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Es sollte der große Wahlkampfcoup der AfD werden: Eine Kundgebung mit Jörg Meuthen. Zwar sagte der Bundesvorsitzende seinen Auftritt wieder ab, der größte Aufreger war der Termin aber allemal. Da verblassten die Auftritte von SPD-Chefin Andrea Nahles oder der Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze fast etwas: Das hatten die Parteien im Landtagswahlkampf zu bieten. Von Severin Straßer

Auf in den Endspurt

Pfaffenhofen
erstellt am 09.10.2018 um 19:03 Uhr
aktualisiert am 13.10.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Es sollte der große Wahlkampfcoup der AfD werden: Eine Kundgebung mit Jörg Meuthen. Zwar sagte der Bundesvorsitzende seinen Auftritt wieder ab, der größte Aufreger war der Termin aber allemal. Da verblassten die Auftritte von SPD-Chefin Andrea Nahles oder der Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze fast etwas: Das hatten die Parteien im Landtagswahlkampf zu bieten.
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Der größte Aufreger im Landtagswahlkampf war bis jetzt die Kundgebung der AfD vor dem Pfaffenhofener Rathaus mit Gegendemo am Oberen Hauptplatz (oben). Außerdem statteten die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles (mittleres Bild, rechts), Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (unten, von links), die Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze und Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger dem Stimmkreis Pfaffenhofen einen Besuch ab.
Der größte Aufreger im Landtagswahlkampf war bis jetzt die Kundgebung der AfD vor dem Pfaffenhofener Rathaus mit Gegendemo am Oberen Hauptplatz (oben). Außerdem statteten die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles (mittleres Bild, rechts), Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (unten, von links), die Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Schulze und Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger dem Stimmkreis Pfaffenhofen einen Besuch ab.
Straßer, Ebensberger, Zurek, Paul
Pfaffenhofen

CSU



Zum Auftakt des Wahlkampfes bezog Karl Straub erst einmal Prügel. Einen Boxkampf für den guten Zweck verlor er gegen den Ingolstädter FDP-Stadtrat Karl Ettinger. Und dann musste er sich vom SPD-Kandidaten Markus Käser auf Plakaten auch noch verhöhnen lassen. "Lösungen statt Showboxen", plakatierte Käser. Was den Besuch von CSU-Größen angeht, führte Straub einen defensiven Wahlkampf - offenbar versprach er sich nicht allzuviel von Schützenhilfe aus München oder Berlin. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber schaute Anfang August in Wolnzach vorbei, natürlich nicht ohne leidenschaftliches Rundumlob auf das aktuelle Regierungsprogramm der CSU zum Besten zu geben. Ansonsten: viel Normalität. Wobei an den Infoständen der Christsozialen die Stimmung schon mal besser war. Stress gab es auch an der Plakatefront. In Pfaffenhofen hatte die CSU ihre Plakate in einer Nacht-und-Nebel-Aktion schon ein bisschen früher rausgehängt als erlaubt - was prompt den SPD-Bürgermeister Thomas Herker auf den Plan rief. Haltung bewies Straub mit seiner Absage an den DGB. Die Gewerkschafter wollten lieber ohne AfD-Kandidat Tobias Teich diskutieren, was zum Ergebnis hatte, dass Straub auch nicht mehr mitreden wollte. Ansonsten hielt sich Straub mit Aussagen zur AfD zurück - ganz im Gegensatz zu seinem Parteifreund Martin Wolf: Der Landrat forderte öffentlich eine förmliche Distanzierung der Rechtspopulisten vom Nationalsozialismus.
 
Straßer, Ebensberger, Zurek, Paul
Pfaffenhofen

 

SPD


Markus Käser liebt den Wahlkampf. Stylische Plakate in Schwarz-Weiß, Schiebermütze als Erkennungszeichen, flächendeckend verteilte "Mach-Beweise" als gedruckte Zeitung: Der "Käser-Express". Zur Hochform lief der SPD-Kandidat auf, als die AfD die Kundgebung mit Jörg Meuthen ankündigte: Er stellte eine überparteiliche Gegendemo auf die Füße und stahl so der AfD die Show. Höhepunkt im Kampf um die Wählerstimmen sollte der Besuch der SPD-Chefin Andrea Nahles sein. Sie hat an duftendem Hopfen gerochen, Autogramme unterschrieben und aus der Pfaffenhofener Bimmelbahn den Fotografen entgegen gelächelt. Allerdings fiel der Termin genau in die Zeit des Koalitionsstreits um den Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen: Da waren selbst einige der hartgesottensten Genossen nicht gut auf ihre Chefin zu sprechen. Ärger gab es um die Wahlkampf-Wäscheglubbal beim Volksfesteinzug und auch Käser hatte seine Plakat-Affäre: In Schweitenkirchen tauchte ein viel zu großes SPD-Plakat auf.
 
