Freitag, 25. Mai 2018
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Peter Zemla spricht darüber, wie es ist mit 54 Jahren Joseph-Maria-Lutz-Stipendiat zu sein

"Literatur hat keine Altersgrenze"

Pfaffenhofen
erstellt am 15.05.2018 um 17:52 Uhr
aktualisiert am 19.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Peter Zemla hat vor vier Jahren alles hinter sich gelassen.
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Im Wohnzimmer des Flaschlturms hat sich Peter Zemla bereits eingerichtet. An der Wand hängt ein Zeitplan, der die Stationen der Romanfigur dokumentiert.
Im Wohnzimmer des Flaschlturms hat sich Peter Zemla bereits eingerichtet. An der Wand hängt ein Zeitplan, der die Stationen der Romanfigur dokumentiert.
Foto: Meier
Pfaffenhofen
Seitdem konzentriert er sich mit Unterbrechungen voll und ganz auf seinen Roman. Die nächsten drei Monate kann sich der neue Joseph-Maria-Lutz-Stipendiat im Flaschlturm seinem Schreibprojekt widmen. Im Interview erzählt der gebürtige Bamberger, wie es ist mit 54 Jahren ein Stipendiat zu sein und schildert seine ersten Eindrücke von Pfaffenhofen.



Wie haben Sie die erste Nacht im Flaschlturm geschlafen?

Peter Zemla: Gut. Nachts ist es hier still. Was mich geflasht hat, sind die Baustellen in Pfaffenhofen. Das ganze schöne Städtchen wird eigentlich umgewühlt.


Vor Ihrem Wohnzimmerfenster steht auch ein Gerüst.

Zemla: Ja, es wird gekreischt,, gepumpt und gesägt. Beim Schreiben stört es mich eigentlich nicht. Ich kann da gut abschalten. Ab 17 Uhr gehen die in ihren Feierabend und dann ist es relativ still.


Haben Sie neben den Baustellen bereits etwas anderes von Pfaffenhofen gesehen?

Zemla: Ich habe in den ersten Tagen zweimal den Ort zu Fuß durchquert. Es ist ein nettes Städtchen.


Neben der Erkundung von Pfaffenhofen: Auf was konzentrieren Sie sich in den nächsten drei Monaten?

Zemla: Hauptsächlich möchte ich meinen Roman vorantreiben. Der heißt "Die Hinrichtung". Er handelt von einem Schwimmmeister, der eines Tages einen Brief von der Stadt bekommt, dass seine Hinrichtung terminiert ist. Es ist ein realistischer Roman, der völlig unrealistisch ist. Es ist nicht so alltäglich, dass jemand einen Brief zur Hinrichtung bekommt. Und im Rathaus passieren auch noch viele Obskuritäten. Mein Held findet den Kopf seines Vaters, der dort eingemacht steht.


Neben ihren Roman werden Sie bestimmt eine Geschichte für die Lesung im Juli schreiben.

Zemla: Die "Zwischenfall"-Geschichte habe ich grob im Kopf. Es handelt von einem Mann, der nach Pfaffenhofen kommt. Aber der Mann ist irgendwie nicht fassbar. Es ist so eine Art Kobold oder Glücksbringer. Ich schreibe meistens katastrophale, pessimistische Sachen. Ich dachte mir jetzt, für die Pfaffenhofener Geschichte wäre es mal schön jemanden zu bringen, der eine Art Glücksbote ist. Der kommt nach Pfaffenhofen und bringt ganz viele Dinge ins Lot. Er rettet Kinder. Das muss ich mir im Einzelnen überlegen. Der Mann ist dann wieder weg. Keiner kann ihn fassen. Jeder beschreibt ihn irgendwie anders. Der Name ist unklar, es ist unklar, wo er so recht gewohnt hat. Fotos gibt es nicht so richtig.


Sie sind 54 Jahre alt und schreiben Ihren ersten Roman. Warum hat das so lange gedauert?

Zemla: Ich war lange Zeit Lokalzeitungsredakteur. War dann in München Texter und bei einem privaten Fernsehsender. Anschließend habe ich 15 Jahre als freier Journalist über Filme und Literatur geschrieben. Dann wurden die Kunden immer weniger und ich hatte immer weniger Lust zu akquirieren. Bereits mit 15 Jahren wollte ich literarisch schreiben. Nicht journalistisch. Und vor drei Jahren dachte ich mir, jetzt versuchst du es noch einmal.


Bereuen Sie es, so spät mit den literarischen Schreiben begonnen zu haben?

Zemla: Ich bereue, dass ich plötzlich 50 war. Dass ich es mein Leben lang machen wollte und nicht getan habe. Das bereue ich . Deswegen habe ich zu meiner Frau gesagt: "Tschüss ich schreibe jetzt. Und alles, was noch rumliegt, bleibt liegen."


Wie sehen Sie das, dass die anderen Stipendiaten jünger als Sie waren?

Zemla: Ich sehe es als Nachteil, dass man überhaupt Preise und Stipendien bekommt. Das ist ein Nachteil, wenn man jenseits der 50 ist. Es heißt immer, wir fördern junge Talente. Da zähle ich nicht mehr drunter. Aber wenn ich dann komme als Debütant und sie sehen dann, dass der Mann 54 Jahre alt ist, dann ist das schlecht. Die wollen dann einen 28-Jährigen fördern. Vorteil ist es, dass ich jetzt viel besser schreibe als mit 30 Jahren. Weil ich einfach mehr gelesen habe. Schreiben ist immer auch lesen. Literatur hat keine Altersgrenze. Natürlich muss man junge Talente fördern. Es gibt tolle junge Schreiber. Gibt es immer und überall.


Das Gespräch führte

Samantha Meier
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