Dienstag, 21. August 2018
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Debatte um den Umfang und den Zeitpunkt einer Straßensanierung - Gemeinderat geht lieber kein Risiko ein

"Lieber den Spatz in der Hand"

Reichertshausen
erstellt am 12.08.2018 um 18:16 Uhr
aktualisiert am 15.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Reichertshausen (hsg) Die Straße ab der B 13 von Reichertshausen über Grafing nach Oberpaindorf ist ein "Fleckerlteppich", der permanent ausgebessert werde.
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Das sei kostenintensiv und auf Dauer keine Lösung, da auch die Bankette in einem schlechten Zustand seien und Gegenstand häufig geäußerter Kritik aus der Bürgerschaft, lautete die Information seitens des Gemeindechefs Reinhard Heinrich (CSU) gegenüber dem Gemeinderat.

Im jetzigen Zustand würde es noch genügen, die Oberschicht abzufräsen und eine neue Schwarzschicht aufzubringen, so die Ansicht der Fachleute. Eine Erneuerung der Bankette könnte im Zuge der Sanierungsarbeiten ebenfalls erfolgen. Eine fundierte Schätzung der Kosten für den gesamten Straßenzug liegt bei rund 600000 Euro, so Heinrich. Würde man die Sanierung aus Etat- und auch sonstigen Gründen ins neue Jahr verschieben, könnte das bei einem milden Winter noch relativ gut gehen, ein strenges Winterhalbjahr aber gäbe der Straße den Rest und erfordere dann einen Vollausbau. Dabei müsse der Unterbau entsorgt werden, allein der koste laut Heinrich mindestens 500000 Euro, da ein Straßenaufbruch nicht in die unbedenkliche Bodenklasse Z 0 fällt, sondern auf geeigneten Deponien gelagert werden muss. Dann aber lägen die Gesamtkosten für den Vollausbau bei drei Millionen Euro, so der Hinweis des Bürgermeisters.

Wenn die Entwicklung in Zusammenhang mit der Klassifizierung von Böden so weitergehe, werden künftig "die Erschließungskosten teurer als der Baugrund selbst", befürchtete Heinrich. Als aktuelles Beispiel nannte er, ohne nähere Angaben zu machen, einen 30 Meter langen Kanalbau zu einem Privatgrundstück mit Kosten in Höhe von 123000 Euro. "Das ist die derzeitige Realität", so sein Fazit.

Florian Hepting (CSU) plädierte für eine Verschiebung der Sanierung um ein oder zwei Jahre in der Hoffnung, so lange werde die Straße noch halten, ohne dass anschließend ein Vollausbau erforderlich wäre. Und er war nicht allein mit seiner Meinung. Das erschien Heinrich zu riskant: "Mir ist der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach", so der Gemeindechef.

Die Frage des Zweiten Bürgermeisters Erwin Renauer (UWG), die Oberfläche mit Rollsplitt zu stabilisieren, sei intern schon erläutert worden, habe sich aber bei rissiger Oberfläche nicht bewährt, erwiderte Heinrich. So wurde eine ganze Reihe von Argumenten ausgetauscht, für jedes gab es ein Für und Wider bis hin zur Frage von Florian Hepting (CSU), ob es bei den genannten Kosten in Höhe von 600 000 Euro bleibe. "Wir setzen alles daran, die Kosten zu halten, da darf man uns getrost vertrauen", so die Antwort von Bauamtsmitarbeiter Bernhard Mayer, der als Beispiel die Sanierungskosten der Schule anführte, die nach wie vor im kalkulierten Rahmen liegen. Am Ende entschied sich der Gemeinderat mit einer Gegenstimme von Lorenz Dick (UWG) nicht für den Mut zum Risiko, sondern für die Sanierung in einem Stück ab September dieses Jahres in der Version ohne Vollausbau.
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