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Pfaffenhofen

 

FREIE WÄHLER


Die Freien Wähler haben eigentlich nur ein Gesicht: Hubert Aiwanger. Da ist eigentlich klar, dass sich Wahlkämpfer in allen Stimmkreisen um einen Auftritt des 47-jährigen Niederbayern bemühen. Den Pfaffenhofener Kandidaten ist es gelungen: Immerhin rund 60 Gäste wollten Aiwangers Auftritt in Geisenfeld sehen. Aufgabe seiner Gruppierung als "Brückenbauer in der Mitte" sei es, über Parteien hinweg gute Ideen zusammenzuführen statt sich gegenseitig zu lähmen und zudem eine offene Gesprächskultur pflegen, in der kritische Stimmen Betroffener Gehör finden, sagte Aiwanger. So weit so gut. Weitere Strahlkraft versprach sich Stimmkreiskandidat Albert Gürtner von Roland Weigert. Der Landrat von Neuburg-Schrobenhausen will im Nachbarstimmkreis in den Landtag und darf sich wesentlich bessere Chancen ausrechnen als Gürtner. Da kann es ja nicht schaden, ein bisschen von der Popularität auf sich abstrahlen zu lassen. Ansonsten: Keine Skandale, aber auch keine großen Auftritte.
 
Straßer, Ebensberger, Zurek, Paul
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GRÜNE


Die Grünen haben einen Höhenflug. Und so präsentierte die Öko-Partei in diesem Wahlkampf sogar mehr Parteiprominenz als die CSU. Im Juli kam Anton Hofreiter, der Vorsitzende der Bundestagsfraktion, nach Pfaffenhofen. Weit mehr als 100 Zuhörer hatten sich versammelt, nicht schlecht für einen so warmen Abend und ein nicht wirklich erheiterndes Thema. Die Kreisvorsitzende Kerstin Schnapp war gleich mal "überwältigt", wie sie sagte. Ende August füllte dann die Spitzenkandidatin Katharina Schulze ein Café in der Pfaffenhofener Innenstadt. Bis hinaus auf die Terrasse drängten die Zuhörer. Stimmkreiskandidat Willi Reim blieb dabei bodenständig. Seine Wahlkampfhöhepunkte: Wanderungen um Wolnzach und Hohenwart. Außerdem verteilte er im September Äpfel an Bahnhöfen im Landkreis.
 
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FDP


Weil die Freien Demokraten vor fünf Jahren aus dem Landtag geflogen sind, ist es schwierig an prominente bayrische Wahlkampfhelfer zu kommen. Und weil die Bundespartei eigentlich auch nur Christian Lindner zu bieten hat, der sich aber bei Wahlkampfterminen im Süden rar gemacht hat, setzte Kandidat Josef Schäch auf einen klassischen Wahlkampf. Viele Zeitungsanzeigen, in denen er auf seine Erfahrung hinweist, Termine am Infostand, Plakate mit seinem Gesicht, nur ein kleiner Hinweis auf die Partei - schließlich ist Schäch alles andere als ein waschechter Liberaler und bis jetzt kein Parteimitglied, in seiner Zeit als Wolnzacher Bürgermeister und Pfaffenhofener Landrat amtierte er als Freier Wähler.
 
Straßer, Ebensberger, Zurek, Paul
Pfaffenhofen

 

AfD


Um Aufmerksamkeit zu erreichen musste die AfD eigentlich gar nicht besonders viel machen. Es reichte schon, den Auftritt des Bundesvorsitzenden anzukündigen, und schon formierte sich ein breites Bündnis, das eine Demo gegen den Auftritt des AfD-Promis organisierte. Dass Meuthen dann doch nicht kam, tat der Öffentlichkeitswirksamkeit der Aktion keinen Abbruch. Es sprach dann der bayerische Landeschef Martin Sichert. Genauso die Ausladung des AfD-Bundestagskandidaten Johannes Huber vom Promizupfen am Hopfazupfajahrtag des Brauchtumsvereins Bayern, Brauch und Volksmusik am Prielhof. Klostercellerar Pater Lukas Wirth hatte sich eine Teilnahme Hubers verbeten, daraufhin gab es eine ausufernde öffentliche Debatte. Vertreter aller Parteien konnten sich an der AfD abarbeiten. Keineswegs schüchtern waren die Rechtspopulisten allerdings, was die Plakatierung angeht, auch mit Infoständen waren sie präsent. Klassischer Wahlkampf ist eben auch in Zeiten sozialer Netzwerke ein probates Mittel - wobei gerade Landtagskandidat Tobias Teich auch online mit Kommentaren zu allen möglichen Themen nicht sparte.

DIE KLEINEN PARTEIEN


Wer das Konterfei von Bayernpartei-Kandidat Robert Prado Diaz, das von Werner de la Motte Rouge von den Linken oder von Sebastian Steinacher von der V-Partei3 auf Plakaten sucht, wird im Stimmkreis nicht fündig. Genau wie Max Wallner von der Satiregruppierung Die Partei setzen die Direktkandidaten der kleineren Parteien auf vorgefertigte Motive aus den Zentralen. Von den Plakaten der Bayernpartei schaut der bayerische Löwe, die Linke setzt auf klassenkämpferische Sprüche und die Zugkraft der bayerischen Spitzenkandidatin Eva Bulling-Schröter aus Ingolstadt, die V-Partei3 plakatiert mit den stellvertretenden Bundesvorsitzenden Heike Rudolf und Henrik Lange, die Satirepartei versucht, ihre Wähler mit lustigen Sprüchen zu überzeugen. Einzig die ÖDP setzt auf personalisierte Plakate. Landtagsdirektkandidat Siegfried Ebner hält ein Schild in der Hand, auf dem steht: "Ich fordere mehr Einsatz für saubere Energie, gesunde Umwelt und Gemeinwohl." Überhaupt werfen die Ökodemokraten im Stimmkreis von den kleinen Parteien am meisten in die Waagschale. Infostände, Diskussionsrunden, Radltouren und Stadtführungen mit den Kandidaten standen auf dem Programm.
 
Severin Straßer
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