Samstag, 17. November 2018
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Manuela Schmidmeir verrät ihr Rezept zu diesem St.-Martins-Brauch

Eine Gans zum Teilen

Rohrbach
erstellt am 08.11.2018 um 13:30 Uhr
aktualisiert am 11.11.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Waal (era) Gänse spielen zu St. Martin eine besondere Rolle. Viele Kinder im Landkreis bekommen beim Laternenumzug eine gebackene Gans geschenkt - ein Rezept dazu verrät Manuela Schmidmeir aus Waal, deren Sohn beim Umzug des Don-Bosco-Kindergartens dabei sein wird.
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Ermert, Anna, Rohrbach
Rohrbach
Dass am Martinstag eine Gans auf den Mittagstisch kommt, dass die Kinder mit leuchtenden Augen und "Ich geh mit meiner Laterne" laut singend und begeistert beim Martinsumzug mitgehen, das ist ein schöner, liebgewordener Brauch. Auch ein alter Brauch ist es, süße Martinsganserl aus Hefeteig oder Quarkölteig zu backen, die man sich dann beim Nachmittagskaffee schmecken lässt. Manuela Schmidmeir aus Waal hat uns das Rezept für die süßen Ganserl verraten.

Manuela Schmidmeirs Sohn besucht den Don-Bosco-Kindergarten in Eschelbach und dort werden jedes Jahr Martinsganserl gebacken, um das Brauchtum des Teilens und der Nächstenliebe den Kindern gemäß der Legende des Heiligen Martin nahezubringen. "Jedes Kind bekommt ein süßes Ganserl zum Umhängen. Wer sein Ganserl nicht gleich aufessen will, für den gibt es dann Martinsweckerl und Semmeln - aber die werden dann geteilt", erzählt Manuela Schmidmeir.

Auch in die Legende hat sich Manuela Schmidmair eingelesen: Danach war Martin ein römischer Offizier, der mit einem Bettler seinen Umhang teilte, um ihn vor dem Erfrieren zu retten. Martin zog danach als Prediger weiter, wurde zum Priester geweiht - aber mehr wollte er auch nicht werden. Als er zum Bischof ernannt werden sollte, versteckte er sich in einem Gänsestall. Doch die Gänse haben ihn durch ihr Geschnatter verraten und so musste er sich doch zum Bischof weihen lassen.

"Im Süden Frankreichs liegt das Bistum Tours, wo der Heilige Martin tätig war, und dort gehören Gänse- und Entenherden bis zum heutigen Tage zum allgemeinen Bestand jedes Bauernhofes", erzählt Manuela Schmidmeir weiter.

Früher musste am 10. November in Bayern zum Ende des Wirtschaftsjahres von den Bauern der "Zehnte" abgeführt werden, oft auch in Naturalien, auch in Gänsen. Gleichzeitig war aber auch Zahltag für das Gesinde, es wurden Gänse oder anderes Federvieh geschlachtet und gebraten - und am 11. November gab es dann ein Festessen, bei dem so richtig geschlemmt werden konnte.
 
Ermert, Anna, Rohrbach
Rohrbach



Manuela Schmidmeirs selbst hat an der Landwirtschaftsschule in Ingolstadt eine zweijährige Ausbildung zur Referentin für Hauswirtschaft und Ernährung und staatlich geprüfte Hauswirtschafterin absolviert und im Mai dieses Jahres abgeschlossen. "Die Abteilung Hauswirtschaft ist dabei sehr wichtig."

Jetzt ist sie als selbstständige Hauswirtschafterin im Hauswirtschaftlichen Fachdienst Pfaffenhofen (HWF) tätig und "sehr gut beschäftigt", wie sie erzählt. Manuela Schmidmeir war Zahnarzthelferin und Fortgebildete Zahnmedizinische Assistentin - und hat nach der Geburt ihres Sohnes beruflich nochmal einen Neuanfang gewagt. "Und es nicht bereut." Denn sie findet: "Hauswirtschaft ist zeitlos, weil es letztendlich jeder braucht."

Man merkt, sie mag ihren neuen Beruf und möchte gerne noch Meisterin werden, wenn ein Lehrgang zustandekommt: "Das geht vom Landwirtschaftsamt Schrobenhausen und Ingolstadt aus. Aber es müssen mindestens 16 Teilnehmer sein." Wenn nicht, dann fällt der Meisterlehrgang für ein Jahr aus. Für Manuela Schmidmeir kein Problem, dann wird eben ein Jahr später durchgestartet.

Eine nette Geschichte nebenbei: Die Familie Schmidmeir hat selbst einen Gänserich, der bereits zwölf Jahre auf dem Buckel hat und schon drei Gänsefrauen beglückte. Heuer klappte es leider nicht mit dem Nachwuchs. Aber das Gänsepaar fühlt sich pudelwohl unter einer Entenschar. Man verkauft die Tiere am liebsten lebend "an solche Liebhaber, wie wir es sind", erzählt Manuela Schmidmeir. Das Gänsepaar muss daher den Martinstag nicht fürchten.

Rezept

Zutaten

  • 300 Gramm Mehl
  • 2 Teelöffel (TL) Backpulver
  • 50 Gramm Zucker
  • 1 Packerl Vanillezucker
  • ¼ TL Salz
  • Schalenabrieb von einer halben Zitrone
  • 150 Gramm Magerquark
  • 100 ml Rapsöl
  • 100 ml Milch

Zubereitung

Alle trockene Zutaten in die Rührschüssel geben, dabei etwas Mehl zurückhalten. Quark und Öl zugeben, die Milch knapp dazugießen und mit einem Knethaken die Zutaten vermengen. Nach Bedarf Mehl und Milch zugeben. Der Teig sollte elastisch sein und sich leicht von der Schüssel lösen. Den Teig etwa einen Zentimeter dick ausrollen und mit einem Edelstahlausstecher Gänse ausstechen. Die Gänste auf ein Blech setzen und aus den Resten Flügel formen. Anschließend 10 bis 15 Minuten backen bei 160 Grad Heißluft. Für die Zierde 150 Gramm Puderzucker mit drei Esslöffel Wasser oder Zitronensaft glattrühren, mit der Glasur die Gänse bestreichen. Anschließend mit 50 Gramm Kokosflocken oder Hagelzucker bestreuen, Sultaninen oder hitzebeständige Schokotröpfchen als Augen ankleben und nach Belieben eine Schleife um den Hals legen. era

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