Sonntag, 18. November 2018
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Kandidaten von FW, AfD und Grünen liefern sich Kopf-an-Kopf-Rennen - Herbe Schlappe für Käser

Trotz Verlusten: Straub verteidigt Mandat

Pfaffenhofen
erstellt am 14.10.2018 um 23:44 Uhr
aktualisiert am 18.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Die CSU im Stimmkreis Pfaffenhofen hat gestern eine Blamage bei der Landtagswahl abwenden können: Sie lag mit 39,9 Prozent der Zweitstimmen ein paar Prozentpünktchen über dem bayernweiten Ergebnis. Überdurchschnittlich schnitt auch die AfD mit 13 Prozent ab. Die Grünen hingegen konnten mit 13,8 Prozent nicht an die bayernweiten Erfolge anknüpfen. Und die SPD stürzte sogar noch tiefer ab als im Landesschnitt.
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Nach ersten Hochrechnungen konnte die CSU um Kandidat Karl Straub (links) und Landrat Martin Wolf (2. von rechts) aufatmen.
Nach ersten Hochrechnungen konnte die CSU um Kandidat Karl Straub (links) und Landrat Martin Wolf (2. von rechts) aufatmen.
Brenner
Pfaffenhofen
Die Wähler im Stimmkreis Pfaffenhofen haben weder die CSU im Allgemeinen, noch ihren Direktkandidaten und Landtagsabgeordneten Karl Straub im Speziellen allzu drastisch abgestraft: War er 2013 noch mit 47,1 Prozent der Erststimmen souverän in den Landtag eingezogen, reichte es gestern noch für 35,7 Prozent. Sein Mandat hat der Wolnzacher Unternehmer damit überraschend deutlich verteidigen können. Bei Straubs Herausforderern um das Direktmandat lieferten sich am Wahlabend Albert Gürtner (Freie Wähler) mit 13,4 Prozent und Tobias Teich (AfD) mit 12,9 Prozent ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Der frühere Landrat Josef Schäch (FDP) errang einen Achtungserfolg mit 9,4 Prozent.

Bei den Zweitstimmen konnte sich die CSU im Stimmkreis Pfaffenhofen immerhin auf 39,9 Prozent retten - das liegt zwar über dem Durchschnitt im Freistaat, aber trotzdem 17,3 Prozentpunkte unter dem Zweitstimmenergebnis von 2013, als sich die CSU im Pfaffenhofener Land noch mit eindrucksvollen 57,2 Prozent zurückgemeldet hatte. Die Christsozialen fuhren in der Landkreismitte die besten Ergebnisse ein. Im Landkreis-Norden hatte hingegen die AfD überdurchschnittlich bei den Wählern gepunktet.

Die Grünen im Stimmkreis, die vor allem im südlichen Landkreis gut abschnitten, machten gestern zwar die Wahlschlappe von 2013 (5,6 Prozent) wieder gut, blieben mit 13,8 Prozent der Zweitstimmen dennoch rund fünf Prozentpunkte hinter dem landesweiten Ergebnis zurück - und Direktkandidat Wilhelm Reim musste sich sogar mit 11,3 Prozent der Erststimmen und damit Platz vier begnügen. Wo von den wankenden Christsozialen bayernweit vor allem die Grünen profitierten, konnte im Stimmkreis Pfaffenhofen vor allem die Alternative für Deutschland Boden gutmachen: Sie holte mit rund 13 Prozent der Zweitstimmen souverän die drittmeisten Stimmen und verwies Grüne und SPD auf die hinteren Plätze. Im Stimmkreis schnitt die AfD deutlich besser ab als im bayernweiten Mittel. Bei den Erststimmen belegt AfD-Direktkandidat Tobias Teich den dritten Platz. Und auch ohne Direktmandat kann sich Teich dank dieses überdurchschnittlichen Ergebnisses Hoffnung auf einen Einzug über die Liste machen.

Lag der AfD-Kandidat bei ersten Hochrechnungen am Wahlabend sogar noch auf Platz zwei, zog auf den letzten Metern Albert Gürtner von den Freien Wählern an ihm vorbei, als mit Manching und Pfaffenhofen die letzten Stimmbezirke ausgezählt waren. Bei den Zweitstimmen liegen die Freien Wähler allerdings nur auf Rang vier - mit 11,5 Prozent allerdings in etwa im bayerischen Durchschnitt. Damit melden sich auch die FW nach der Schlappe von 2013 wieder in alter Stärke zurück.
Enttäuschte Gesichter bei SPD-Direktkandidat Markus Käser (von links), seiner Lebensgefährtin und seinem Vater.
Enttäuschte Gesichter bei SPD-Direktkandidat Markus Käser (von links), seiner Lebensgefährtin und seinem Vater.
Lodermeyer
Pfaffenhofen



Die SPD im Stimmkreis hingegen versinkt mit 7,7 Prozent der Zweitstimmen nahezu in der Bedeutungslosigkeit. Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren hatten die Sozialdemokraten im Raum Pfaffenhofen immerhin noch fast 20 Prozent erreicht.

