie im Sterben - wegen ihrer vielfältigen Struktur einer Vielzahl von Vögeln und Säugetieren wie Specht, Eule, Kauz, Fledermaus und Baummarder sowie über 650 Käferarten, diversen anderen Insekten und Pilzen einen Lebensraum, Schutz und Nahrung. Die Larven des seltenen Hirschkäfers, den man auf der Viehweide noch antreffen kann, entwickeln sich über fünf bis acht Jahre in vermodernden Eichenstümpfen. Der erwachsene Käfer leckt gern den Baumsaft auf, der bei der Verletzung der Rinde entsteht.

Von Maggie Zurek
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