Auch die FDP hat nur mit Ach und Krach die Fünf-Prozent-Marke gerissen. Als persönlichen Erfolg darf hingegen FDP-Direktkandidat Josef Schäch den Urnengang verbuchen: Der Wolnzacher Unternehmer konnte respektable 9,4 Prozent der Erststimmen auf sich vereinen und in den meisten Gemeinden an SPD-Mitbewerber Markus Käser vorbeiziehen. In den Stimmbezirken Rohrbach (fast 13 Prozent) und Wolnzach (fast 26 Prozent) reichte es sogar für Platz zwei bei den Erststimmen - vor AfD, Grünen und Freien Wählern. Offen ist, ob sein Ergebnis über die Liste für einen Einzug ins Maximilianeum reichen könnte. Das wird sich wohl erst heute im Laufe des Tages abzeichnen.

Für den SPD-Direktkandidaten Käser dürfte der gestrige Abend besonders bitter gewesen sein: War er 2013 mit fast 20 Prozent der Stimmen noch der aussichtsreichste Verfolger Straubs, fiel der SPD-Rebell diesmal trotz eines engagierten Wahlkampfs mit Pauken und Trompeten durch - teilweise mit blamablen Einzelergebnissen: In Ernsgaden beispielsweise holte er nicht einmal fünf Prozent der Erststimmen. In seiner Heimatstadt Pfaffenhofen reichte es noch für 15,9 Prozent der Erststimmen. Angesichts seiner 27,6 Prozent bei der Wahl von 2013 ist aber auch das als Niederlage zu werten.

ÖDP, Linke und Bayernpartei treten mit Ergebnissen von 2 bis 2,2 Prozent bei den Erst- sowie 2,3 bis 5 Prozent bei den Zweitstimmen weitestgehend auf der Stelle. Die übrigen Kleinparteien spielen mit Ergebnissen unter einem Prozent keine Rolle. Lediglich zwei von ihnen schickten Direktkandidaten ins Rennen: Für die Satirepartei "Die Partei" errang der Wolnzacher Max Wallner junior 0,85 Prozent der Stimmen. Schlusslicht bei den Erststimmen ist die Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer (V-Partei³) mit 0,44 Prozent.

Recht hoch war gestern übrigens die Wahlbeteiligung: 73,5 Prozent der Wahlberechtigten im Stimmkreis gaben ihre Stimme bei der von der CSU beschworenen "Schicksalswahl" ab. Vor fünf Jahren lag die Quote bei 66,3 Prozent. 2008 gingen sogar nur 60 Prozent wählen.

 

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Rund elf Prozentpunkte weniger Erststimmen als bei seiner ersten Kandidatur vor fünf Jahren. Das ist kein Ergebnis, auf das ein amtierender Landtagsabgeordneter wie Karl Straub (CSU) stolz sein kann. Dennoch dürfte ihm gestern ein Stein vom Herzen gefallen sein. Denn immerhin hat er sein Direktmandat noch mit einem Stimmenanteil verteidigt, der zwar unter dem Zweitstimmenergebnis der CSU, aber zumindest nicht im blamablen, sondern durchaus noch im akzeptablen Bereich liegt. Und so manche Wahlstrategen hatten ihm und der CSU, bei der schon lange niemand mehr von der Verteidigung der absoluten Mehrheit träumte, ja vorausgesagt, dass es für sie noch viel, viel schlimmer kommen würde als jetzt geschehen.

Starke Ergebnisse holten Albert Gürtner (FW), Tobias Teich (AfD) und Wilhelm Reim (Grüne). Sie lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Nr. 2. im Stimmkreis. Bei den Direktkandidaten lag Gürtner vor Teich und Reim, bei den Zweitstimmen gingen die Grünen vor der AfD und den Freien Wählern ins Ziel. Die Grünen konnten im Vergleich zur Wahl 2013 ihren Stimmenanteil verdoppeln, blieben aber klar hinter dem bärenstarken Bayernergebnis ihrer Partei zurück. Und die SPD? Deren Direktkandidat Markus Käser konnte nach einem extrem engagierten Wahlkampf nur knapp 10 Prozent der Erststimmen auf sich vereinen. Der "Mach-Politiker", wie er sich selbst bezeichnete, wurde damit die tragische Figur der Wahlnacht. Nur hauchdünn blieb er vor Josef Schäch (FDP). Und mit rund acht Prozent der Zweitstimmen verlor die SPD auch hier ihren Rang als Volkspartei. Robert Schmidl

Michael Kraus
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